Bild-Bundesliga: sachlich statt boulevardesk

Wenn das erste Wochenende der Bundesliga bei Bild ein Fußball-Spiel gewesen wäre, hätten die Kommentatoren nach dem Abpfiff wohl von einem soliden Job gesprochen. Die Bild-Mannschaft agierte auf Nummer sicher, machte kaum Fehler, hatte aber immer wieder mit technischen Problemen (wie fast jedes deutsche Fußball-Team) zu kämpfen. Tatsächlich waren die Spielberichte – selbst im Vergleich zur "Sportschau" – überwiegend sachlich und wenig boulevardesk. Im Social Web wurde das neue Angebot nicht nur positiv besprochen.

Anzeige

In Berlin scheint man zufrieden zu sein. "Wir freuen uns über das gute Start-Wochenende von ‚Bundesliga bei BILD’“, kommentiert Bild-Vize Alfred Draxler. Die Berliner freuen sich vor allem, dass die technische Umsetzung mit der Video-Produktion und „zur vollsten Zufriedenheit gelungen ist. Das ist bemerkenswert, weil wir ein Produkt anbieten, das es in dieser Form noch nie gegeben hat“. Seiner Meinung nach waren auch die ersten Reaktionen der User „durchweg positiv“.

Tatsächlich lässt sich der Bild-Einstieg in Fußball-Bewegtbild-Berichterstattung aus drei Perspektiven betrachten.

1. Die Berichte:
Die Zusammenfassungen der Bundesliga-Matches sind geradezu altmodisch. Zum einen erinnert die Länge von nur sechs Minuten an alte „Sportschau“-Folgen aus einer Zeit vor dem Privatfernsehen, zum anderen konzentrieren sich die Bild-Berichte fast ausschließlich auf das Spiel. Es gibt keine langen Spieler- und Trainer-Interviews nach dem Abpfiff. Genauso fehlen emotionale Einstiege, die erst einmal noch eine Vorgeschichte aufarbeiten. Die Bild – genauer: ihr Dienstleister Plazamedia – hat sich am ersten Wochenende fast ausschließlich auf eine Zusammenfassung dessen konzentriert, was auf dem Platz passiert. Damit setzte sich der Neuling klar von der „Sportschau“ ab. Allerdings könnten die Clips noch mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse von iPhone oder iPad-Nutzern nehmen. Heißt: Weniger Totalen des Spielfeldes, mehr Nahaufnahmen. Allerdings ist dies schwierig, da Bild bei der Bundesliga keine eigenen Kameras hat, sondern die Bilder direkt von der Liga geliefert bekommt. Positiv muss erwähnt werden, dass die Clips im Vergleich zu dem durchschnittlichen Video-Content, den Online-Redaktionen sonst anbieten, von sehr guter Qualität sind. Das ist TV-Standard.

2. Die Technik:
Das neue Web-Portal hat noch seine Tücken. Vor allem baut es sich langsam auf. Bis alle Elemente, der sehr vollen Seite geladen sind, dauert es zu lange. Bereits beim Blick auf die Seite wird klar: Die Web-Designer wollten zu viel. Weniger Kästen, mehr Weißraum und Luft zwischen den einzelnen Kasten-Elementen würde dem Nutzer-Auge, der Nutzerführung und wohl auch dem Aufbau der Seite gut tun.

3. Die Reaktionen:
Für einige bei Bild dürfte es fast schon enttäuschend gewesen sein. Immerhin galt bisher: Wenn die große Boulevard-Marke etwas Neues ausprobiert, gibt es immer kräftig Zunder. Doch diesmal blieb der große Aufschrei aus. Immerhin beim Blick auf die Facebook-Seite der Bild zeigt sich, dass nicht alle Leser begeistert von dem neuen Angebot sind. Bei Facebook gab es dann doch etwas Gegenwind für die Berliner. Am meisten störte die Kommentatoren, dass sie für die Berichte zahlen müssen. Dabei gebe es diese auch in der „Sportschau“ zu sehen.

Fazit:
Zum Start wird Springer zufrieden sein: Die Berichte waren gut. Die Technik hakte zwar etwas, hielt aber. Einzig die Reaktionen lassen darauf schließen, dass die Bundesliga bei Bild noch kein publizistisches Schwergewicht in der Fußball-Berichterstattung am Wochenende darstellt und auch die Zahl der Zuschauer noch überschaubar sein dürfte. Realistisch betrachtet, läuft also alles nach Plan. Wie für jeden Liga-Aufsteiger, gilt wohl auch für die Bild-Neulinge im Bundesliga-Bewegtbild-Geschäft: Erst einmal die Defensive sichern, keinen Konter fangen und dann schauen, was in der Offensive so geht. Abgerechnet wird am Saisonende!

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige