China-Pläne: Middelhoff wird Film-Produzent

Schon zu Bertelsmann-Zeiten soll er von Hollywood und der Film-Industrie begeistert gewesen sein. So gesehen hatte Thomas Middelhoff viel Zeit sich auf seinen Job vorzubereiten. In einem großen Interview mit dem Handelsblatt-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs erläutert der Ex-Bertelsmann-Boss nun seine ehrgeizigen China-Pläne: Über die neue Dachfirma BT Capital will Middelhoff zusammen mit Bruno Wu, Chinas größtem privaten Medienunternehmer, vor allem in Filme investieren.

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„Bruno Wu und ich glauben an das Bewegtbild für TV und Internet“, sagte der Medienmanager dem Handelsblatt. Mit seinen Mitteln von bis zu zwei Milliarden Dollar will Middelhoff neue Film-Stoffe entwickeln und produzieren. „Unser Medien-Fonds hat Zugriff auf bis zu zwei Milliarden Dollar etwa für Koproduktionen wie die Filme "Grace of Monaco" und "The Immigrant". Der Ex-Acandor-Chef glaubt: „2020 wird der Kinomarkt Chinas den der USA überholen. Und der Bedarf nach heimischen Stoffen ist groß. Das kann "Bollywood" in Indien übertreffen“. Zudem hätte man bereits ein 50-Prozent Venture mit den Pinewood Studios in London geschlossen.

Eine von Wus Unternehmungen, die Seven Stars Media Group, finanziert und co-produziert bereits US-Actionfilme wie den China-Reißer ("Rise of the Terracotta Warriors").

In dem Interview, dessen Aufhänger allerdings nicht Middelhoffs neues Medienengagement ist, sondern Sal. Oppenheim, beschreibt der 60-Jährige seinen neuen Partner als jemand, der kaum wie ein anderer international vernetzt sei. Seine Wochenzeitschriften in Hongkong seien die kritischsten im Land und Wus Frau Lan Yang ist die bekannteste Journalistin und TV-Moderatorin in China. „Bei Facebook hat sie 60 Millionen Fans“.

Leicht getrübt wird das Gesamtbild offenbar davon, dass Wu auch nicht davor zurückschreckt, auch mit „weniger feinen Stoffen“ (Jakobs) wie "Cage Fightings" Geld zu verdienen. Für Middelhoff ist das kein Problem. Bei diesen Nationenkämpfen fighten China gegen die USA oder gegen Russland, „alles sehr emotional. Das ist im Vertriebsgeschäft enorm erfolgreich. Kabelsender in den USA übertragen das. Es geht um Unterhaltung“.

Auch bei den Erfolgsaussichten seiner neuen Unternehmung gibt sich Middelhoff gewohnt selbstbewusst. „Mit drei Divisionen – BT Medien, BT Enterprises und Kapitalbeteiligungen – greifen wir breit an“. Immerhin operiere man als „internationaler Konzern mit mehr als zehn Prozent Wachstum pro Jahr“.

Middelhoffs Rolle dürfte vor allem darin liegen, Unternehmen in den USA und Europa ausfindig zu machen, die zu BT Capital passen und die folglich eine China-Strategie brauchen. Der Ansatz von BT Capital: die bestehenden und die künftigen Beteiligungen auf eine Expansion in China zu trimmen. Wu sagte der FT, Beschränkungen für die internationale Medienbranche würden in China auf Dauer abgebaut. So gibt es beispielsweise eine Restriktion für die Veröffentlichung ausländischer Filme – pro Jahr kann in China nur eine bestimmte Zahl starten. Ebenso bereiten Piraterie und Zensur Probleme.

Trotz der teils umstrittenen Rückzüge aus den vergangenen Jobs sieht sich Middelhoff nicht als "Comeback-Kid". „In 90 Prozent der Fälle ist für den Manager nach einem Scheitern als Vorstandschef Schluss – nicht mehr vermittelbar. Dann geht es zurück in die Hinterzimmer der Macht. Man versucht, wieder Anschluss zu finden. Man landet vielleicht im hinteren Teil des Sterns. Das ist nicht mein Ding“.
In gewissem Sinne scheint sein Plan aufzugehen, immerhin ist er zur Zeit nicht in den letzten Seiten des Nachrichtenmagazins zu finden, sondern auf der Titelseite des Handelsblatt.

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