Wie die dpa Bernd Buchholz eincremt

Der ehemalige Gruner-Chef Bernd Buchholz muss sich um dieses ganze “Digital vs. Print”-Zeugs nicht mehr kümmern. Als FDP-Bundestagskandidat braucht er aber trotzdem eine gewisse Medien-Öffentlichkeit. Dafür sorgte diese Woche die dpa mit einem besonders geschmeidigen Porträt. Und sonst: Andreas Wiele fühlte sich wegen einer gewissen Funke/Springer Sache missverstanden und manche Klatsch- und Tratsch-Medien waren in Sachen Herzogin Kate im After-Baby-Bauch-Rausch.

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Das beherrschende Medienthema diese Woche war natürlich … Kates Baby! Kleiner Scherz. Zu dieser Springer-Sache kommen wir gleich noch. Aber die Medien-Craziness in Sachen Royal-Baby war schon auch verstörend. Vor allem, wie sich manche Klatschmedien nach der Geburt mit dem selbstverständlich noch vorhandenen Bauch der Herzogin auseinandersetzen. “Noch sieht sie aus wie schwanger”, wundert sich Amica online und befragte eine Expertin, die zu Protokoll gab: “Das ist ganz normal”. Wer hätte es gedacht? Bunte.de schlagzeilte “Sie kaschiert nichts!” und erfand den Begriff “After-Baby-Bauch”. Den Vogel in Sachen After-Baby-Bauch-Mania aber schoss die britische OK! mit diesem Cover ab:

(gefunden im Twitterfeed von @KatyHillTV)

Nun zu etwas völlig anderem: Dass diese Springers das Hamburger Abendblatt, die Berliner Morgenpost sowie alle TV- und Frauenzeitschriften an die Funke-Gruppe verkaufen, war nun aber wirklich die Medien-Sensation der Woche. Bemerkenswert auch, wie es dem Konzern gelungen ist, den Über-Deal in der notorisch geschwätzigen Branche unterm Deckel zu halten. So ziemlich Alle waren am Donnerstag doch sehr überrascht. Rückblickend meint man dann immer die berühmten “Zeichen” zu erkennen. Ende 2012 zum Beispiel wurden die Welt und die Berliner Morgenpost schon räumlich entflochten, das regionale Profil der Morgenpost sollte geschärft werden. In der Rückschau sieht das aus wie die ersten Vorbereitungen zum Verkauf.

Worte können eine Eigendynamik entwickeln. Das merkte Springer-Vorstand Andreas Wiele, als er der teilweise aufgebrachten Hamburger Belegschaft diese Woche nahebrachte, dass sie nun an die Essener Funke-Mediengruppe verkauft werden. Weil die frühere WAZ-Gruppe vor allem mit rigiden Spar-Programmen und der Freisetzung von ganzen Hundertschaften und Redaktionen für Schlagzeilen sorgte, hielt sich die Begeisterung bei den Hamburger Springer-Leute in gewissen Grenzen. Bei Spiegel Online war eine Weile zu lesen, dass Wiele den Deal mit den Worten kommentiert habe: "Wir haben für Sie ein nettes neues zu Hause gefunden, machen Sie das Beste daraus." Das klingt gar nicht nett. So ein bisschen nach verbalem Tritt in den Allerwertesten. Das nicht korrekte Zitat wurde in Windeseile herumgereicht und die stets alerte Springer-Kommunikationsabteilung wurde auf drohendes PR-Ungemach aufmerksam. Später hieß es dann bei SpOn: “Springer-Vorstand Andreas Wiele wollte den Beschäftigten offenbar Mut machen: Man habe für sie ein "gutes neues Zuhause gefunden", sagte er bei der Mitarbeiterversammlung an diesem Donnerstag. Doch nicht alle Betroffenen sehen das so.” Die Änderung wurde von SpOn transparent deutlich gemacht. Wörtlich sagte Wiele auf der Mitarbeiterversammlung tatsächlich: "Die Funke Mediengruppe hat sich verpflichtet die Mitarbeiter in Redaktion und Verlag, alle Führungskräfte und alle Chefredakteure zu unveränderten Konditionen zu übernehmen […] gleichzeitig hat sich die Funke Mediengruppe auch verpflichtet, die Leitlinien der journalistischen Unabhängigkeit so wie sie bei Axel Springer gelten, zu übernehmen. Damit ist sichergestellt, das sowohl die Titel, als auch Sie, die unmittelbar Betroffenen ein gutes neues Zuhause finden." Das Zitat wurde in dieser Form von der Springer-Kommunikationsabteilung zweifelsfrei dokumentiert.

Über die Verwerfungen in der Medienbranche muss sich der frühere Gruner+Jahr-Chef Bernd Buchholz keine Gedanken mehr machen. Er will bekanntlich für die FDP in den Bundestag. Aber als alter Medienprofi hat er offenbar noch die richtigen Connections für so ein bisschen Medien-Buzz. Die dpa veröffentliche diese Woche ein überaus cremiges Porträt des Wahlkämpfers Buchholz, das dieser auch sogleich stolz auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte.

Einige Auszüge:

Selbstbewusst, unabhängig, rhetorisch stark – diese Qualitäten hatte FDP-Mann Buchholz schon vor 20 Jahren im Kieler Landtag.
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Die Freude über die Rückkehr ins Rampenlicht ist Bernd Buchholz aus den leuchtenden Augen abzulesen.
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Sonnenbrille im welligen Haar, Kettchen mit Kreuz um den Hals – äußere Lässigkeit geht bei Buchholz einher mit großer Ernsthaftigkeit seiner Plädoyers auf der Terrasse eines Kieler Lokals.

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Ein Smartphone-Junkie wie so viele Politiker ist er nicht. Bei Facebook ist er seit einigen Monaten, getwittert hat er erst zwei-, dreimal. “Social Media gehören in unsere Zeit, man muss sie nutzen können und das tue ich mit einem gewissen Spaß. Aber alles Private bleibt außen vor.”

Buchholz’ Facebook-Kommentar: “Heute veröffentlicht dpa ein freundliches Portrait von mir. Mal sehen wer das druckt.” Auch wenn die Druckmaschinen nun nicht gleich bundesweit anlaufen – dank Social Media kommen wir auch so in den Lesegenuss dieses sommerlich-geschmeidigen Stücks.

Sonniges Wochenende!

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