Wolf Bauer ruft die „neue“ UFA aus

UFA-Chef Wolf Bauer baut den Bewegtbild-Produzenten um: Alle Tochtermarken, darunter Teamworx, Grundy Light und Phoenix, werden namentlich getilgt. Angekündigt war der Schritt bereits, jetzt folgt die Umsetzung. Die "neue" UFA besteht aus den Untermarken Fiction, Show & factual sowie Serial Drama. Auch ein neues Logo gibt es. Bauer: "Wenn die Zeit gekommen ist, muss man sich auch von lieb gewonnenen Dingen trennen." Bauers Augenmerk gilt verstärkt Internet-Plattformen und Pay-TV.

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Wolf Bauer hat sich das Bild von der "schöpferischen Zerstörung" sehr zu eigen gemacht. Nun haut er nicht wirklich blindlings auf den größten deutschen Bewegtbild-Produzenten, um dann zu schauen, was man Neues aus den Trümmern basteln könnte, wie die Phrase nahelegt. Was Bauer abschafft, ist die bisherige Struktur seines Unternehmens, einer Freemantle-Tochter (gehört wiederum zur RTL Group). Aus einer ganzen Reihe von Untermarken, darunter der Filmproduzent Teamworx und Grundy Light Entertainment (u.a. "DSDS", "Supertalent") werden drei UFA-Untermarken. Fiction, Show & Factual sowie Serial Drama.

Die personelle Aufstellung hat Bauer so belassen. Er sei ja "nicht Napoleon", sagt Bauer im Interview mit der Süddeutschen. Alle Änderungen seien im Kreis der Geschäftsführer "gemeinsam beschlossen" worden. Das heißt: Nico Hofmann, Joachim Kosack und Markus Brunnemann leiten die Fiction-Abteilung, Ute Biernat steht den Abteilungen Show & Factual vor, Rainer Wemcken verantwortet Serial Drama (u.a. "GZSZ", "Verbotene Liebe").

Ein Risiko, wie einzelne Branchenboebachter vermuten, ist die Neuordnung wohl eher nicht. Den Auftraggebern, also nach wie vor vor allem den TV-Sendern, ist es letztlich schnurzegal, wie der Produzent, mit dem sie arbeiten, seine eigene Bude nennt. Die UFA ist die Traditionsmarke, das Top-Personal steht weiter für die UFA – und ansonsten kommt’s eben darauf an, was hinten rauskommt. Für Bauer ist letztlich nur entscheidend, ob sein Unternehmen die richtigen Inhalte für die richtigen Abnehmer macht – und auch neue Abnehmer gewinnen kann. Der Kurs der "schöpferischen Zerstörung" ist – bei allem Respekt für die Neuordnung, auch und vor allem eine Botschaft an Auftraggeber.
Bereits vor einem Jahr hatte Bauer in einem Interview mit der FAZ erklärt, wie er die Produktionsfirma auf das digitale Zeitalter einstellen möchte. Im SZ-Interview wiederholt er seine Pläne noch einmal, allerdings ohne konkrete Projekte zu nennen. Also: Die Fragmentierung schreitet voran, neue Internet-Plattformen seien eine "große Chance". Es sei auch denkbar, dass die UFA selber eine Art deutsches Netflix auf die Beine stelle. Aber da bleibt Bauer sehr im Ungefähren: "Wir denken in viele Richtungen."
Kanäle wie YouTube eigneten sich gut, um zu lernen, wie man "kostengünstig attraktive Themenprogramme erstellen" könne. Pay-TV sei für Produzenten ein mögliches neues Betätigungsfeld – in den USA leben Produzenten schon von den Aufträgen der Bezahlsender. Seit Jahr und Tag warten Bauer und sein Kollege Nico Hofmann schon auf einen schönen Auftrag von Sky Deutschland für ein deutsches "Game of Thrones".
Ein bisschen Programmkritik gibt es im Interview dann auch. Die RTL-Sendung "Wild Girls", produziert von UFA Entertainment, gehöre nicht zu seinen Lieblingssendungen: "Ich persönlich finde diese Art der Darstellung von Frauen in exotischen Ländern problematisch." So richtig überraschen tut das jetzt auch nicht. Vielleicht würde auch dem Programm etwas mehr schöpferische Zerstörung gut tun.

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