Alfred Neven DuMont, Leserbriefschreiber

Der Kölner Verleger Alfred Neven DuMont schreibt in seiner Freizeit nicht nur Romane, sondern mitunter auch Leserbriefe. Diese Woche im Spiegel zu besichtigen. Bei stern.de binden sie Pressemitteilungen gerne mal als Originaltext ein, was dann leider ein bisschen unglücklich ausschaut. Stefan Niggemeier regt sich über die Springer-Meldung zu 47.000 Welt-Digitalabos auf. Und die Macher der Medientage München wollen dieses Jahr - Huch! - Krach auf ihren Gipfel-Podien.

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Manchmal verstecken sich interessante Details in eher unscheinbaren Rubriken. Zum Beispiel bei den Leserbriefen. Aufmerksamen Spiegel-Lesern ist diese Woche ein besonders prominenter Leserbriefschreiber im Hamburger Nachrichtenmagazin aufgefallen: der Kölner Verleger Alfred Neven DuMont. Normalerweise scheuen es Medienmächtige, Leserbriefe zu schreiben. “Man” besitzt und macht die Medien, “man” schreibt keine Leserbriefe wie das gemeine Volk. DuMont thematisiert das sogar zu Beginn seines Leserbriefs: “Als alter Pressemann schreibt man nicht so schnell einen Leserbrief an eine Zeitschrift. Positives schon gar nicht.” Aha. Dann folgt ein hohes Loblied auf die Spiegel-Berichterstattung in Sachen Funke-Deal: “Der Casus Springer, oder besser Döpfner, ist von der allgemeinen deutschen Presse weitgehend zurückhaltend behandelt worden. Wenn ich dann auch noch die Hofberichterstattung in der ‘Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung’ lese, bin ich doch dankbar, dass es Euch gibt.” Weiter vorne schreibt er noch: “Mir ist in diesen Tagen nahezu schmerzhaft deutlich geworden, was wir ohne den Spiegel tun würden.” Äh, was würden ohne den Spiegel denn tun? Verzweifeln? Die “Hofberichterstattung” in der FAS lesen? Oder gar den Kölner Stadt-Anzeiger? Der Leserbrief des Alten hinterlässt das eine oder andere Fragezeichen.
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Alfred Neven DuMonts Leserbrief aus dem aktuellen Spiegel
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Wir kommen zur beliebten Rubrik ungebetene Ratschläge vom Medienfuzzi: Was der stern online werden will, weiß man nicht so ganz genau. Relevanter? Vielleicht. Erfolgreicher? Gewiss. Jetzt, da sich stern-Digitalmann Steffen Klusmann zum manager magazin verdrückt, hat Anita Zielina beim stern bald die digitalen Fäden in der Hand. Eine Sache bei der sie vielleicht auch Hand anlegen könnte, ist die befremdliche Einbindung von Pressemitteilungen bei stern.de. Suchte man diese Woche bei Google nach Berichten zur aktuellen Sky-Bilanz, stieß man auch auf stern.de-Treffer. Dahinter verbarg sich aber nicht unbedingt ein Artikel der Redaktion, sondern auch die Original-Pressemitteilung des Pay-TV-Senders. So richtig nach journalistischer Qualitätsmarke sieht das nicht aus.

Der liebe Kollege Stefan Niggemeier meckert in seinem Blog, dass die Zahl von über 47.000 Digital-Abos für die Welt, die Springer diese Woche in selbige hinausposaunt hat, ja ganz schön intransparent seien. Niggemeier mokiert sich, dass die Welt die Abos teils extrem verbilligt und mit wertvollen Prämien, wie iPads und iPad Minis raushaut. Da hat er Recht. Das ist aber auch nix Neues und schongar nicht nicht auf Digital-Abos beschränkt. Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland waren schon immer äußerst großzügig mit Prämien und Rabatten. Auch die selbst ernannten Gralshüter der Qualität – Süddeutsche Zeitung und FAZ – werfen ihren Abonnenten teure Prämien hinterher, wie beispielsweise eine Kitchen Aid Küchenmaschine (bei der SZ, UVP 469 Euro) oder eine edle Espressomaschine bei der FAZ mit einem Verkaufspreis von 439 Euro. Und jetzt raten Sie mal, ob die Schlaufüchse von SZ und FAZ bei ihren Print-Auflagen ausweisen, wie viele der Abos mit Hilfe von Prämien- oder sonstiger Rabattierung zustande gekommen sind … Besonders doll treiben es in dieser Hinsicht übrigens manche Zeitschriften. Die Website “Sparen wie die Schwaben” rechnet bei Titeln wie der gerade verhökerten Bild der Frau oder Burdas Mein schöner Garten inklusive der Prämien sogar eine Ersparnis von bis zu 103%, bzw. bis zu 105% vor. Will heißen: Wenn man die Dinger abonniert, macht man unterm Strich sogar Gewinn. Soviel zum Thema digitaler Gratis-Content.

Hotel schon gebucht? Ab 16. Oktober steigen in München wieder die beliebten Medientage. In den vergangenen Jahren ging dem Kongress aber gefühlt so ein bisschen die Puste aus. Immer die gleichen Köpfe redeten über immer die gleichen Themen. Regulierung und so weiter und so fort. Schon vergangenes Jahr wurde darum ein kleiner Versuch unternommen, den Kongress ein wenig aufzufrischen. Diesmal kündigen die Veranstalter der Medientage laut unseren Freunden vom Clap-Club mit besonders markigen Worten an: “Genug von langweiligen Diskussionen, die von einer zu großen Zahl gleichgesinnter Experten geführt werden, die in einer Reihe nebeneinander sitzend sich gegenseitig loben? Wir auch!” Hört, hört. Auf dem Mediengipfel sitzen diesmal übrigens Conrad Albert von  ProSiebenSat.1, ZDF-Intendant Thomas Bellut, Philipp Justus von Google, Verleger Dirk Ippen, Thomas Kreuzer von der  Bayerischen Staatskanzlei, Tobias Schmid von RTL, Sky-Chef, Brian Sullivan und Professorin Caja Thimm vom Institut für Medienwissenschaft der Uni Bonn. Die Moderation hat taz-Chefredakteurin Ines Pohl. Klingt alles nach verdammtem Rock’n’Roll … kleiner Spaß.

Schönes Wochenende!

PS: Sag mal, stern, wenn Du in Deinem Bericht zum anstehenden Bundesliga-Start in eine Bildunterschrift schreibst, „Erschwingliche Tickets, Bier erlaubt – auch deshalb kommen inzwischen englische Fans in deutsche Stadien“ und dazu ein Ticket HSV gegen FC Bayern München zeigst, das 94 Euro kostet – ist das dann nicht so ein bisschen eine Text-Bild-Schere? Oder habt Ihr es beim stern so dicke?

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