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Die Liebe des ZDF zu Schimmel-Flügeln

So ein Flügel macht was her. In den ZDF-Sendungen „Wetten, dass..?“ und „Neues aus der Anstalt“ setzen sich bekannte Künstler gerne mal an solch ein edles und teures Musikinstrument. In der Vergangenheit wurden dabei Produkte des Klavierbauers-Schimmel besonders auffällig in Szene gesetzt. Markenlogos der Firma waren über weite Strecken im Bild zu sehen. Schleichwerbung für Hochkultur? Ach was! War doch alles im Rahmen der Richtlinien, meint das ZDF. Ein paar Fragen bleiben freilich offen.

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Das Thema ist sensibel: „Wetten, dass..?“ war im Januar im Zusammenhang mit Schleichwerbevorwürfen in den Schlagzeilen. In der Vergangenheit kamen bereits in der ZDF-Sendung „Lafer! Lichter! Lecker!“ Markenlogos vor. In der ZDF-Satire-Sendung „Neues aus der Anstalt“ vom 28. Mai 2013 spielte der Kabarettist und Moderator der NDR-Satiresendung „Extra3“, Christian Ehring, ein Stück auf einem Flügel und führte zu Anfang dabei ein Zwiegespräch mit dem Gastgeber Urban Priol. Dabei war über weite Strecken deutlich das Markenlogo von Schimmel zu sehen – insgesamt für eine Dauer von 48 Sekunden. Dabei sehen Regeln eigentlich vor, dass Markenlogos abgedeckt sein müssen.

Auf Nachfrage erklärte Ehring gegenüber MEEDIA, er äußere bei Auftritten „grundsätzlich nur den Wunsch nach einem ‚gestimmten Flügel oder Klavier‘, gleich welcher Marke“. Das Schimmel-Logo sei während seines „eigentlichen Beitrags weggeleuchtet und nicht zu erkennen“ gewesen, so Ehring. „Einstellung und Beleuchtung“ seien „so gewählt, dass das Logo nicht erkennbar ist.“

Naja: Zu Beginn des Ehring-Auftritts sagte Priol den Satz „Hier ist Ihr Flügel“, woraufhin die Kamera auf den Flügel samt dem deutlich sichtbaren Schimmel-Logo schwenkte. Ehring zufolge war der Satz bereits Bestandteil der Probe der Sendung gewesen. Solche Fälle gelten gemeinhin als Produktionsbeihilfen und müssen kenntlich gemacht werden – etwa wenn das ZDF mit dem „Traumschiff“ in See sticht, für das natürlich auch keine Miete gezahlt wird, dann wird während des Vorspanns ein Schriftzug eingeblendet, der auf die Produktionshilfe hinweist. Bei den gerne sehr kritischen Eskapaden von „Neues aus der Anstalt“ fand sich aber weder im Vor- noch im Abspann der Sendung ein solcher Hinweis.

Die Produktionsfirma der Sendung „Neues aus der Anstalt“, die Münchener Firma RedSpider Networks, und das Unternehmen Schimmel, wollten auf mehrfache Nachfrage keine Stellung zu der Sendung nehmen. Beim ZDF hieß es: „Der Wert der hier entgegen genommenen Produktionshilfen lag unterhalb der für eine Kennzeichnung vorgeschriebenen Grenze. Die Notwendigkeit einer Produktionshilfen-Kennzeichnung bestand daher nicht.“ Das mag stimmen. Darüber, wer den Flügel überhaupt bereitgestellt hat, schweigt das ZDF. Warum eigentlich?
In den ARD-Werberichtlinien heißt es zur Produktionsbeihilfe: „Die unentgeltliche Bereitstellung von Waren oder Dienstleistungen (Produktionshilfe) ist Produktplatzierung, sofern sie erwähnt oder dargestellt wird und die betreffende Ware oder Dienstleistung von bedeutendem Wert ist. Von bedeutendem Wert ist Produktionshilfe, wenn sie 1 % der Programmaufwendungen und den Betrag von 1000,- Euro überschreitet.“ Der Wert der Bereitstellung für den Schimmel-Flügel muss also unter einem Prozent der Programmaufwendungen und unter 1.000 Euro gelegen haben. Ein Konzertflügel eines namhaften Herstellers kostet pro Tag ungefähr 800 Euro Leihgebühr. Aber schön fürs ZDF, wenn man auch hier ein bisschen sparen kann. Dass das Schimmel-Logo dann besonders augenfällig in der Sendung zu sehen war, wird man wohl beim Sender und Hersteller „billigend“ in Kauf genommen haben.

Beim ZDF schätzen sie die Schimmel-Flügel offenbar ganz besonders. Die Instrumente des Traditionsherstellers tauchen immer wieder prominent in Sendungen auf. In der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ vom 26. September 2012 war erkennbar ein Schimmel-Flügel im Einsatz.

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Auch in der Weihnachtsausgabe der Sendung „Neues aus der Anstalt“ war ein Schimmel-Logo zu sehen. Dadurch, dass aus dem Flügel Nebel strömte, war dieser zudem indirekt in die Handlung eingebaut.

Der Instrumentenhersteller ist sich der werblichen Wirkung der TV-Auftritte seiner Produkte wohl bewusst. Auf der Webseite von Schimmel gibt man sich nicht so wortkarg wie bei Medienanfragen und rückt die vielen Fernseh-Auftritte gerne ins rechte Licht. Dort heißt es, dass Schimmel 2009 Live-Acts von Stars „wie Udo Jürgens“ in der ZDF-Sendung „Willkommen bei Carmen Nebel“ „mit zwei schwarzen Konzertflügeln“ unterstützt habe. Der britische Opernsänger Paul Potts habe in der ZDF-Sendung zum ersten Mal in deutscher Sprache gesungen „und wurde dabei ebenfalls von einem Schimmel Flügel begleitet“, so das Unternehmen. Udo Jürgens, der regelmäßig auf Schimmel-Flügeln spielt und einen markanten Plexiglas-Flügel von Schimmel einsetzte, war schon im Jahr 1999 mit einem Schimmel-Flügel im ZDF zu sehen.

Damals übertrug das ZDF eines Auftritt Jürgens‘ im Rahmen der Veranstaltung „Michael Jackson & Friends“. Moderiert wurde die Sendung von Ex-„Wetten, dass..?“-Moderator Thomas Gottschalk. Auch in „Wetten, dass..?“ wurden Schimmel-Flügel in Szene gesetzt: Auf der Webseite eines Berliner Klavierhändlers wird beschrieben, wie „Gleich 2 Schimmel-Flügel in der ‚Wetten, dass..?‘-Sendung vom 12.02.2011“ zu sehen waren. Wobei das ZDF hier anmerkt, dass bei der „Wetten, dass…?“-Sendung im Februar 2011 der Sender die Kosten für das von Max Raabe verwendete Instrument selbst getragen habe.

Zu einer anderen Wetten, dass..?-Sendung vom 03. Oktober 2009 wird auf der Website festgehalten, dass „über 11 Mio. Zuschauer sehr schön die Hände des Pianisten sehen“ konnten, „darüber der Schimmel-Schriftzug auf der Tastenklappe“. Wirklich: „sehr schön“.

Bei Klavieren gibt es nur schwarze und weiße Tasten. Was werblich in Szene gesetzte Produktplatzierungen im öffentlich-rechtlichen TV betrifft, wird dagegen schon mal der eine oder andere Grauton angeschlagen.

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