Billige Fans: So geht es bei einer Klickfarm zu

Gekaufte Likes und Klicks sind nach wie vor ein Thema in der Online-Branche. Aus diesem Grund hat sich der britische TV-Sender Channel 4 auf Recherche-Reise nach Bangladesch begeben. Und ist tatsächlich fündig geworden. Der Guardian zeigt eine Zusammenfassung der Reportage, die eindrucksvoll belegt, wie wenig gekaufte Klicks und Likes den Unternehmen eigentlich bringen. Und wer mit dem Handel mit falschen Profilen auf Facebook, Twitter oder YouTube Geld verdient.

Anzeige

In Bangladeschs Hauptstadt Dahka wurden die britischen Reporter fündig: Ein Team des britischen TV-Senders Channel 4 hat sich für die Sendung “Dispatches” auf die Suche nach Anbietern sogenannter Fake-Fans begeben (hier der Guardian-Bericht). Also Firmen, die abseits regulärer Facebook- und YouTube-Werbung hunderte und tausende Fans zu Preisen anbieten, die weit unter den üblichen Kosten pro Fan oder Klick liegen. Wer bislang Zweifel daran hatte, dass sich das Geschäft mit gekauften Likes für Firmen auf Dauer nicht rechnet, sollte sich die Reportage anschauen.


     Um zum Video zu gelangen, auf das Bild klicken

Dabei waren die Reporter zu Besuch bei einer so genannten Klickfarm. Wer hier zig Rechner und Massen an klickenden Lohnsklaven erwartet, wird enttäuscht. In einem kahlen Raum sitzen mehrere Angestellte im Schichtbetrieb vor den Rechnern. Jeder “betreut” im Durchschnitt rund 1.000 gefakte Benutzerkonten bei Facebook. Dafür bekommen sie nach Aussage von Channel 4 rund 120 Dollar – pro Jahr. Der Betreiber der Klickfarm selbst verlangt 15 Dollar für 1.000 Likes, die der Kunde innerhalb weniger Stunden zugespielt bekäme.
Doch das reich noch nicht aus, um die Like-Zahlen innerhalb weniger Stunden nach oben zu pushen. Um die vielen Fans und Klicks zu ermöglichen, arbeitet die betreffende Klickfarm in Bangladesch mit einer Anzahl von Nutzern zusammen, die mit Mikroerlösen am Transaktions-Vorgang beteiligt sind. Recherchen von Channel 4 hätten ergeben, dass auf diese Weise bereits 1,4 Millionen Facebook-Likes durch 83.000 registrierte Mitglieder erzeugt worden seien. Das würde bedeuten, dass jeder dieser Nutzer durchschnittlich 16 (Zahl korrigiert) Facebook-Seiten liken müsste.
Wer schon einmal auf Facebook Anzeigen verwaltet und geschaltet hat, weiß nur zu gut, wie aufwändig der Prozess mitunter ist. Das Resultat ist dann allerdings auch eine Fanbase aus echten Nutzern, die sich mit der Marke identifizieren und an den Einträgen interessiert sind. Was die Klickfarm in Akkordarbeit und Rekordgeschwindigkeit produziert, ist lediglich eine Zahl ohne Mehrwert für ein Unternehmen.
Warum der Service so fragwürdig ist, erklärt die Reportage auch: Rund 31 Prozent der Nutzer beziehen Informationen aus Facebook, Twitter oder YouTube in Kaufentscheidungen mit ein. Der Gedanke hinter: Hat ein Produkt viele Fans oder auf YouTube viele Abrufe, muss es gut sein. Dass diese Reichweite gefaked ist, kann der Nutzer nicht nachvollziehen. So wird der Kunde auf diese Weise in die Irre geführt. Damit verstößt ein Unternehmen gegen Werberichtlinien und verschafft sich auf unlautere Weise einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz.
Facebook erklärte auf Anfrage des Guardian, dass Fake-Likes niemand etwas bringen würden. Man beobachte stetig so genannte Like-Händler und blocke sie von der Plattform, wenn man sich sicher sei. Interessant: Bei einer Art Großrazzia entfernte das Social Networks vor einigen Monaten massenhaft Fake-Profile. Dabei verlor eine nicht ganz unbekannte Facebook-Seite auf einen Schlag rund 96.000 Fans: die Seite für das Browserspiel Texas Holdem Poker des Spiele-Anbieters Zynga. Eben jenes Unternehmen, mit dem Facebook über zwei Jahre hinweg eng kooperierte.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige