Sixt fährt mit Mollath gegen die Wand

Mit seiner Idee, für eine Anzeige den just aus der Psychiatrie entlassenen Gustl Mollath einzuspannen, ist Autovermieter Sixt mit Vollgas gegen die Wand gebrettert. Die Werbeanzeige, die in der Süddeutschen Zeitung und auf Facebook erschien, zeigt Mollath und den Spruch: "Wenn hier einer verrückt ist, dann der Sixt mit seinen Preisen". Die Reaktionen auf den speziellen Humor sind vernichtend. Ob diese rechtliche Konsequenzen hat, bleibt abzuwarten.

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Ein Shitstorm hat die Facebook-Seite des Autovermieters längst heimgesucht: Über 800 Kommentare haben sich am Dienstagmorgen unter dem Mollath-Posting angesammelt, Hunderte weitere schrieben Sixt auf die Timeline, um ihrer Wut Luft zu machen. Dass Sixt sich "schämen" solle, ist dort zu lesen, dass die Werbung "geschmacklos" und "makaber" sei – und das sind noch die mildesten Äußerungen. Viele Kunden wollen das Unternehmen in Zukunft boykottieren, schreiben sie. Einige User reagieren in Sixt-Manier und posten satirische Collagen. Viele davon richten sich direkt gegen Familie Sixt, wie die Reaktion des Fotografen Guido Karp, der seine Collage via Facebook verbreitet. Sie zeigt neben dem Poster mit Gustl Mollath Unternehmens-Eignerin Regine Sixt und zitiert sich selbst: "Wenn hier jemand offensichtlich den Verstand verloren hat, dann die Familie Sixt mit ihren geschmacklosen Anzeigen!"

Auch in den Medien ist das Provokations-Marketing, das die Agentur Jung von Matt ersonnen hat, ein Thema. Der Autovermittler habe ohne das Einverständnis des 56-Jährigen geworben. Gegenüber dpa kündigte sein Anwalt Gerhard Strate rechtliche Schritte gegen das Unternehmen an. Besonders die Verwendung des Begriffs "verrückt" sei problematisch, so Strate gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.
Inzwischen habe der Autovermieter einen Gang hinuntergeschaltet und Mollath ein nachträgliches Honorar angeboten. Von seiner Facebook-Seite ist die Werbung allerdings noch nicht verschwunden.
Wie die Chancen auf einen rechtlichen Erfolg gegen die Münchener stehen, ist unklar. Ein Sixt-Sprecher erklärte, man habe die Werbung nicht mit Mollath absprechen müssen, da dieser eine öffentliche Person und die Anzeige satirisch sei. "Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Unternehmen in der Tat ohne Erlaubnis eine Person der aktuellen Zeitgeschichte in einer satirischen Auseinandersetzung für seine Werbezwecke nutzen“, erklärt Medienanwalt Christian Solmecke. Der Bundesgerichtshof habe in der Vergangenheit bereits über drei ähnliche Fälle zugunsten der Verklagten geurteilt.

Damals habe es sich um Werbung mit Oscar Lafontaine, Prinz Ernst August von Hannover und Dieter Bohlen gehandelt, die ebenfalls nicht ihr Einverständnis zu den Kampagnen gegeben haben. In manchen Fällen könne Werbung als Teil der öffentlichen Diskussion betrachtet werden. "Es muss allerdings immer eine Abwägung stattfinden zwischen der Freiheit sich politisch-satirisch auszudrücken und dem Persönlichkeitsrecht der betroffenen Person", sagt Solmecke. Im Falle von Mollath könne man von einer Person der aktuellen Zeitgeschichte sprechen, erklärt der Anwalt. Bei der Werbung werde weder sein Ansehen beschädigt, "noch lässt es eine Identifikation zum Autovermietungsunternehmen zu."
Was die Persönlichkeitsrechte angeht, äußert der Deutsche Werberat Bedenken. Die könnten gegenüber Mollath nämlich verletzt worden sein, Werberat-Sprecher Volker Nickel gegenüber Deutschlandradio Kultur. Zum anderen werde dem Betrachter suggeriert, dass der Spruch ein Zitat sein könnte. Damit wäre die Werbung irreführend.
Welche Folgen die Mollath-Werbung auf das Sixt-Geschäft hat, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass der Autovermieter dieses Mal deutlich übers Ziel hinausgeschossen ist. Ein Gustl Mollath ist kein Lafontaine oder eine Merkel. Trotzdem dürfte die Sache in ein paar Monaten wohl wieder vergessen sein.

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