Tobias Trevisan wird FAZ verlassen

Publishing Tobias Trevisan, Sprecher der Geschäftsführung der FAZ GmbH, will den Frankfurter Verlag verlassen. Seinen Vertrag, der bis Ende 2015 läuft, werde er nicht verlängern. Nun geht es auf Nachfolgersuche. Wenn der gefunden sei, scheide er aus dem Unternehmen aus, bestätigte der Schweizer gegenüber MEEDIA. Der künftige FAZ-Chef soll sich künftig offenbar auch um die Frankfurter Societät GmbH kümmern, zu der seit kurzem die Frankfurter Rundschau gehört.

Werbeanzeige

Trevisan steht beinahe zehn Jahre in den Diensten der FAZ GmbH. Er wolle "künftig aus privaten Gründen mehr Zeit in der Schweiz verbringen und auf Mandats- und Projekt-Basis weiterhin im internationalen Medienumfeld tätig sein."

Der Aufsichtsrat habe die Entscheidung Trevisans "mit Bedauern" zur Kenntnis genommen, sagt Karl Dietrich Seikel, der Chef des Gremiums. Trevisan habe den Verlag "in einem sehr schwierigen Marktumfeld erfolgreich geführt" und es strategisch klar ausgerichtet. Auf der Habenseite steht laut Mitteilung u.a., Trevisan habe die digitalen Medien der FAZ "in die Gewinnzone geführt". Ebenfalls hat er den Einstieg in den Weiterbildungsmarkt gewagt. Auf der anderen Seite musste Trevisan im Geschäftsfahr 2012 auch ein Minus von 4,3 Millionen Euro verbuchen, die Zeitung Märkische Allgemeine wurde verkauft – und die Digitalausgabe der FAZ lässt noch einiges an Prägnanz und Bekanntheit zu wünschen übrig.

Demnächst wird als Digitalchef Mathias Müller von Blumencron antreten. Trevisan übergibt sicher keinen leichten Job – zwar verfügt die FAZ GmbH über die Fazit Stiftung über hohe Kapitalreserven, doch ihm gegenüber steht eine mächtige Herausgeberschaft, die dem Geschäftsführer zumindest in Angelegenheiten der Zeitung überlegen ist. 

Es ist wahrscheinlich, dass Trevisans Nachfolger nun eine ebenfalls führende Position bei der Schwester Frankfurter Societät GmbH (Frankfurter Neue Presse, Frankfurter Rundschau, Societät-Druckerei) übernehmen soll, bzw. diese beiden Unternehmen näher aneinanderrücken. Die beiden Verlage gehören der Fazit-Stiftung. Bereits beim Kauf der Rundschau wurde auf eine Verschränkung geachtet: An der linksliberalen Zeitung hält die Societät GmbH 55 Prozent und die FAZ GmbH 35 Prozent.

Mehr zum Thema

Mafia und Flugrouten: SpOn und Morgenpost feiern Multimedia-Montag

Autoflotte: Schon wieder Manipulationen bei Medien-Autopreis

Jahreszeiten Verlag: Neue Aufgabenteilung in Geschäftsführung

Kommentare