Zoff in Athen: FAZ wehrt sich gegen Vorwürfe

Die FAZ streitet mit dem griechischen Oppositionsführer Alexis Tsipras über ein Interview, das der Politiker schon nach wenigen Minuten abgebrochen hatte. Ihm gefielen offenbar die Fragen des Griechenland-Korrespondenten Michael Martens nicht. In einem Beschwerdeschreiben des Griechen an einen der FAZ-Herausgeber heißt es, der Journalist habe "die Grenzen journalistischer Arbeitsethik weit überschritten". Die FAS veröffentlichte darauf das Interview in Schrift und Ton.

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Für Martens war nach der fünften Frage Schluss. Der Journalist hatte gefragt: "Im Juni 2012 sagten Sie laut der Athener Zeitung Kathimerini, dass Pasok und Nea Dimokratia (die griechischen Regierungsparteien, Anm. d. Red.) die griechische Flagge erniedrigt und an Angela Merkel ausgeliefert hätten. Wenn das ein korrektes Zitat ist, was ich natürlich nicht weiß – was bedeutete es?" Tsipras bestritt, dies jemals gesagt zu haben und beendete daraufhin das Gespräch.
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung-Redaktion (FAS) veröffentlichte das Gespräch trotzdem. Auf eine Frage, ob er über eine Karikatur von Angela Merkel, in der sie mit Hitler telefoniert, (erschienen in der Athener Zeitung Agvi, die Tsipras‘ Partei gehört), lachen könne, bestritt der Politiker, die Zeichnungen jemals gesehen zu haben. Ob der Oppositionsführer es gut finde, wenn Nazi-Vergleiche von Anhängern seiner Partei oder Nahestehenden gemacht werden? Antwort Tsipras: "Ich stelle fest, dass Sie nicht gut informiert sind." Weder die Partei noch die Zeitung verträten anti-deutsche Ansichten.
Nach dem Gespräch habe sich Tsipras bei Martens über dessen "bösartigen" Fragen beschwert. Außerdem, berichtet Martens, habe ihn die Pressesprecherin des Politikers angerufen, um sich nach den Quellen des Journalisten zu erkundigen, mit denen er sich auf das Interview vorbereitet habe. Sie habe den Namen eines namhaften griechischen Journalisten genannt, der Martens geholfen haben soll – "ob das stimme?" Zudem kontaktierte die Referentin einen der Herausgeber der Tageszeitung, bei dem sie sich darüber beschwerte, dass Martens die "Grenzen journalistischer Arbeitsethik weit überschritten habe" und sich zudem auf "Gerüchte, Aussagen Dritter und ungeprüft übernommener Informationen" berufe. Der Politiker habe sich daraufhin "genötigt" gesehen, das Interview mit der "Klatschpresse" abzubrechen.
Damit nicht genug. Auch Avgi mischte sich mit einem Bericht über die FAZ und ihren Autor ein und beschrieb Martens als Journalisten, der "von dem Stil eines Prokonsuls inspiriert zu sein" scheine, "mit welchem seine Landsleute, Politiker sowie Funktionäre der Troika, aufzutreten pflegen, wenn sie in den Büros der griechischen Regierung herumspazieren."
Gegenüber dem Branchendinst Newsroom.de erzählt Martens, die Pressesprecherin der Partei habe ein erneutes Gespräch angeboten, wenn der Reporter nicht nochmal dabei wäre. Martens selbst glaube nicht, dass es jemals erneut zu einem Treffen zwischen ihm und Tsipras kommen werde.

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