So inszeniert die UFA das Digital Drama

Wer Soap sagt, muss auch Social Media sagen. Denn das Genre lässt sich ausgezeichnet über Social Media-Kanäle weitererzählen. Das weiß auch die Grundy UFA, die eine Abteilung für "Digital Drama" aufgebaut hat. Leiterin ist die gebürtige Stockholmerin Rebecca Ahlen. Mit ihren 15 Mitarbeitern bespielt sie allein 20 Social Media-Kanäle. Die 29-Jährige weiß: Für Content-Produzenten wird es immer wichtiger, Mehrwerte zu bieten. Damit das, was im linearen TV passiert, auch relevant und interessant bleibt. Ein Blick hinter die Kulissen.

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Die Abteilung "Digital Drama" ist angedockt bei Grundy UFA – die in Zukunft als UFA Serial Drama firmieren wird. Hier werden die täglichen Serien und Soaps der UFA, dem größten deutschen TV-Produzenten, entwickelt. 60 bis 70 Prozent sind die Digital Drama-Mitarbeiter mit der Pflege der Kernmarken beschäftigt, aber auch originärer Content entsteht manchmal, wie 2008 die „Pietshow“, die zweimal als erfolgreichste deutsche Webserie für einen Digital Emmy nominiert wurde. Im Vordergrund steht die Produktion von Video-Content wie etwa Wochenvorschauen auf einzelne Serien oder für die App des ARD-Langläufers "Verbotene Liebe". Diese beschäftigt sich vor allem mit Modethemen.
Mit den Facebook-Likes ihrer Serien – "Verbotene Liebe" hat 126.000, "GZSZ" 1,2 Millionen, "Unter uns" 311.000, "Alles was zählt" 509.000 –  ist Rebecca Ahlen zufrieden. Zum Vergleich: Das RTL-II-Erfolgsformat "Berlin Tag und Nacht" verfügt über 2,6 Millionen Likes. Da sind die Grundy-UFA-Präsenzen noch ausbaufähig. Inspiration für die tägliche Arbeit kommt von Plattformen wie Youtube, Facebook oder Pinterest. "Verbotene Liebe" hat einen eigenen Pinterest-Account. Es geht aber nicht darum, jeden Trend mitzumachen, sagt Ahlen.
Das Thema Fanbindung ist auch sonst entscheidend. So veranstaltet Digital Drama Workshops mit Schauspielern, in denen diese lernen, wie sie sich optimal auf Social-Media-Plattformen präsentieren. Fans können sich für "Creative Camps" bewerben, bei denen sie in Brainstormings zu der künftigen Entwicklung der Serien beitragen können. Das erste Camp sei ein "wahnsinniger Erfolg" gewesen, sagt Ahlen. Im Herbst soll es die nächste Kreativ-Session mit Fans geben.
Der Bedarf nach Social-Media-Content nimmt zu, ist die 29-Jährige überzeugt. Darum wird mehr Budget in ihre Abteilung fließen, mehr wird möglich sein. In Deutschland seien die Sender und die Produzenten noch zu abwartend im Vergleich zu denen in anderen Ländern, findet Ahlen. Zu sehr schielt man offenbar auf die alten Zeiten, in denen Sendern den Zuschauern etwas vorsetzten – und Rückmeldungen an die Macher nicht vorgesehen waren. Viel schneller müsse man beispielsweise auch dem Zuschauer erklären, was er zu erwarten hat, müsse man rascher zum Punkt kommen.
Die Mediennutzung werde sich weiterhin fragmentieren, sagt Rebecca Ahlen. "Ich glaube nicht, dass das Bedürfnis sehr groß ist, alles auf einem Kanal zu haben." Vielmehr ginge es jungen Nutzern darum, viele Angebote parallel zu nutzen. Ihrer Erfahrung nach kommt es oft vor, dass junge Leute im Fernsehen eine Serie gucken, während sie bei Youtube ein Video schauen und WhatsApp oder Twitter nutzen. Die Herausforderung sieht die studierte Juristin darin, die Aufmerksamkeit zu kanalisieren und möglichst viel davon abzugreifen. Daraus würden sich auch in Zukunft sämtliche Business-Modelle ableiten lassen. "Der große Kampf wird um die Aufmerksamkeit der Nutzer geführt", sagt Ahlen.
Die Frage, ob das lineare Fernsehen auszusterben droht, kann die 29-Jährige klar beantworten: "Nein!" Auch wenn gerade junge Leute Vieles im Internet gucken, gebe einem das Fernsehen zwei Dinge: Man ist Teil von etwas Großem, denn zeitgleich schaut man mit Millionen anderer Zuschauer die gleiche Sendung. Gleichzeitig kann man darüber reden und erfährt eine zweite Ebene der Gemeinsamkeit. Die Medienlandschaft der Zukunft – für Rebecca Ahlen ist das lineare Fernsehen ein wichtiger Bestandteil. „Denn das Bedürfnis der Menschen, an etwas teilzuhaben, was viele verbindet, wie wir es aus dem klassischen TV kennen, wird sich nicht verändern.“

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