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Landser gefährdet Bauers Radio-Kauf

Die britische Rundfunkregulierungsbehörde Ofcom hat Post bekommen: Der Analyst und Banker Bruce Fireman will die Übernahme des Radiosenders Absolute Radio durch die Bauer Media Group verhindern. Der Verlag sei als Lizenzinhaber nicht geeignet, denn er gebe auch den Landser heraus. "Kein anständiges Unternehmen würde ein solches Magazin veröffentlichen", schrieb Fireman an die Ofcom. Der Druck auf den deutschen Verlag nimmt zu.

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Erst in der vergangenen Woche hatte sich das Simon Wiesenthal Center das Blatt aus dem Bauer-Verlag Pabel-Moewig vorgenommen und eine Einstellung gefordert. Das Heft verbreite Geschichten von Kriegverbrechern und damit letztlich Nazi-Propaganda, so das Fazit einer Studie, die das Center in Auftrag gegeben hatte. Das Bundesinnenministerium hat darauf bereits reagiert: Gegenüber der New York Times hatte das Ministerium mitgeteilt, man nehme die Vorwürfe sehr ernst. Laut dpa ist mittlerweile auch das Bundesfamilienministerium mit der Sache befasst – man überprüft offenbar eine Indizierung.
Nun gibt es auch aus England Druck, den Landser zu beerdigen. Bruce Fireman schreibt an die Ofcom, die den britischen Rundfunk reguliert: "Solch einem Unternehmen dürfte keine Lizenz erteilt werden, die Integrität und die Einhaltung von Gesetzen erfordert." Die Ofcom solle Bauer einer Überprüfung unterziehen und die Lizenz für Absolute Radio nicht erteilen. Den Brief an die Ofcom griff bereits Roy Greenslade in seinem Guardian-Blog auf. Auch in der Überschrift seines Artikels ist vom "Nazi Magazin" die Rede.
Greenslade legte am Freitag noch einmal nach. Die amerikanische Anti-Defamation League hat sich demnach ebenfalls an die deutschen Behörden gewendet, weil die Blätter Geschichte & Wissen sowie Militär & Geschichte das Nazi-Regime legitimierten.  
Bauer teilte mit, man wolle den Landser "von neutraler Seite" rechtlich prüfen lassen. In einer Stellungnahme hieß es in der vergangenen Woche: "Alle Publikationen der Bauer Media Group stehen im Einklang mit den in Deutschland geltenden Gesetzen. Das gilt auch für Der Landser." Weder werde der Nationalsozialismus verherrlicht noch würden Naziverbrechen verharmlost.
Doch wenn es dem Medienkonzern vor allem um eine rechtliche Prüfung der Inhalte ginge, wäre das bedauerlich. Handelt es sich doch eher um eine historisch-moralische Prüfung. Deren Antwort relativ schnell klar sein dürfte: Bauer sollte das Heft schnell einstellen. Weil derartige Kriegspropaganda ein Schandfleck für jeden demokratisch denkenden Verlag ist. Und weil es, erst recht nach den Protesten in den USA und England, dem Ruf des Verlags im Ausland mehr als nur einen kleinen Schaden zufügt.     

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