Balzer-Rauswurf: Da hat’s geknallt

Anlass für die Abberufung von managermagazin-Chef Arno Balzer sind offenbar massive Unstimmigkeiten zwischen dem Chefredakteur und Geschäftsführer Ove Saffe. Demnach habe Balzer starke Kritik an Verlagsleiter Michael Plasse geübt. Ein solches Zerwürfnis wird vom Verlag nicht bestätigt. Es gehe vielmehr darum, die Zukunft des Wirtschaftsmagazins zu gestalten. Balzer mag ein unmoderner Chefredakteur gewesen sein – war aber auch der wichtigste Rechercheur der Redaktion.

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Streitigkeiten zwischen Chefredaktion und Geschäftsführung gehören fast zum Alltag in Medienunternehmen. Die einen wollen die Qualität verbessern und die anderen wollen das auch – bei möglichst sinkenden Kosten. Arno Balzer, der das managermagazin zehn Jahre als Chefredakteur leitete, kannte das Spiel vermutlich nur zu gut. In diesem Fall scheint er den Bogen überspannt zu haben. Dass er "mit sofortiger Wirkung abberufen und freigestellt" wird, ist schon ein deutliches Zeichen, wie laut es zwischen Saffe und ihm geknallt haben muss.
Balzer hielt die Auflage des Magazins zuletzt stabil, bzw. konnte im Quartalsvergleich II/2013 zu II/2012 sogar an Abos zulegen. Was bei einem Wirtschaftstitel keine Selbstverständlichkeit ist. Das Monatsmagazin schrieb keine Renditen über 20 Prozent mehr, wie das in der Hochzeit der Wirtschaftspresse der Fall war, ist aber weiterhin profitabel. Vor einigen Wochen kolportierte das Branchenblatt Kontakter einen möglichen Verkauf des Wirtschaftsmagazins – was vom Spiegel-Verlag, zu dem das MM gehört, so hart wie möglich dementiert wurde. Diese Geschichte soll das Verhältnis zwischen Chefredaktion und Verlag nicht zum Besseren befördert haben.
Anders als viele andere Chefredakteure war Balzer nicht in erster Linie der oberste Repräsentant seines Blattes, sondern recherchierte selber viele Geschichten, die ins Blatt kamen. Darum wird sein Abgang nun auch von Beobachtern als "herber Verlust" bezeichnet. Obwohl der Zwist zwischen Saffe und Balzer durchaus bekannt war, hieß es zuletzt immer wieder: Wer sonst soll Balzers Job machen? Wer dem Wirtschaftsjournalisten nachfolgt, ist noch nicht bekannt. Ein potenzieller Kandidat, Steffen Klusmann, war nach Einstellung der FTD zum Stern gewechselt. Er steht darum vermutlich nicht zur Verfügung. (Nachtrag, 22:50 Uhr: Nun wird aber doch spekuliert, ob Klusmann Chef des mm wird, bei dem er schon einmal kurzzeitig Vizechef war. Sinn ergäbe es, nur G+J müsste zustimmen. Doch G+J ist eben auch Gesellschafter beim Spiegel-Verlag.)
Nach der Abberufung der Spiegel-Chefs Mathias Müller von Blumencron und Georg Mascolo demissioniert Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe nun ein weiteres Mal Top-Personal, ohne zugleich eine direkte Nachfolge in petto zu haben. Der Rauswurf des Spiegel-Duos verursachte viel Getöse. Und auch wenn Balzers Abgang etwas weniger laut ausfallen dürfte, stellt sich die Frage: Geht’s auch etwas geschmeidiger? Sicher, Saffe wird seine Gründe haben – doch damals wie heute sind die Personalentscheidungen zwar konsequent, fallen aber zumindest zu einem Teil auch auf die Geschäftsführung zurück.

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