Berliner Verlag mahnt Mitarbeiter wegen Flashmob ab

Der Berliner Verlag hat zwei Sprecher der Belegschaft abgemahnt, weil sie einen "kurzzeitigen Flashmob" gegen "radikale Einschnitte und die Kündigung von Mitarbeitern" organisiert haben. Der Journalistenverband Berlin Brandenburg (JVBB) zeigt sich über die Verlagsreaktion "empört".

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Die noch am selben Tag ausgesprochenen Abmahnungen gegen Jan Thomsen, Sprecher des Redaktionsausschusses, und die Betriebsratsvorsitzende Renate Gensch seien "nicht gerechtfertigt", erklärt JVBB-Vorsitzender Alexander Fritsch. Es habe sich aus Sicht der Gewerkschaft um "eine legitime und verhältnismäßige Antwort auf die radikalen Einschnitte und die Kündigung von Mitarbeitern" gehandelt.
Die Mitarbeiter hätten kurzfristig von einem Treffen des Verwaltungsrates im Verlagsgebäude erfahren, woraufhin sie in einer Rundmail dazu aufriefen, sich vor den Konferenzräumen zu versammeln, so der JVBB. An der spontanen, rund 15-minütigen Protestaktion sollen rund 30 Mitarbeiter teilgenommen haben.
Der Verwaltungsrat sei nicht gewillt gewesen mit den Mitarbeitern zu sprechen und habe sie und ihr Anliegen zurückgewiesen, so ein Sprecher des Redaktionsausschusses. Nach mehreren Anläufen habe man durch rhythmisches Klatschen "eindringlich klarmachen" wollen, dass die Belegschaft ihr Anliegen vortragen wolle. "Alle Verantwortlichen und die Belegschaft an einem Ort – das war für uns die Chance", so der Redaktionsausschuss. 
Dem JVBB zufolge seien Redaktionsausschuss und Betriebsrat lediglich ihrer Aufgabe nachgekommen, die Interessen anderer Beschäftigter zu vertreten. "Ihr Protest gegen Kündigungen darf nicht mit der Androhung von deren Kündigung beantwortet werden." Bei den kritisierten Sparmaßnahmen seien Vereinbarungen des gültigen Sozialtarifvertrags grob missachtet worden. Außerdem, so der Redaktionsausschuss, sei man besorgt um den Medienstandort Berlin. Nach der Synergie-Auflösung mit der Frankfurter Rundschau gehe die Redaktion personell geschwächter aus der Situation hervor, als man hineingekommen ist.
Der Berliner Verlag gebe zu disziplinarischen Maßnahmen "grundsätzlich" und "auch zum Schutze unserer Mitarbeiter" keine Stellungnahme ab, so Geschäftsführer Stefan Hirschler gegenüber MEEDIA. Zudem bestreitet er den Vorwurf, man hätte sich nicht an Vereinbarungen des Sozialtarifvertrages gehalten. "Tatsächlich haben wir unseren Betriebsrat am 8. April über die konkret geplanten Maßnahmen informiert und dann in mehreren Beratungsrunden bis zum 5. Juni ausführlich erläutert." 
Der JVBB will Thomsen nun unterstützen, die Abmahnung rechtlich anzufechten.

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