Suhrkamp-Insolvenz: Barlach erringt Teilsieg

Der Gerichtssprecher nennt es ein "ungewöhnlich hohes" Ordnungsgeld: 250.000 Euro muss die Familienstiftung des Suhrkamp-Verlages an den Miteigentümer Hans Barlach zahlen. Das entschied das Landgericht Frankfurt am Dienstag. Der Grund: Die Stiftung verstieß offenbar gegen eine einstweilige Verfügung zur Stundung von Gewinnen. Der Richterentscheid hat durchaus Brisanz für das laufende Insolvenzverfahren. Denn die Gewinn-Ausschüttungen an Barlach sind ein Grund für die Insolvenz des Traditionshauses.

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Barlach hatte bereits formell einen Rangrücktritt seiner gerichtlich erstrittenen Gewinnforderungen in Höhe von 2,2 Millionen Euro erklärt. Damit versucht der Hamburger Investor die Gründe dafür zu beseitigen, die den Verlag in die Insolvenz treiben ließen.
Um die Zukunft des Verlages zu sichern, soll das Unternehmen von einer Kommanditgesellschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden, berichtet die Welt. Vor Kurzem hatte die Geschäftsführung des Verlages ein Schutzschirmverfahren eingeleitet, durch das kein Geld mehr an die Gesellschafter fließt. Die Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz und Barlach streiten seit Jahren um die Verlagsspitze. Unseld-Berkéwicz hält 61 Prozent an Suhrkamp, Barlach 39 Prozent.
Bereits im Juli hatte Barlach eine einstweilige Verfügung erwirkt, nach der die Familienstiftung ihre eigenen Gewinnforderungen für 2010 und 2011 zurückstellen muss. Doch das hat die Familienstiftung nicht getan, befand nun das Gericht. Weiter hieß es, die Eigentümer betreiben "das Insolvenzverfahren nur, um sich im Hinblick auf die Klägerin aus den gesellschaftsrechtlichen Bindungen zu lösen.” Bei einer Umwandlung der Unternehmensform von der Kommanditgesellschaft in eine Aktiengesellschaft würde ein Aufsichtsrat gewählt, der den Vorstand bestimmt. Barlach würde damit viele Mitspracherechte verlieren.
Die Familienstiftung kann gegen das Urteil Berufung einlegen. Noch ist der Entscheid nicht rechtskräftig.

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