Wiesenthal Center fordert Landser-Einstellung

Der Bauer-Verlag hat Ärger mit den Simon Wiesenthal Center: In einer Analyse kommt die jüdische Organisation zu dem Ergebnis, dass der Landser die Waffen SS glorifizieren würde. Das Wiesenthal Center fordert von der deutschen Regierung nun ein Verbot des Magazins wegen gesetzeswidriger Nazi-Propaganda. Gegenüber der New York Times sagte ein Sprecher des Innenministeriums, dass man die Vorwürfe „sehr ernst“ nehmen würde. Gegenüber MEEDIA widersprach Bauer allen Vorwürfen.

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Laut New York Times würden in einer Ausgabe des Magazins die Mitglieder von Hitlers Elite-Einheit als anständige Soldaten porträtiert, die einfach ihren Job machen und zwischen den Schlachten sich gut mit der einheimischen Bevölkerung verstehen würden. Diese sei sogar dankbar.

Mit solchen und anderen Darstellungen würde der Landser nach Meinung des Antisemitismus-Zentrums Nazi-Propaganda verbreiten und damit gegen geltendes Recht verstoßen. "Das Simon Wiesenthal Center glaubt, dass durch die Präsentation von Mitgliedern der Waffen-SS und der berüchtigten Totenkopf-Einheit und anderer Nazi-Kriegsverbrecher als deutsche Helden, Der Landser die Erinnerung an den Holocaust entweiht und den Nationalsozialismus verherrlicht“, zitiert Newsroom.de aus der Studie, die von dem deutschen Journalisten und Historiker Dr. Stefan Klemp erstellt wurde.

Die aktuelle Ausgabe macht mit "Tod an der Reichsgrenze" auf

Die Madeu Antonio Stiftung gegen Rechtsextremismus unterstützt die Forderung des jüdischen Zentrums. Joachim Wolf, Mitarbeiter der Stiftung, sagte gegenüber der Deutschen Welle, dass er es bedenklich finde, dass die Landser-Hefte wie Abenteuerromane aus dem Krieg daherkommen. "Der Landser bastelt dadurch, dass diese Kriegsverbrechen ausgeblendet werden, am Mythos der sauberen Wehrmacht mit." Solche Erzählungen, ob vom eigenen Großvater oder aus Groschenromanen, seien für Jugendliche häufig der Einstieg in die rechte Szene.

Sich selbst verkauft das Magazin wesentlich harmloser. „In der Landser lesen Sie Woche für Woche Erlebnisberichte vom Frontgeschehen des Zweiten Weltkrieges“, heißt es auf der Webseite. „Aus der Sicht der kämpfenden Truppe und durch die Erinnerung einzelner Personen wird die größte kriegerische Auseinandersetzung der Weltgeschichte in ihrer ganzen Dramatik deutlich. Anhand von Einzelschicksalen werden dem Leser die ungeheuren Strapazen und Opfer aufgezeigt, die der Krieg 1939–1945 tagtäglich von den Soldaten und Offizieren forderte."

Gegenüber der US-Zeitung sagte das Innenministerium in Berlin, dass man die Vorwürfe ernst nehme, prüfe und sich mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften besprechen würde.

Bauer widerspricht der Aussage vehement, dass eines ihrer Magazine Nazi-Propaganda betreiben würde. „Alle Publikationen der Bauer Media Group stehen im Einklang mit den in Deutschland geltenden Gesetzen. Das gilt auch für Der Landser“, kommentiert eine Bauer-Sprecherin gegenüber MEEDIA. „Die deutsche Öffentlichkeit ist äußerst sensibel und aufmerksam, wenn es um die mit dem Zweiten Weltkrieg verbundenen Themen geht, insbesondere um die Naziverbrechen. Die diesbezüglichen Gesetze sind sehr streng."

Zudem legt der Verlag wert auf die Feststellung, dass die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften die Publikation wiederholt überprüft habe. „Es gab keine Beanstandungen. Zusätzlich lässt der Verlag freiwillig die Ausgaben presserechtlich überprüfen. Der Verlag legt größten Wert darauf, dass darin weder der Nationalsozialismus verherrlicht, noch Naziverbrechen verharmlost werden.“

Die Aufregung um den Landser könnte ganz praktische Auswirkungen auf den Vertrieb des Magazins haben. Die New York Times frage bereits bei Amazon und Apple an, ob sie wüssten, was für ein Magazin sie als E-Book bzw. in ihren iTunes-Store verkaufen? Rabbi Marvin Hier, Gründer des Wiesenthal-Zentrum, rief Amazon bereits ganz konkret dazu auf, den Verkauf der Zeitschrift einzustellen.

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