Nienhaus: Beruhigungspillen für Morgenpost

Funke-Geschäftsführer Christian Nienhaus sprach am Dienstag erstmals zu den Mitarbeitern der Berliner Morgenpost. Das Blatt gehört wie andere Springer-Titel auch künftig zum Essener Medienunternehmen, das sich einst WAZ nannte. Wie Teilnehmer der Versammlung berichten, soll es Nienhaus gelungen sein, den Schock über den Verkauf zumindest ein wenig zu lindern. So sagte der Manager, eine Tabloid-Ausgabe der Morgenpost sei genauso denkbar wie der Aufbau einer Sonntagszeitung im Ruhrgebiet mithilfe der Berliner.

Anzeige

Nienhaus sprach im 19. Stock des Berliner Springer-Hochhauses zu seinen neuen Mitarbeitern. Zwar muss noch das Kartellamt seinen Segen geben, doch knapp zwei Wochen nach Verkündung des Verkaufs war es angezeigt, sich als neuer Eigentümer vorzustellen. Nienhaus hat den Mitarbeitern offenbar klarzumachen versucht, was das für ein "Riesen-Tag" für die Funke-Mediengruppe gewesen sei, als der Verkauf publik gemacht wurde. Denn ganz so riesig haben die verkauften Springer-Leute diesen Donnerstag, den 25. Juli, nicht in Erinnerung.
Doch die Regionalzeitung ist profitabel, Funke sieht das Blatt als einen der neuen Top-Titel im Haus – da liegt es für die Angestellten, denen nun neue Verträge zu bisherigen Konditionen versprochen sind, nahe, sich die Vorstellungen der designierten neuen Eigentümer mal anzuhören. Nienhaus, der bei Funke vor allem für das Zeitungsgeschäft verantwortlich ist und der selber einige Jahre Bild-Verlagsgeschäftsführer war, stellte sich den Fragen der Mitarbeiter und sagte u.a. laut übereinstimmenden Aussagen Folgendes zur Zukunft der Zeitung:
Die Zeitung wird wohl an den Kurfürstendamm umziehen, wo bisher die Springer-Boulevardzeitung B.Z. ihren Sitz hatte. Die B.Z. zieht bekanntlich zurück ins Haupthaus zur Bild-Zeitung. Es gelte im Hause Funke das "Chefredakteursprinzip", so Nienhaus. Das Versprechen: keine Einflussnahme vom Verlag auf Inhalte. Zwei redaktionelle Beruhigungs- bzw. Motivationspillen verabreichte Nienhaus: Eine zweite Ausgabe der Morgenpost als Tabloid sei denkbar. Springer hatte ein solches zusätzliches kleines Format vor der Berlin-Wahl 2011 ausprobiert, dann aber nicht fortgeführt. Und: Vorstellbar sei auch, eine Sonntagszeitung für das Ruhrgebiet zu produzieren, die auch mithilfe der Morgenpost gestemmt werden könne. Funke werde in die Zeitungen investieren und mit ihnen experimentieren.
Für zwei Jahre festgeschrieben ist, dass Berliner Morgenpost und Hamburger Abendblatt die Regionalausgaben der Welt weiter bestücken. Die drei Zeitungen sind tief miteinander in einer Gemeinschafsredaktion verflochten. Springer-Vorstand Jan Bayer und Funke-Mann Nienhaus kündigten an, Jan-Eric Peters (Welt-Chefredakteur), Carsten Erdmann (Berliner Morgenpost) und Lars Haider seien damit beauftragt worden, ein Konzept für die Inhalte-Belieferung zwischen den nunmehr wieder getrennten Zeitungen zu erarbeiten. Getrennt und doch vereint – das ist offenbar die neue Marschrichtung.
Insgesamt wechseln knapp 200 Redakteure und Verlagsangestellte den Eigentümer. Funke übernimmt zunächst die bisherigen Konditionen, zu denen diese bei Springer beschäftigt sind. Ob das ab 2015 auch weiter gilt, ist unklar. Bei Springer sind die Zeitungen und Zeitschriften, die abgestoßen werden, bereits ziemlich profitabel. In der Funke-Gruppe, die anders als Springer strukturiert ist, könnten die Blätter theoretisch noch profitabler werden. Während Springer-Chef Döpfner glaubt, dass sich Regionalzeitungen nicht so gut digitalisieren lassen und damit letzten Endes nicht so profitabel sein werden wie nationale Zeitungsmarken, geht Funke offenkundig vom Gegenteil aus. Aber, auch das hatte Christian Nienhaus am Dienstag eingestanden: Man habe noch nicht das digitale Geschäftsmodell gefunden, mit dem man wirklich Geld verdienen könne. 

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige