Springer: Kneppers Abschied gibt Rätsel auf

"Mit Ablauf der Hauptversammlung ist Rudolf Knepper aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden." Nur ein kleiner Satz von Seite 13 des Quartalsfinanzberichtes Januar bis März 2013 der Axel Springer AG. Er steht am Ende eines Passus über den Ablauf der Hauptversammlung des Konzerns am 24. April. Das Handelsblatt berichtet nun über mögliche Hintergründe des abrupten Ausstiegs des Mannes, der 17 Jahre lang Vorstand bei Springer war. Demnach wurden in einer Logistiktochter Geschäfte mit Dienstleistern falsch abgerechnet.

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Knepper, der vier Jahrzehnte in den Diensten der Axel Springer AG stand, im Hintergrund über Technik, Logistik und Personal wachte, war "Profitabilitätstreiber, Optimierer und Einsparexperte". So zumindest drückte es Aufsichtsratschef Guiseppe Vita bei Kneppers Verabschiedung aus dem Vorstand im November 2011 aus. Danach arbeitete er als selbstständiger Unternehmensberater. Im Januar 2013 wurde Knepper in den Aufsichtsrat berufen – laut Handelsblatt hatte er Chancen, Vita im kommenden Jahr an der Spitze des Kontrollgremiums zu beerben. Zunächst war Knepper nur gerichtlich bestellt, er legte sein Amt aber schon nieder, bevor er von der Hauptversammlung ordentlich gewählt worden war.
Doch nun wird Kneppers überraschender Abschied – bei der Hauptversammlung hatte er schriftlich seinen Verzicht "aus persönlichen Gründen erklärt – von der Wirtschaftszeitung mit "lange unbemerkten" Scheingeschäften in Verbindung gebracht. Zitat eines Sprechers Anfang April gegenüber dpa: "Nach bisherigen Erkenntnissen wurden Logistik-Dienstleistungen abgerechnet, die nicht erbracht wurden. Offensichtlich war ein ehemaliger Mitarbeiter des Unternehmens in die Vorgänge involviert." Am 28. März habe das Unternehmen wegen "Unregelmäßigkeiten" Strafanzeige gegen unbekannt erstattet. In der Tochterfirma Axel Springer Media Logistik sollen demnach Geschäfte mit einem externen Dienstleister falsch abgerechnet worden sein, so das Handelsblatt. Bereits im Februar sei sei der Chef des Logistik-Bereichs, Markus Günther, freigestellt worden.
Doch was und wer genau ein falsches Spiel bei Springer getrieben haben soll, bleibt unklar. Die Staatsanwaltschaft habe gegenüber der AG mitgeteilt, keine Ermittlungen aufzunehmen. Springer habe dagegen Widerspruch eingelegt. Intern werde dagegen ermittelt. Nach einer internen Befragung Kneppers habe der laut Handelsblatt angeboten, sein Mandat im Aufsichtsrat niederzulegen. Ob dies die korrekte Konsequenz eines Mannes war, der selber nicht in solche Scheingeschäfte verwickelt war, aber die Verantwortung für seinen ehemaligen Vordstandsbereich übernahm – oder ob Knepper doch selber etwas angelastet wird, bleibt unklar.
Springer kommuniziert auf Nachfrage folgende Stellungnahme: "Es war eine persönliche Entscheidung von Rudolf Knepper, seine Kandidatur für den AR zurückzuziehen. Bis zur vollständigen Aufklärung der Unregelmäßigkeiten in der Logistik wollte er Abstand von seinem Mandat nehmen, denn als Vorstand hatte er seinerzeit die Verantwortung für diesen Bereich. Es gibt allerdings nicht den geringsten Hinweis darauf – weder zum damaligen Zeitpunkt noch bis heute -, dass Rudolf Knepper von den Vorgängen Kenntnis hatte, noch in irgendeiner Weise daran beteiligt war."
Das Handelsblatt schreibt über "Springers dunkles Geheimnis", einen "bizarren Vorgang" und deutet die Existenz schwarzer Kassen an. Dies allerdings dementiert die Axel Springer AG vehement. 
MEEDIA gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt. 

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