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Spiegel: Bild gefährdet Entführungsopfer

Der Spiegel wirft der Bild-Zeitung vor, das Leben eines entführten Journalisten zu gefährden. Die Boulevardzeitung hatte das Nachrichtenmagazin zuvor angegangen: In seiner kritischen NSA-Berichterstattung habe es unterschlagen, dass der BND Datensätze an die NSA weitergegeben hat, um das Entführungsopfer in einem islamischen Land aufzuspüren. Eine Berichterstattung habe sich verboten, weil dadurch das Leben des entführten Journalisten aufs Spiel gesetzt worden wäre, antwortet nun Spiegel Online.

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Der Journalist, heißt es bei Spiegel Online, habe zum Zeitpunkt seiner Entführung nicht für den Spiegel gearbeitet, war auch dort nie Reporter, sondern sei zuvor als freier Mitarbeiter für SpOn tätig gewesen. In dem nicht genannten islamischen Land habe er für ein Buch recherchiert. "Auf Bitten des Krisenstabs der Bundesregierung" habe der Spiegel in diesem Fall von einer detaillierten Berichterstattung Abstand genommen. Dies sei auch so gehandhabt worden, als zwei Reporter der Bild am Sonntag im Iran entführt wurden.
Nun hat die Bild eine Anfrage an den Spiegel gestellt: Hatte die Redaktion Kenntnis, dass Daten zur Befreiung des Reporters an die NSA weitergegeben wurden? Antwort vom Nachrichtenmagazin: "Dem SPIEGEL ist bekannt, dass dabei auch die Telekommunikation der mutmaßlichen Entführer überwacht wird." Das Auswärtige Amt war über die Bild-Berichterstattung vorab informiert und hatte die Redaktion gebeten, auf Details zu dem Entführungsfall zu verzichten. Ein vom Spiegel nicht genanntes Magazin soll vor zweieinhalb Wochen auf einen Beitrag über den Entführungsfall verzichtet haben.
Der Anlass für Bild, überhaupt über den Fall zu berichten, war offenbar die NSA-Berichterstattung des Spiegel. Das Magazin hatte die Kooperation zwischen BND und NSA scharf als "Totalüberwachung" kritisiert. Doch, so Bild, es würden keine Kommunikationsdaten von Deutschen übermittelt, sondern "Daten und abgefangene Telefonate von mutmaßlichen Terroristen in Afghanistan und in Nahost". Das Nachrichtenmagazin hätte über den Entführungsfall berichten müssen.

Die Herstellung eines Zusammenhangs zwischen Entführung und NSA-Berichterstattung in dem Bild-Artikel kritisiert der Spiegel: "Diese Entführung ist ein Einzelfall, der nur am Rande mit den durch Edward Snowden publik gewordenen Instrumenten zur massenhaften Überwachung globaler Kommunikation zu tun hat."

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Nachtrag, 16:49: In einer ersten Version hatte es geheißen, das Auswärtige Amt habe die Bild-Redaktion gebeten, von der Berichterstattung über den Entführungsfall abzusehen. So hatte es Spiegel Online zunächst dargestellt. Die Axel Springer AG hat darauf hingewiesen, dass das AA lediglich darum gebeten habe, auf die Darstellung von Details zu verzichten. Spiegel Online hat seinen Bericht mittlerweile entsprechend verändert.

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