Matussek beleidigt Medienjournalisten

Das NDR-Magazin “Zapp” mischte das Stelldichein der medialen Großkopferten vom Hamburger Presseclub auf. Die Jugendzeitschrift Spiesser zeigte sich beim Besuch der Kanzlerin erstaunlich spießig. Und der Groß-Skandal um die Beleidigung des Groß-Journalisten Mattias Matussek durch den Kleinkünstler Kurt K. wird überlagert durch einen fast übersehenen Text, in dem Matussek den Medien-Redakteur des “Hamburger Abendblatts” unflätig beschimpft. Aber lesen Sie selbst ...

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Gute Idee vom Team des NDR-Medienmagazins “Zapp”, die Schürzen-Sause des Hamburger Presseclubs zu besuchen und die Medien-Wichtigs vor prall gefüllten Buffets nach dieser ominösen “Krise” zu fragen. Vor allem die beiden Springer-Herren Lars Haider (Chefredakteur Hamburger Abendblatt) und Claus Strunz (macht bei Springer irgendwas mit TV) waren doch recht unlocker, als sie auf diese “Abendblatt”-Verkaufs-Sache angesprochen wurden. “Ehrlich gesagt, bin ich für das Hamburger Abendblatt sehr guter Dinge”, sagte Lars Haider. Und Strunz gab den pressemitteilungsmäßigen Satz zu Protokoll: “Es ist rational eindeutig der richtige Weg, emotional tut es natürlich weh.” Wie man die Sache mit dem Verkauf gewitzt verkauft, machte den beiden Springers Ex-Spiegel-Boss Stefan Aust vor: “Wer hätte vor ein paar Wochen oder Jahren gedacht, dass das Hamburger Abendblatt mal mehr Wert ist als die Washington Post. Ist doch eine grandiose Entwicklung.”

Vor einigen Tagen gab es ein Debättchen darüber, dass der mächtige und finanziell quasi omnipotente Spiegel-Verlag für Online-Debattenbeiträge zum Trending-Topic “Zukunft der Zeitung” kein Honorar zahlen wollte. Meinung for free, lautete die Devise, später wurde dann doch honoriert. Mario Sixtus, einer der Meinungs-Inhaber bei der Zeitungs-Zukunftsdebatte des Spiegel hat via Twitter noch einen weiteren Kniff zahlungsunwilliger Medien decouvriert:

Mit Gratis-Content kennt sich das Jugendmagazin Spiesser aus. Es kostet nämlich nichts. Die Jung-Spiesser haben es tatsächlich geschafft, die Kanzlerin am Jahrestag des Mauerbaus zur “Vertretungsstunde” zu bitten. Unter diesem Label lädt der Spiesser Promis an Schulen ein, die dort unter reichlich PR-Gebimmel der Zeitschrift eine Stunde abhalten. Frau Merkel unterrichtete nicht etwa Physik, was sicher auch lustig und lehrreich gewesen wäre, sondern Geschichte. Die Lokal-Reporterin Juliane Wiedemeier war dabei und hat in ihrem Blog aufgeschrieben, dass die beim Spiesser in Sachen Medien-Kontrolle und Wahlkampf-Gedöns ganz schon spießig sein können: “Es gibt Schulen, die sich als richtigen Ort für einen Wahlkampf-Auftakt empfinden und ihre Schüler gerne als Deko bereitstellen. Und es gibt Schülerzeitungen, die mit Kollegen umgehen, als wären wir alle in Nordkorea.” Gar nicht cool.

Gewollt uncool ist Matthias Matussek. Mittlerweile dürfte jeder mitbekommen haben, dass der Erz-Katholik und Groß-Journalist Matussek vom Kleinkünstler Kurt Krömer als “Arschloch” und “Puffgänger” bezeichnet wurde. Matussek setzte vergeblich Gerichte in Bewegung, sein kolumnierender Kollege Fleischhauer ärgerte sich schwarz. Vergangenen Samstag ging die Krömer-Show samt Matussek-Flaming on air bei der big, bad, motherfuckin ARD-Bitch. Zu dem Thema ist ganz interessant, was Matussek lang und breit bei dem Autoren-Konglomerat “Achse des Guten” schrieb. Er skizziert sich dort mit einem Text selbst als “uncooler”, gegen den vermeintlichen Hipster-Mainstream anschreibender Typ. Neben Krömer, “hippen Medienredakteuren” (das schreibt er wirklich!) und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk bekommt ganz am Ende einigermaßen überraschend auch noch Medienjournalist Kai Hinrich Renner von Matussek verbal Eine geschallert, die sich gewaschen hat. Nach einem Heine-Zitat, in dem es darum geht, dass dieser seine “ärgsten Feinde” gerne an einem Bäumchen aufgeknüpft sehen würde, schreibt der uncoole Herr Matussek: “Dazu gehört, in meinem Fall, sicher Kai Hinrich Renner, die Kackbratze vom ‘Hamburger Abendblatt’, der mich seit Jahren verfolgt.” War zu viel Weihrauch im Spiel?

Freundliches Wochenende!

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