Online-Volos: Das fordern die Redaktionen

Unsere Reihe zu Medien-Volontariaten neigt sich dem Ende zu. Nachdem MEEDIA bei Verlagen, TV-Sendern und Radio-Stationen nach den Angeboten und dessen Bedingungen gefragt hat, folgt im fünften und vorletzten Teil der Serie ein Blick auf die Online-Volontariate. Obwohl mittlerweile jede Medienmarke über einen Online-Auftritt verfügt, ist ein reines Online-Volontariat schwer zu finden. Wir stellen einige crossmediale Volos vor, die dem Begriff Online-Volontariat am nächsten kommen.

Anzeige

Anders als die Printausgabe bietet die Online-Version des Nachrichtenmagazins Spiegel Volontariate an.
Ausbildung: Volontäre bei Spiegel Online (SpOn) lernen über 24 Monate in der eigenen Redaktion. Pflichtstationen sind die Ressorts Politik, Wirtschaft und Panorama, in denen den angehenden Journalisten das Handwerkszeug gelehrt werden soll. Im Berliner Büro sollen SpOn-Volos "Einblicke in den Politikbetrieb" bekommen. Zudem lernen die Volontäre den richtigen Umgang mit Social Media in der dafür eingerichteten Redaktion und besuchen Kurse an der Henri-Nannen-Schule oder der Akademie für Publizistik. Wer will, kann sich auch für Einsätze in den Redaktionen von Spiegel TV oder dem Print-Medium bewerben. Je nach eigenem Interesse und nach Neigung werden die Volontäre zusätzlich in weiteren Ressorts wie Bewegtbild, Sport, Kultur, Netzwelt usw. ausgebildet.
Stellen: Die Anzahl an Volo-Jobs bei Spiegel Online ist limitiert. "Unsere Volontäre sind unser bester Nachwuchs", erklärt die stellvertretende Chefredakteurin Jule Lutteroth. Derzeit seien drei Volontäre in den Redaktionen beschäftigt, zwei Frauen, ein Mann. Der Starttermin für ein Volontariat hängt davon ab, wann die aktuellen Volontäre ihre Ausbildung beenden. Die derzeitigen Volontäre seien zu unterschiedlichen Zeitpunkten gestartet, weshalb auch die neuen Stellen zu unterschiedlichen Zeitpunkten ausgeschrieben werden. Interessierte könnten sich jederzeit bewerben.
Voraussetzungen: Während ein Großteil der Medien ein abgeschlossenes Studium oder eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzt, zählt bei Spiegel Online das Talent. Zwar verfügten die meisten Volontäre mindestens über ein absolviertes Fachstudium, "ich halte das aber für nicht zwingend notwendig", so Lutteroth. "Ein abgeschlossenes Studium sagt nichts darüber aus, ob jemand ein guter Rechercheur oder eine brillante Schreiberin wird." Für den Lebenslauf sei es wichtig, dass aus ihm hervorgehe, was für spezielle Kenntnisse ein Bewerber habe. Außerdem empfiehlt es sich vor dem Volontariat als Praktikant bei SpOn anzuheuern. In dieser Zeit hätten potentielle Bewerber die Gelegenheit zu beweisen, "dass sie für unsere Redaktion unentbehrlich sind" und über außergewöhnliche Kenntnisse oder Fähigkeiten verfügen. Wer zudem noch außerordentlich leistungsbereit, kein Einzelkämpfer ist sowie akkurat und kreativ arbeitet, erhöht seine Chancen auf das Jobangebot.
Versprechen: "Die jungen Kolleginnen und Kollegen sollen nach der Ausbildung eine feste Stelle bekommen", erklärt Lutteroth. Deshalb sei auch die geringe Anzahl der Volontariate bei SpOn aus Nachhaltigkeitsgründen beschlossen worden.
Verdienst und Zukunft: Zum Verdienst macht die Redaktion keine Angaben. Auch zur tatsächlichen Übernahmequote gibt SpOn keine Informationen heraus. Seit Gründung hätten Übernahmen nach Abschluss des Volontariats aber "allermeistens" geklappt.
Das empfiehlt Spiegel Online seinen Bewerbern: "Machen Sie, was Sie am besten können. Und lassen Sie nie locker"
Burdas Focus Online wird von der Tomorrow Focus AG betrieben. Im Herbst startet das Unternehmen auch den deutschen Online-Auftritt der Huffington Post.
Ausbildung: Tomorrow Focus bietet Volontären die Möglichkeit, über 18 Monate in den Redaktionen zu lernen. Ebenso enthält die Ausbildung  den Besuch externer Kurse an weiteren Bildungsinstituten, wie der Akademie der bayerischen Presse. Während des Volontariats besuchen die angehenden Journalisten auch marken- oder unternehmensverwandte Redaktionen.
Stellen: Die Rekrutierung der Nachwuchsjournalisten erfolgt in unregelmäßigen Abständen nach Bedarf. Derzeit sucht das Unternehmen nach Volontären für die Huffington Post, die im Herbst starten soll. Die aktuelle Bewerbungsfrist läuft noch. Aber auch ansonsten empfiehlt das Unternehmen die Initiativbewerbung.
Voraussetzungen: Grundvoraussetzung für das journalistische Volontariat ist in der Regel ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Bei entsprechender journalistischer Vorbildung oder "redaktionellem Talent" bestünden allerdings trotzdem Chancen, so das Unternehmen. Wichtig für die Bewerbungsunterlagen sind die entsprechenden Nachweise über Praktika, Arbeitserfahrungen oder Arbeitsproben. Da die Tomorrow Focus AG ausschließlich Online-Journalisten einstellt, ist Onlineaffinität ebenso Voraussetzung wie Kommunikationsstärke und Teamfähigkeit. Zudem sollten Bewerber den nötigen Spaß am Journalismus und der schnellen Online-Welt mitbringen. Besonders macht sich, wer seiner Begeisterung für die Sache Ausdruck verleihen kann und überdurchschnittliches Talent mitbringt.
Versprechen: Tomorrow Focus verspricht Arbeit in einer der reichweitenstärksten und am schnellsten wachsenden Redaktion und eine rein online ausgerichtete Ausbildung.
Verdienst und Zukunft: Volontäre bei Tomorrow Focus werden mit 1.800 Euro pro Monat vergleichsweise hoch bezahlt. Laut Unternehmen seien auch die Chancen auf Übernahme nach Abschluss der Ausbildung durchaus hoch. Ziel sei es, alle Volontäre in eine Festanstellung zu übernehmen. Sollte es Fälle geben, in denen das nicht möglich ist, werde zumindest eine freie Mitarbeit angeboten.
Das legt Tomorrow Focus Bewerbern ans Herz: "Aussagekräftige Praktika absolvieren!"
Neben dem klassischen Volontariat bei der Süddeutschen Zeitung "experimentiert" auch Sueddeutsche.de und hat sogenannte "Schwerpunktvolontariate" geschaffen.
Ausbildung: Laut SZ.de-Chefredakteur Stefan Plöchinger bildet die Redaktion "Spezialisten für einen Bereich des Online-Journalismus" aus. Rund zwei Drittel seiner Ausbildungszeit verbringt der Volontär in diesem Bereich der Redaktion. Erst nach gut einem Jahr Routine, wenn die angehenden Journalisten die Art und Weise des Online-Journalismus verinnerlicht haben, weite die Redaktion den Blick ihrer Volontäre auf andere Bereiche. In der Regel folgen Stationen in der Zeitung und in Korrespondenten- oder Partnerbüros. Darüber hinaus werden die Volontäre gemeinsam mit denen der Zeitung in einen medienübergreifenden Volontärs-Themenschwerpunktmonat geschickt, der dieses Jahr zum ersten Mal durchgeführt wird. Zusätzlich erfolgen standardgemäß interne und externe Seminare.
Stellen: Derzeit beschäftigt Sueddeutsche.de vier Volontäre, von denen die meisten ihre Ausbildung mitte 2014 beenden werde. Ob danach neue Stellen ausgeschrieben werden, sei aber noch unklar, "weil wir auf unseren Bedarf hin ausbilden." Neu-Ausschreibungen werden bei Bedarf in den Stellenausschreibungen veröffentlicht.
Voraussetzungen: Bewerbern wird zwar ein Hochschulabschluss empfohlen, weil viele Medienhäuser auf so etwas Wert legen würden, zwingende Voraussetzung für gute Volontäre sei es aber nicht, so Plöchinger. Was den Lebenslauf angeht, so der Chefredakteur, sei es ihm wichtig, dass sie dem "Schema F" widersprechen. In manchen Fällen recherchiere die Redaktion ihre Bewerber auch nach. Dann zählen im Netz gefundene Texte, Blogeinträge, Twitteraccounts, "alles, was auf das publizistische Potential einer Bewerberin oder eines Bewerbers schließen lässt." Wenn der Chefredakteur dann erkennt, dass ein Bewerber über "Wachheit im Kopf" oder "Neugier im Leben" und über ernsthaftes Interesse am "digitalen Geschichtenerzählen" verfügt, stehen die Chancen grundsätzlich gut. Sich besonders unter Beweis stellen kann der Bewerber dann, "wenn er mir zum Beispiel Sachen übers Digitale erzählen kann, die ich noch nicht weiß", so Plöchinger.
Versprechen: Die derzeitigen Volo-Schwerpunkte belaufen sich auf die Ressorts Politik, Wirtschaft, Digitales und interaktiver Datenjournalismus. Laut Plöchinger handelt es sich beim SZ-System um einen Prozess der Ausbildung, der sich stetig weiterentwickele. Eine solche Konstruktion könne "natürlich immer noch verbessert werden", weshalb sich Plöchinger auch gut vorstellen kann, "dass wir uns in Zukunft andere Zuschnitte oder Systematiken überlegen".
Verdienst und Zukunft:
Laut Sueddeutsche.de werden Volontäre nach der "klassisch" festgelegten Tarifvereinbarung gezahlt. Im Falle von Online-Medien orientiert sich die Vergütung nach Gehaltsvereinbarungen für Volontäre und Redakteure an Tageszeitungen oder Zeitschriften. Laut dem Tarifvertrag des BDZV mit dem DJV und der Gewerkschaft ver.di bedeutet das 1.607 Euro (brutto) im Monat für unter 22-Jährige und 1.781 Euro (brutto) für über 22-Jährige im ersten Lehrjahr. Im zweiten können die Volontäre mit 2.056 Euro (brutto) rechnen. Die Übernahmechancen nach Abschluss des Volontariats seien grundsätzlich gut. Bisher seien alle Volontäre von SZ.de übernommen worden. Deshalb bilde man nach Bedarf aus und überlege genau, wann welches Profil benötigt werde.
Das legt Sueddeutsche.de ihren Bewerbern ans Herz: "Verstelle Dich nie, wenn Du Dich vorstellst – je natürlicher, desto besser. Wenn dazu Köpfchen und echtes Interesse an der Ausschreibung kommen, ist die Hälfte geschafft. Der Rest ist Glück."
Der Axel Springer Konzern will Deutschlands führendes Digital-Unternehmen werden. Für ein Online-Volontariat bei beispielsweise Bild.de oder Welt.de müssen sich angehende Journalisten für die Axel Springer Akademie qualifizieren. Was die Ausbildungsinstitution des Konzernes fordert und bietet, lässt sich im ersten Teil der Serie nachlesen.
Die Tochtergesellschaft der Mediengruppe RTL, RTLinteractive, betreibt die entsprechenden Online-Auftritte. Abseits der Ausbildung an der RTL Journalistenschule können angehende Journalisten ihr Volontariat auch in den Online-Redaktionen absolvieren. Die Voraussetzungen, die die Mediengruppe stellt, finden Sie im zweiten Teil der Serie.
Angebote und deren Bedingungen an Volontariate bei Magazin-Sendern finden Sie im dritten Teil der Serie. Über die Forderungen von Radio-Stationen klärt der vierte Teil auf.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige