Diese Bundesliga Live-Streams sind legal

Publishing Am Wochenende startet die neue Bundesliga-Saison. Wer kein Sky-Abonnement besitzt, schaut in die Röhre. Der Bezahlsender hat sich die Übertragungsrechte für die gesamte Spielzeit gesichert. Immer wieder hört man, dass Fußball-Fans die Bezahlschranke umschiffen und dafür auf Live-Streams aus dem Internet zurückgreifen. Sind diese allesamt illegal? Was gilt es zu beachten? Und welche Regeln gelten für Gastronomen, die der Sky in diesem Jahr verstärkt zur Kasse bittet?

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Welche Arten von Streams gibt es? Grob lässt sich zwischen zwei Arten von Streams unterscheiden: frei über den Browser zugänglichen, die eigentlich für den arabischen oder russischen Markt gedacht sind und auf das Sky-Signal zurückgreifen, sowie sogenannte P2P-Streams. Hierbei müssen Nutzer eine Software installieren und verteilen dabei das Signal an andere Mitglieder des Streams.
Darf man Sky-Streams legal ansehen?
Für Rechtsanwalt Christian Solmecke stellen Livestreams im Web nach wie vor eine rechtliche Grauzone dar. Bei sogenannten “passiven Streams” vertritt der Medienexperte die Meinung, dass der Empfang legal ist. Auf dem Rechner des Nutzers entstehe keine unerlaubte Kopie im Sinne des Gesetzes. “Zwar werden während des Streamings Teile des Videos in den Arbeitsspeicher (RAM) des Computers geladen. Dies geschieht aber nur flüchtig und zu keinem Zeitpunkt wird die vollständige Video-Datei auf der Festplatte abgelegt”, heißt es in einer Pressemitteilung. Das Anschauen selbst sei dann überhaupt nicht mehr als urheberrechtliche Nutzung zu werten und deshalb legal. Letzten Endes gibt es zu dem Sachverhalt aber einfach noch keine Gerichtsentscheidung. Somit agiere man in einer Grauzone. Illegal sei in jedem Fall die Nutzung von Live-Streams zu nicht-privaten Zwecken, etwa bei einer Veranstaltung, für die der Betreiber Eintritt verlangt.
Was ist mit P2P-Diensten?
Wer urheberrechtlich geschütztes Material verteilt, macht sich strafbar. Im Fall von Diensten wie SopCast gilt das auch für Nutzer von P2P-Streams. “Nach dem Gesetz ist das eine Urheberrechtsverletzung, die beispielsweise Abmahnungen und damit hohe Kosten zur Folge haben kann. Selbst strafrechtliche Sanktionen sind hier möglich”, so Solmecke.
Dürfen Gastronomen auch auf Streams zugreifen?
Sky hat in diesem Sommer sein Preismodell für Bundesliga-Übertragungen geändert – zum großen Ärgernis der Wirte. War bislang nur die Größe der Bar oder Kneipe ausschlaggebend, lassen nun Faktoren wie Kaufkraft und die Bevölkerungsdichte rund um eine Gastronomie die Preise in die Höhe schnellen. Teilweise zahlen Wirte künftig einen Aufschlag von bis zu 100 Prozent. Doch der Griff zum Webstream ist keine Lösung, und das nicht nur wegen minderer Bildqualität. Solmecke rät zum Abschluss eines Abonnements bei einem ausländischen Anbieter. In Deutschland gibt es noch keinen Präzedenzfall, allerdings konnte sich in England eine Pub-Besitzerin vor Gericht gegen den Rechteinhaber durchsetzen. “Eine gebietsabhängige Exklusivität, verbunden mit einem Verbot der Einfuhr, des Verkaufs oder der Verwendung ausländischer sogenannter ‘Smartcards’, führe aber zu einer Abschottung der nationalen Märkte und sei nicht mit dem freien Dienstleistungsverkehr innerhalb der EU sowie dem Wettbewerbsrecht der Union vereinbar", entschieden die Richter. Allerdings galten in diesem Fall die vom Bezahlsender produzierten Highlight-Videos sowie die Auftaktsequenz als urheberrechtlich geschützt. Daraus lässt sich zumindest nach aktueller Sachlage schließen: Der Abschluss eines günstigeren Bezahlabos im Ausland ist rechtens, wenn man nur das Spiel zeigt.
Darf man eine VPN-Verbindung aufbauen, um ausländische Streams zu empfangen?
Während deutsche Fußball-Fans in der vergangenen Champions-League-Saison Partien zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München teils im Free-TV und teils nur über Sky empfangen konnte, übertrug wahlweise das österreichische oder Schweizer Fernsehen die Spiele kostenlos. Allerdings lässt sich auf die angebotenen Streams mit einer deutschen IP-Adresse nicht zugreifen. Um einem Server vorzugaukeln, man befinde sich in einem anderen Land, können Nutzer seit jeher auf sogenannte VPN-Dienste zurückgreifen. Gegen eine kleine Gebühr lässt sich etwa beim Anbieter SwissVPN eine Schweizer IP-Adresse beantragen, die den Rechner fortan als einen eidgenössischen ausweist. Aber ist das legal? “Der Einsatz eines VPN-Services ist legal und kann aus Gründen des Datenschutzes auch wünschenswert sein. Jeder Bürger hat das Recht, sich anonym Zugang zu Informationen zu beschaffen”, erklärt Thomas Hoeren, Professor für Internetrecht an der Universität Münster, gegenüber m-magazin.net. Zum Download urheberrechtlich geschützter Daten dürften solche Dienste natürlich nicht genutzt werden. Doch: ”Die Nutzung von Streaming-Angeboten via VPN ist grundsätzlich legal, auch wenn diese ohne VPN aufgrund des Standorts nicht verfügbar wären”, so Hoeren weiter.

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