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Börsen-Informationsdienst im Visier des FBI

Das amerikanische FBI und die Börsenaufsichtsbehörde SEC nehmen den Finanzinformationsdienst Need To Know News und ihre Eigentümerin Deutsche Börse AG ins Visier. Der Dienst soll Sperrfristen für marktbewegende Daten und Informationen missachtet haben. Kunden des Finanzinformationsdienstes konnten dadurch offenbar beträchtliche Gewinne im Hochfrequenzhandel einfahren, bevor die Informationen sich verbreiteten. Dies hat Folgen für den sensiblen Finanzmarkt sowie das Nachrichtengeschäft.

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Die Aufsichtsbehörde sowie die amerikanische Bundespolizei seien bereits seit längerem auf der Suche nach offensichtlichen Informationslecks, berichtet das Wall Street Journal (WSJ). Die Ermittler vermuten, dass Need To Know News immer wieder Sperrfristen missachtet habe, um für den Finanzmarkt hochsensible Daten früher an die eigenen Kunden weiterzureichen.
In den USA sei es beispielsweise üblich, erklärt das WSJ, dass Ministerien Reporter in einen abgeschotteten Raum einladen, um ihnen im Vorfeld beispielsweise Konjunkturdaten zum Arbeitsmarkt für eine ausführliche Berichterstattung zugänglich zu machen. Die Weitergabe der Informationen sei allerdings mit einer Sperrfrist versehen, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten.
Neben Finanznachrichtenagenturen wie Bloomberg oder Reuters gehört auch die Tochtergesellschaft der Deutschen Börse zu den akkreditierten Medien. Anders als die Konkurrenz beliefert Need To Know News allerdings Finanzfirmen statt Nachrichten-Redaktionen und übermittelt die Informationen maschinenlesbar für den algorhitmischen Handel statt zur informativen Weiterverbreitung an Nachrichtenmedien.
Durch die nur um Sekunden missachtete Sperrfrist gelangen die Informationen über ultraschnelle Datenströme direkt an die Finanzkunden des Dienstes, die so genannten Hochfrequenzhandel (computerbetriebener Wertepapierhandel) betreiben und damit schneller agieren können als der restliche Markt.
Wer ins Hinterzimmer zu Informationsgesprächen geladen wird, entscheiden in den USA in vielen Fällen Gremien aus Journalisten und keine staatlichen Stellen. Das könnte sich in Zukunft ändern. Wie eine genaue Reform des Akkreditierungsverfahrens aussehen könnte, ist allerdings unklar. 2012 entschied das Arbeitsministerium der Vereinigten Staaten bereits, die Akkreditierungen selbst zu bestimmen und nur noch "primär journalistische" Medien zuzulassen, woraufhin Need to Know News ausgeschlossen wurde. Wie das Journal erklärt, habe die Deutsche Börse daraufhin seinen Dienst mit einer weiteren Tochter, nämlich mit Market News International, zusammengelegt, die auch selbst Artikel produziert und damit als "primär journalistisch" gelte.
Gegenüber den Journalisten des Wall Street Journals will sich die Deutsche Börse zu der Angelegenheit nicht äußern. Auch die konkurrierenden Nachrichtendienste Bloomberg, Reuters oder Dow Jones Newswires verweigerten eine Stellungnahme.
Need To Know News wurde 2004 von US-Investoren gegründet und 2009 komplett von der Deutschen Börse AG übernommen. Damals hieß es, der DAX-Konzern erwerbe einen Pionier in der Bereitstellung maschinenlesbarer Nachrichten für den algorithmischen Handel. Damit wollte der Konzern seine Expertise in der Entwicklung ultaschneller Datenströme ausbauen, in dem er den Content seiner weiteren Tochter Market News International mit der Markterfahrung von Need To Know News bündelt.

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