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Der Bild-Mann und die Brandstifter

Neues vom Todesstern an der Ericusspitze: Die angekündigte Verpflichtung von Bild-Vize Nikolaus Blome sorgt für ein internes Gemaule, das selbst für Spiegel-Verhältnisse ungewöhnliche Ausmaße annimmt. Bild-Chef Kai Diekmann nutzt die Gunst der Stunde, um mal wieder seine PR-Maschine in eigener Sache anzuwerfen. Und der stern scheint zumindest im Print so langsam konzeptionell und inhaltlich Tritt zu fassen. Bis sich aber online aber was tut, dauert‘s noch.

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Wie sind die bei beim Spiegel denn drauf? Nachdem verkündet wurde, dass der bisherige Bild-Vize Nikolaus Blome bald Spiegel-Vize und Leiter des Berliner Büros wird, brach in der Hamburger Zentrale so eine Art ein Revolutiönchen aus. Von einer “Kriegserklärung” des neuen Chefredakteurs Wolfgang Büchner soll die Rede gewesen sein. Einige sollen gar angezweifelt haben, ob Büchner seinen Job am 1. September nun überhaupt wird antreten können.

Die Berliner Zeitung schreibt
, Büchner sei bei der Vorstellung der Personalie Blome "brachial" und "patzig" aufgetreten. Geht’s nicht ‘ne Nummer kleiner? Kann es sein, dass ein paar Alteingesessene in der Spiegel-Redaktion ihren Einfluss überschätzen und nicht mitbekommen haben, dass sich Zeiten ändern? Glaubt im Ernst jemand, Wolfgang Büchner würde seinen Job als Spiegel-Chefredakteur nicht antreten, weil die Mitarbeiter KG sauer ist? Natürlich muss die Berufung Blomes jetzt erst Recht durchgezogen werden, sonst wäre ein Chefredakteur Büchner vor Amtsantritt jeder Autorität beraubt. Und würde Büchner selbst nicht antreten, hätte die ganze Branche vor Augen geführt bekommen, dass ein Spiegel-Chefredakteur in diesem Haus nichts zu sagen hat. Wer würde sich diesen Job dann wohl noch antun? Die Spiegel Mitarbeiter KG ist es, die hier mit dem Feuer spielt.
Nun rächt sich natürlich auch, dass unter dem alten Chefredakteur Georg Mascolo vor zwei Jahren mit dem unseligen Spiegel-Titel “Die Brandstifter” der Kulturkampf mit der Bild-Zeitung noch so richtig geschürt wurde. Jetzt haben die internen Brandstifter beim Spiegel halt einen der vermeintlichen “Brandstifter” von der Bild vor die Nase gesetzt bekommen. Büchner wird antreten, Blome wird kommen. Das Abendland wird trotzdem nicht abbrennen.

Bild-Chef Kai Diekmann nutzt den Wirbel um den neuerlichen Abgang aus seiner Chefredaktion in gewohnt geschickter Manier für PR in eigener Sache. Zunächst twittert er auch gleich eine Anspielung auf den alten “Brandstifter”-Titel des Spiegel:

Und dann stellt er bei Facebook noch ein altes Foto online, das ihn zusammen mit Kanzlerin Merkel, und seinen nunmehr ehemaligen Stellvertretern Jörg Quoos (der arme Mann wurde Focus-Chefredakteur) und Nikolaus Blome zeigt.

Diekmanns Kommentar: “Dieses Foto kann man so oder so lesen… Entweder: SPIEGEL, FOCUS und BILD gemeinsam zu Besuch bei unser aller Kanzlerin Oder: Zwei sind jetzt weg – wer ist der nächste?” Kann es sein, dass sich Bild-Chef einen Spaß daraus macht, Spekulationen um seine Person anzuheizen. Das Ego-Marketing hat er im Silicon Valley jedenfalls nochmal perfektioniert.

Doch nun zu etwas ganz anderem: In einem Interview mit der Marketing-Zeitung Horizont sagte stern-Chefredakteur Dominik Wichmann diese Woche “Leute, lasst uns kämpfen.” Damit meint er die „Revitalisierung der Marke stern“. Den Kampf um die Auflage hat er offenbar verloren gegeben: "Wir haben es bei den Auflagen mit einer Kurve zu tun, die sich total berechenbar nach rechts unten neigt. Das ist einfach so." Es gilt die alte Devise: „Less down is the new up“. Die herbeigesehnte neue Vitalkraft soll von den Digitalangeboten kommen, die Wichmann bis Mitte 2014 flott gemacht haben will. Es mag ambitioniertere Zeitpläne geben aber gut Ding will bekanntlich Weile haben.

Beim gedruckten stern meint man seit ein paar Ausgaben allerdings eine gewisse Konsistenz wahrnehmen zu können. Über die Serie mit den stern-Branchenchecks mag mancher Zeitgenosse maulen – doch die Idee hat Zugkraft und ist attraktiv umgesetzt. Zum Beispiel vergangene Woche bei dem Apotheken-Check. Auch das Mollath-Interview war gut und diese Woche ist das Doppel-Interview mit Peer und Gertrud Steinbrück schon wieder ein interessanter Scoop. Schön auch die Idee, im Editorial und online eine kleine Entstehungsgeschichte des Titels zu zeigen.
Wichmann verglich in dem angesprochenen Interview die Neupositionierung der Marke stern mal wieder mit einem Marathonlauf. Derzeit sei man gerade bei Kilometer Sieben. Jetzt bitte noch schnell die knalldoofe Rubrik rausschmeißen, bei der Promis im Bett interviewt werden und den fein formulierten CD-, Buch- und Film-Minikritiken im Kulturteil wieder mehr Platz einräumen. Dann wären schon wieder ein paar Meter Strecke geschafft.

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