Der Spiegel entwickelt die Multi-Story

Im Jahr 2020 werden alle Menschen miteinander vernetzt sein, hat der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt neulich einmal gesagt. "2020" nennen Spiegel-Reporter Cordt Schnibben und ein Team von Multimedia-Journalisten intern ihre erste "Multi-Story". Unter diesem Label sollen Geschichten über so viele Medienkanäle des Spiegel wie möglich erzählt werden. Den Auftakt macht ausgerechnet eine Story über die Krise der Großstadtzeitungen.

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Im Jahr 2020 werden alle Menschen miteinander vernetzt sein, hat der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt neulich einmal gesagt. "2020" nennen Spiegel-Reporter Cordt Schnibben und ein Team von Multimedia-Journalisten intern ihre erste "Multi-Story". Unter diesem Label sollen Geschichten über so viele Medienkanäle des Spiegel wie möglich erzählt werden. Den Auftakt macht ausgerechnet eine Story über die Krise der Großstadtzeitungen.

Ohne Ausdrucke auf Papier scheint es nicht zu gehen. Auf dem Konferenztisch, auf den zehn Journalisten schauen, liegen Ausdrucke eines Artikels aus der kommenden Spiegel-Ausgabe und einer iPad-Story und verschiedene gescribbelte Online-Seiten. Alles zusammen sind Bestandteile einer "Multi-Story", einer über verschiedene Kanäle erzählten Geschichte. "Wir haben doch alle Medien im Haus", sagt Schnibben, mit Spiegel-TV sogar einen eigenen Bewegtbildproduzenten. Der Journalist ist ein vielfach ausgezeichneter Reporter, er leitete das Gesellschaftsressort des Nachrichtenmagazins. Vor etwas mehr als drei Jahren baute er ein Team im Haus auf, das die iPad-Ausgabe des Spiegel um multimediale Inhalte und Formate ergänzt.

Das Multi-Team, zu dem unter anderem ein Art Director, Animationsgrafiker, Bewegtbildspezialisten, Bildredakteure und Social Media-Redakteure gehören, bespricht den Ablauf der Story-Bestandteile. Fragen stellen sich: Was soll über den QR-Code im Heft abrufbar sein? Was ist mit den Videos – wie lang, wo platzieren? Und wie wird die Darstellung des Online-Parts der Geschichte auf dem Smartphone aussehen? Was auf dem Tablet gut funktioniert, ist für ein Handy noch lange nicht passend. Je mehr Kanäle, desto mehr Abstimmungs- und Detailfragen ergeben sich, die über die Auswahl eines passenden Fotos von Frank Schirrmacher weit hinausgehen. Nicht zu vergessen die allgegenwärtige Sache mit der Technik.  
Am kommenden Montag erscheint nun im gedruckten Spiegel eine mehrseitige Reportage von Schnibben. Er hat eine ganze Reihe von Chefredakteuren und einen Herausgeber besucht, darunter Brigitte Fehrle (Berliner Zeitung), Arno Makowsky (Abendzeitung München), Stefan Plöchinger (Süddeutsche.de), Lorenz Maroldt und Stephan-Andreas Casdorff (Tagesspiegel) und Frank Schirrmacher (FAZ). Fotografen und ein Kameramann waren gleich mit dabei. In der iPad-Ausgabe sind u.a. diese Videos in der Geschichte integriert. Ebenfalls am Montag geht ein Startbeitrag von Schnibben bei SpOn online – über zwei Wochen verteilt sollen dann rund 15 Texte zum Thema erscheinen. Ausschlaggebend für das Zeitungsthema war der Springer-Funke-Deal von vergangener Woche.

Am vergangenen Mittwoch gab’s noch kurz Ärger über Geld, weil dem freien Journalisten Daniel Bröckerhoff, der einen dieser 15 Kommentare zur "Zukunft der Tageszeitung" schreiben sollte, zunächst mitgeteilt worden war, für Debattenbeiträge gäb’s kein Honorar. Nun ist er dabei, und es gibt auch ein Honorar. Auch diese Randnotiz passt natürlich zur großen Frage, was mit den Zeitungen passiert. An der Debatte sollen sich in den kommenden Wochen möglichst viele Leser und Experten beteiligen – und am Ende verspricht Schnibben eine Präsentation auf Spiegel Online, die inhaltlich eine konstruktive Empfehlung für die Zeitung der Zukunft geben, und optisch vage an Reportageformate wie "Snowfall" erinnern soll.
"Wir wollen nicht nur eine Multi-Story entwickeln", sagt Schnibben, "sondern digitalen Journalismus für richtige Partizipation mit Lesern nutzen." Partizipation, die können Medien auch und vor allem über soziale Medien triggern. Die Zeitungs-Geschichte soll darum in 20 Tweets auf Twitter erzählt werden, auf Facebook laufen gekürzte Versionen der Chefredakteur-Videos. Schaubilder und animierte Grafiken sollen den Ernst der Lage für manche Zeitungen illustrieren.

Doch bleibt das Thema "Zeitung der Zukunft" freilich ein eher bildschwaches Sujet. Darum gibt es zumindest zu dieser ersten Multi-Story keine TV-Reportage. Doch Schnibben findet: "Moderne Erzählformen müssen auch auf profanere Themen anwendbar sein, nicht nur auf bildstarke Ereignisse wie eine Lawine oder ein Buschfeuer." Er spielt damit auf Vorzeige-Online-Reportagen von New York Times und Guardian an. Auch Zeit Online zeigte mit einem Format zur Tour de France, was digitaler Journalismus leisten kann. Formate wie das Projekt "2020" sollten zu einem festen Bestandteil des digitalen Journalismus werden – "nicht nur einmal alle paar Monate, sondern möglichst jede Woche" würde sich Schnibben ähnliche Formate wünschen.

So gesehen, könnte die Multi-Story selber ein Teil der Antwort auf die Frage nach dem Journalismus der Zukunft sein, die der Spiegel am Montag stellt. Was daran gut ist: es wird nicht nur über die Zeitungskrise gejammert, es geht um konstruktive Vorschläge für einen besseren digitalen Journalismus. 

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