Spiegel: Augstein stellt sich hinter Blome

Beim Spiegel schlugen die Wellen am Mittwoch hoch. Bild-Mann Nikolaus Blome als stellvertretender Chefredakteur, für viele Redakteure ein Unding. In der Führung der mächtigen Mitarbeiter KG braute sich dem Vernehmen nach auch gleich Ungemach zusammen – angeblich war man über die ungewöhnliche Personalie nicht im Bilde. Nun stellt sich Spiegel-Mitgesellschafter Jakob Augstein hinter seinen Talk-Kollegen Blome. Zu MEEDIA sagt er: "Gute Leute bekommen immer Gegenwind."

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Gemeinsam mit dem Bild-Vizechef Nikolaus Blome talkt Augstein, der Herausgeber der Wochenzeitung Freitag ist, einmal die Woche im TV-Sender Phoenix zu aktuellen politischen Themen. Insofern ist es nicht überraschend, wenn der politisch eher links stehende Augstein den konservativ positionierten Blome kollegial lobt. "Blome ist ein hervorragender politischer Journalist", gibt er auf MEEDIA-Nachfrage als Antwort. Und, bezogen auf seine Phoenix-Sendung: "Ich hoffe, dass ich meinen Sparringspartner nicht verliere."
Ganz anderes Gewicht bekommen die Augstein’schen Sätze aber, wenn er sie in seiner Rolle als Sprecher der Spiegel-Erbengemeinschaft ausspricht. "Gute Leute bekommen immer Gegenwind", sagt er. Damit bezieht er sich indirekt auf die Kritik, die sich am Mittwoch nach der Verkündung der Personalie Blome entlud. Beobachter sprechen von einer "Revolte", von einer "Kriegserklärung" an die Redaktion. Ein Bild-Häuptling in der Chefredaktion des Nachrichtenmagazins – ein Affront. Offiziell wollte sich Thomas Hass, einer der Geschäftsführer der Mitarbeiter KG, bisher nicht zu der Kritik äußern.
Intern aber geht es zur Sache. Vor allem die Ernennung zum Vize-Chef sorgt offenbar für Aufregung in Hamburg. Anscheinend befürchten die Kritiker Blomes, er werde auch als Blattmacher und nicht nur als Hauptstadtbüro-Leiter tätig. Vielleicht auch darum hatte Chefredakteur Wolfgang Büchner, der nun ebenfalls in der Kritik steht, bevor er seinen Job überhaupt angetreten hat, am Mittwoch betont: Das Blatt mache er gemeinsam mit seinen Stellvertretern Martin Doerry und Klaus Brinkbäumer. Besser wäre es vermutlich gewesen, die Blome-Personalie wäre erst nach Büchners Antritt am 1. September verkündet worden.
Wie schwerwiegend die interne Kritik an der Personalie ist, lässt sich im Augenblick nicht übersehen. Chefredakteur-in-spe Büchner hat bereits angekündigt, es werde keine weiteren Personalien geben, zunächst. Aber: es stehe nun eine "Inventur" an. Was mit anderen Worten meint: Beim Spiegel soll sich vieles ändern. Das ist freilich unbequem für viele Mitarbeiter. Ganz zentral ist die Frage, wie Print und Online-Redakteure langfristig auf eine gleiche Basis gestellt werden können. Das weckt Hoffnungen bei den Kollegen von Spiegel Online, die nicht zur Mitarbeiter KG gehören und von vielen Annehmlichkeiten im Haus nicht profitieren können. Und das weckt Sorgen bei etablierten Print-Redakteuren.
Dazu kommt nun, dass mit Blome ein Bild-"Brandstifter" ins Haus kommt. Das Nachrichtenmagazin hatte 2011 eine überaus kritische Geschichte über das Boulevardblatt veröffentlicht. Droht nun also die Spiegel-Kultur, die innere Linie, abhanden zu kommen? Ist das die Sorge, die Kritiker umtreibt? Oder ist das nur vorgeschoben? Blome als eine Art Fanal für die unangenehmen Dinge, die an der Ericusspitze noch folgen könnten?
Eines war Wolfgang Büchner und Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe im Vorfeld der Verpflichtung Blomes vermutlich glasklar: Das wird Ärger geben. Sie haben diesen Ärger darum mit Sicherheit einkalkuliert. Die KG wird sich unterdessen überlegen müssen, wie lautstark sie ihre Bedenken gegen Blome und den Kurs des Chefredakteurs nach außen tragen will. 

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