Friso, die Neue Welt und die Realität

Auch das Leben einer Yellow-Redaktion ist nicht ganz so einfach, dass man sich alle Geschichten immer einfach ausdenken könnte. Ein wunderbares Beispiel, dass selbst die buntesten Oma-Blätter nicht ganz abgekoppelt von der Realität agieren, liefert gerade die Neue Welt. Das Heft aus der WAZ Woman Group musste den EVT um einen Tag verschieben und seinen geplanten Titel wieder einstampfen. Auf ihn hatten sie Prinz Friso, der am Montag gestorben war, wieder aus dem Koma aufwachen lassen.

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Um den Fall ganz zu verstehen, muss man sich kurz mit einer der wohl traurigsten Familientragödien beschäftigen, die der europäische Hochadel in der jüngeren Vergangenheit zu bewältigen hatte. Vor rund 18 Monaten verunglückte der Niederländische Prinz Johan Friso im österreichischen Ski-Ort Lech. Der damals 43-Jährige war abseits der Piste gefahren, wurde von einer Lawine verschüttet und fiel ins Koma, aus dem er auch nicht wieder erwachte. Am Montag starb er in Den Haag

Seit seinem Unfall lieferte er den Stoff für unzählige Yellow-Storys. In der vergangenen Woche erklärte beispielsweise noch Die Aktuelle, die ebenfalls von der WAZ-Women Group verlegt wird, „Prinz Friso: Die Trennung bringt ihn um!“. Ob Die Aktuelle nun wirklich die Ursache richtig benannte sei einmal dahingestellt. Das finale Ergebnis stimmte allerdings.

Auch die Kollegen von der Neuen Welt für die Frau, wie das Heft komplett heißt, wollten in dieser Woche mal wieder mit dem Schicksal des Bruders von König Willem-Alexander Auflage machen. Doch leider sorgten die aktuellen Ereignisse dafür, dass das Texten oder möglicherweise gar Erfinden der aktuellen Zeile nicht so leicht von der Hand ging. Seit Anfang der Woche geisterten zwei Titelentwürfe durch das Web. Der eine trägt die Zeile „Johan Friso: Endlich aufgewacht! Der Arzt: ‚Jetzt ist nichts mehr unmöglich’“. Der andere war am gestrigen Dienstag kurz als Teaser auf der Webseite des Yellos zu sehen. Hier lautete die Zeile: „Johan Friso: Sein neuer Arzt bewirkt ein Wunder“. Beides könnte nicht weiter von der Realität entfernt sein.


Drei Titel-Entwürfe: An den Kiosk kommt schließlich "der traurige Abschied"

Tatsächlich gelang es den Münchner noch gerade den Aufmacher-Super-GAU zu vermeiden: „Die Ausgabe 34/ 2013 von NEUE WELT wurde aufgrund der tragischen Ereignisse in den Niederlanden (Johan Friso verstarb im Koma) aktualisiert und erscheint deshalb in Teilen Deutschlands erst am Donnerstag, 15. 8. 2013“, antwortet ein Funke-Sprecher auf MEEDIA-Anfrage. „Der ursprüngliche Titel ist nicht in den Verkauf gegangen!“.

Dieser Fall zeigt zweierlei: Selbst Yellows müssen manchmal auf die Realität Rücksicht nehmen. Andererseits beweisen die unveröffentlichten Titelentwürfe, welch ein fragwürdiges Journalismus-Verständnis in manchen Yellow-Redaktionen herrscht.

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