Finale des Bundesliga-Sonderheft-Tests

In Teil 1 unseres großen Bundesliga-Sonderheft-Vergleichstests 2013/14 sahnten kicker und Sport Bild bereits mit grandiosen Punktzahlen ab. Im abschließenden Teil 2 widmen wir uns nun u.a. den beiden anderen Wälzern von Sport1 und TV Movie, sowie dem Exoten 11 Freunde. Können Sie ähnliche Punktzahlen erreichen? Und welches Heft lohnt sich für Teenager? Bravo Sport? New Sport? Zum Abschluss des Tests gibt es die Tabelle mit allen zehn Heften und eine Kaufempfehlung.

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Für unseren Test der zehn Sonderhefte haben wir ein Kategoriensystem entwickelt. Für alle zehn Titel werden in sieben Kategorien Punkte vergeben:

– Aktualität: Wichtig für Magazine, die Begleiter in einer gesamten Saison sein wollen: Wie aktuell sind die Informationen – insbesondere, was Transfers anbetrifft? Fehlen viele wichtige Spielerwechsel wegen frühem Redaktionsschluss?

– Infos + Analyse: Wie stark sind die Mantelteile, also die Artikel und Analysen abseits der reinen Team-Vorstellungen? Gibt es journalistische Qualität? Oder Altbekanntes mit Plattitüden? Und? Wie informativ sind die Statistikteile?

– Teams: Das Kernstück eines Sonderheftes sind die Vorstellungen der Mannschaften für die neue Saisons. Gibt es Mannschaftsfotos, Porträtfotos der Spieler, umfangreiche Infos und Statistiken zu den Kickern?

– Gimmicks: Welche Beilagen enthält das Sonderheft? DVDs? Poster? Oder gar nichts?

– Experten: Werden aktuelle Trainer und Spieler interviewt? Kommen ehemalige Stars und Coaches zu Wort? Und wenn ja, lohnt das Lesen auch?

– Unterklassen: Welchen Platz gönnt das Heft der 2. und 3. Liga? Oder werden Fans eines unterklassigen Teams enttäuscht?

– Preis/Leistung: Der Gesamteindruck kombiniert mit dem Preis: Ist das Sonderheft sein Geld wert? Oder viel zu teuer, für das, was es bietet?

Die drei ersten Kategorien (Aktualität, Infos und Analyse, Teams) erachten wir als besonders wichtig, daher werden die hier erhaltenen Punkte für die Gesamtwertung verdoppelt. Insgesamt ergibt sich somit eine maximal zu erreichende Punktzahl von 100.

Im ersten Teil unseres großen Tests haben wir die Sonderhefte von Anpfiff, Bundesliga Spezial, Fußball Live, Sport Bild und kicker unter die Lupe genommen. Der folgende Teil 2 widmet sich Bravo Sport, TV Movie, Sport1, New Sport und 11 Freunde:

Bravo Sport
Verlag: Heinrich Bauer Zeitschriften Verlag
Chefredakteur: Fred Wipperfürth
Erschienen am: 10. Juli 2013
Preis: 2,95 Euro
Umfang: 98 Seiten

Aktualität:
Das Bravo-Sport-Sonderheft erschien am 10. Juli und damit zu früh, um Top-Transfers wie die von Thiago, Gomez, Mkhitaryan oder Aubemeyang im Heft zu haben. Gomez verzeichnet man etwas mutig dennoch schon als FC-Bayer-Abgang – mit unbekanntem Ziel. Im Vergleich zum kicker, der 14 Tage später erschien – oder auch zur Sport Bild, die eine Woche später kam, ist das Bravo-Sport-Magazin damit zu unaktuell. 5 von 10 Punkten.

Info und Analyse:
Das Bravo-Sport-Sonderheft hat einen völlig anderen Aufbau als die Konkurrenz: Die Teams werden hier nicht gebündelt in der Mitte der Zeitschrift vorgestellt, sondern über das gesamte Heft verteilt. Infos und Analysen finden sich dazwischen eingestreut. Hier gibt es vor allem zielgruppengerechte Seiten wie "So geil wird die Bundesliga 2013/14" mit Info-Schnipseln, eine durchaus interessante Übersicht der neuen Trikots aller Mannschaften, die anderen Sonderheften auch gut zu Gesicht gestanden hätte, pseudo-lustige Fotos, ein Quiz und eine Statistik-Doppelseite "Die irren Rekorde der Jubiläums-Saison". Längere Texte – "lang" ist bei dieser Jugendzeitschrift natürlich relativ – widmen sich einem Vergleich Bayern vs. Dortmund, dem "Fight um die Knipser-Krone", einer Prognose "Wer schafft’s nach Europa?" und einer ähnlichen zum Thema "Wer muss runter?". Auch einen "Marktwert-Check" mit den teuersten Spielern der Liga gibt es. Insgesamt ist das ein durchaus unterhaltsames, informatives Paket, das in der Zielgruppe der Jungen zwischen 10 und 17 Jahren gut ankommen dürfte. Analytischen Journalismus sucht man natürlich vergebens. 6 von 10 Punkten.

Teams:
Die Seiten mit den Mannschafts-Vorstellungen sind wie gesagt im gesamten Heft verteilt. In identischem Layout bekommt jede Bundesliga-Mannschaft eine Doppelseite. Ein Mannschaftsfoto gibt es zwar nicht, dafür Porträtfotos der 15 Top-Spieler, die unten auf der ganzen Doppelseite vorgestellt werden. Daneben kurz und knapp der Rest des Kaders. Den größten Platz nimmt ein kurzer Artikel ein, in dem die Perspektiven für die neue Saison beleuchtet werden. Außerdem zu finden: "Die Top-11-Taktik", Zu- und Abgänge, Vereinsinfos, ein Mini-Interview mit einem Spieler, der "Bravo-Sport-Powercheck", in dem für die vier Mannschaftsteile Tor, Abwehr, Mittelfeld und Angriff Punkte verteilt werden, sowie – auch auf die Idee hätten die Sonderhefte mit älterer Zielgruppe kommen können – Internet-Facts mit Fan- und Follower-Zahlen der Clubs und Spieler bei Facebook, Twitter und Instagram. Ein paar mehr Daten zu den Spielern hätte der Doppelseite gut getan – und natürlich auch ein Mannschaftsfoto. So gibt es solide 5 von 10 Punkten.

Gimmick:
8 DIN-A3-Poster mit Spielern von Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, Schalke 04, Eintracht Frankfurt, dem HSV und dem VfB Stuttgart, sowie einem Spielplan für die neue Saison zum Ergebnisse-Eintragen. Außerdem: Sechs große DIN-A2-Poster mit Thomas Müller, Marco Reus, Lars Bender, Klaas-Jan Huntelaar, Martin Harnik und Rene Adler. Und: 16 Sammelkarten mit Top-Spielern von Ribery und Robben über Reus und Gündogan bis Diego oder Rafael van der Vaart. Auch das ist zielgruppengerecht und ein fettes Paket. 6 von 10 Punkten.

Experten:
Zwei größere Interviews gibt es im Heft: eins, das der berühmt-berüchtigte FC-Bayern-Reporter Christian Ortlepp mit Philipp Lahm geführt hat – und eins mit Ilkay Gündogan. Beide Gespräche nehmen jeweils eine Doppelseite ein. Auf den Team-Seiten kommen zudem in einem Mini-Interview mit drei Fragen Spieler wie Thomas Müller, Klaas-Jan Huntelaar oder Sebastian Jung zu Wort. Insgesamt okay. 5 von 10 Punkten.

Unterklassen:
Der 2. Liga hat die Redaktion, die im Übrigen wie bei den beiden Sonderheften Anpfiff und Bundesliga Spezial aus Fred Wipperfürths RFW GmbH besteht, zehn Seiten gegönnt. Auf der ersten Doppelseite wird prognostiziert, welcher Club die besten Aufstiegs-Chancen hat, danach folgen jeweils eine Seite mit den Teams und Infos von Fortuna Düsseldorf, Greuther Fürth, Kaiserslautern und Köln, sowie je eine halbe Seite für 1860 München, Bochum, Union Berlin und Cottbus. Die restlichen zehn Mannschaften finden zusammengefast auf der fünften Doppelseite statt. Insgesamt zu wenig, aber immerhin mehr als für die 3. Liga. Die findet im Bravo-Sport-Heft gar nicht statt. 3 von 10 Punkten.

Preis/Leistung:
Mit 2,95 Euro ist das Bravo-Sport-Sonderheft das zweitgünstigste unter allen zehn getesteten Magazinen. Nur das miserable Bundesliga Live ist mit 2,50 Euro etwas günstiger. Für die 2,95 Euro sind die unterhaltsamen Infos, die vielen Poster und der Blick auf die 18 Teams absolut ihr Geld wert. Väter, die sich eins der großen seriösen Sonderhefte kaufen, können ihrem Teenie-Sohn durchaus ein Bravo-Sport-Special mitbringen. 7 von 10 Punkten.

Gesamtwertung: 53 von 100 Punkten

TV Movie
Verlag: Heinrich Bauer Zeitschriften Verlag
Chefredakteur: Stefan Westendorp
Erschienen am: 17. Juli 2013
Preis: 5,50 Euro
Umfang: 224 Seiten

Aktualität:
Eine kleine Kuriosität unter den zehn Kontrahenten ist das TV-Movie-Sonderheft. War das Programmie des Heinrich Bauer Verlags im vergangenen Jahr noch Kooperationspartner des erstmals erschienenen Sport1-Sonderhefts, geht man nun allein an den Start – redaktionell befüllt von der TV-Movie-Redaktion unter Stefan Westendorp. Erschienen ist das Magazin am 17. Juli – am selben Tag also wie Sport Bild und Sport1. Offenbar hatte man allerdings einen früheren Redaktionsschluss, denn ein Transfer wie der von Henrich Mkhitaryan zu Borussia Dortmund fehlt im TV-Movie-Heft – im Gegensatz zu Sport Bild und Sport1. Wechsel von Thiago oder Gomez konnte man logischerweise erst recht nicht verkünden, auch wenn man Gomez in weiser Voraussicht schon nicht mehr im FC-Bayer-Kader auftauchen lässt. Für Transfers nach dem Redaktionsschluss wurden auf der Seite mit der Kadervorstellung jeweils drei Zeilen frei gelassen – zum Selber Nachtragen. Wegen des etwas früheren Redaktionsschlusses eine etwas geringere Wertung als bei Sport Bild und Sport1: 6 von 10 Punkten.

Info und Analyse:
Die Herangehensweise an die Bundesliga ist bei einem Heft wie TV Movie natürlich etwas bunter und mainstreamiger als bei kicker oder Sport Bild, die sich vor allem an die Hardcore-Fans richten. Hier gibt es stattdessen eine Seite, auf der 13 "Promi-Orakel" von Marcel Reif bis Ruth Moschner den Ausgang der Saison prophezeien, die Saison-Prognose wird in Form von "11 spannendsten Fragen der Saison" aufbereitet – u.a. "Findet Guardiola den Bayern-Code?" oder "Findet der Norden aus der Krise?". Übersichtlicher als bei der Konkurrenz ist der Redaktions-Tipp zum Ausgang der Spielzeit – nämlich mit einer Tabelle von Platz 1 bis 18 für beide Top-Ligen auf einer gemeinsamen Seite. Es gibt aber auch überraschend Gutes im TV-Movie-Heft – zum Beispiel die Reportage "Dahoam bei den Bayern" mit vier Seiten über das Bayern-Areal an der Säbener Straße – inklusive noch nicht oft gesehenen Fotos von der FCB-Bibliothek oder den Räumen von Pep Guardiola und seinem Trainerstab. Auch die Doppelseite mit Texten deutscher Korrespondenten ist gelungen. Dort schreiben Leute wie Raphael Honigstein darüber, wie die Bundesliga in Frankreich, Italien, Spanien und England an Ansehen gewonnen hat. Ein Hingucker ist auch die Heftmitte, in der alle 50 deutschen Meisterteams von 1964 bis 2013 abgebildet sind. Am Ende des Heftes gibt es auch noch eine Seite zur Frauen-Bundesliga, eine Statistik-Doppelseite mit ewiger Tabelle, sowie weitere Doppelseiten zum DFB-Pokal, Europas Top-Ligen, zur Nationalmannschaft und zur Fußball-WM 2014. Schön sind auch noch die sechs Seiten zum Thema Fußball im Fernsehen. Zwar hat sich nicht grundlegend viel an der Rechte-Situation geändert, doch zur TV-Movie-Kernkompetenz gehört eine solche Strecke natürlich dennoch. Letztlich gilt hier noch stärker als bei Bravo Sport: Fachkompetente Tiefe darf man nicht erwarten, aber mit vielen guten Ideen lässt das TV-Movie-Heft durchaus aufhorchen. 7 von 10 Punkten.

Teams:
Etwas anders sehen auch die Seiten mit den Team-Vorstellungen aus. So verzichtet man hier komplett auf Mannschafts- oder Porträtfotos und zeigt auf der ersten Seite stattdessen einen bunten Mix aus Spielszenen und Trainerfotos. Daneben gibt es die bekannte Tabelle mit dem Kader – inklusive den wichtigsten Informationen zu jedem Spieler, hier muss sich TV Movie nicht vor kicker oder Sport Bild verstecken. Darüber gibt es Infos zum Verein im Internet, also Website, Fan-TV, Facebook, Twitter & Co. – eine recht gute Idee. Die jeweils zweite der beiden Doppelseiten pro Team zeigt ein Info-Sammelsurium zum Trainer, den Titeln, der möglichen taktischen Aufstellung, dem Stadion und ein Mini-Interview mit prominenten Fans wie Nico Rosberg (Bayern), Timo Boll (Dortmund) oder Klaus Meine (Hannover). Auch wenn die Interviews ab und zu etwas grenzwertig sind, eine schöne Idee. Ebenfalls toll – und überraschend, dass vorher niemand drauf gekommen ist: die "Playlist" jedes Vereins – mit Vereinslied, Torhymne und Einmarschmusik. Auch die Trikots werden gezeigt. Etwas negativ fällt auf, dass die Liste der Zu- und Abgänge nur die jeweiligen Top-Transfers listet und keinen kompletten Überblick bietet. Dennoch: Wäre nun noch ein Mannschaftsfoto an der Stelle des Foto-Mixes auf der ersten Seite, wäre es ein rundes Paket – so aber ein paar Punkte weniger als bei kicker und Sport Bild. 8 von 10 Punkten.

Gimmick:
Hier sieht es hingegen mau aus. Einzig ein Spielplan zum Herausnehmen ist in der Heftmitte zu finden – auf dem sich die Ergebnisse der 1. und/oder der 2. Liga eintragen lassen. Ein bisschen wenig im Vergleich zur Konkurrenz. 2 von 10 Punkten.

Experten:
Die prominenten Fans, die auf den Mannschaftsseiten interviewt werden, haben wir schon erwähnt. Eine gute Idee. Am Ende des Heftes gibt es auch noch ein ordentliches Interview mit DFB-Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel über Neuigkeiten bei den Regeln, sowie ein okayes mit WDR-Sportchef Steffen Simon zu "Sportschau", Bild.de & Co. Warum man aber ausgerechnet Ex-Spieler, Sport-1-Mann und Dampfplauderer Thomas Helmer auf drei Seiten über Gott und die Welt reden lässt, weiß wohl niemand außerhalb der Redaktion. Insgesamt Mittelmaß: 5 von 10 Punkten.

Unterklassen:
Hier wird es überraschend: Noch nicht so sehr bei der 2. Liga, bei der man jedem Team wie kicker und Sport Bild eine Doppelseite widmet, mit ausführlicher Kader-Liste, Infos zum Verein im Netz, zum Trainer, Trikots, etc. Genau so ausführlich wie im kicker – und damit ausführlicher als in der Sport Bild werden die Teams der 3. Liga vorgestellt – nämlich mit einer Seite pro Club. Richtig überraschend ist aber, dass ausgerechnet TV Movie sogar den Regionalligen Platz widmet – im Gegensatz zu kicker und Sport Bild. Es ist zwar nur eine Seite mit einem Überblick, welche Vereine in den fünf Regionalligen antreten, aber dennoch: beachtlich. Daher starke 9 von 10 Punkten.

Preis/Leistung:
Mit 5,50 Euro kostet das TV-Movie-Heft genau so viel wie Sport Bild und Sport1 – und damit 40 Cent weniger als der kicker. Der Umfang von 224 Seiten ist ebenfalls ähnlich. Da das Heft aber keine starken Zusätze wie eine DVD oder Stecktabelle bietet, kann die Preis/Leistungs-Wertung hier nicht ganz so hoch ausfallen wie bei kicker oder Sport Bild. Experten unter den Fans werden wegen der journalistischen Tiefe eher zum kicker greifen, doch insgesamt ist das TV-Movie-Magazin ein Heft, dass mit guten Ideen überrascht und sich nicht zu sehr hinter der fachlich kompetenteren Konkurrenz verstecken muss. 7 von 10 Punkten.

Gesamtwertung: 65 von 100 Punkten

Sport1
Verlag: Sport1
Chefredakteur: Hans-Uwe Pöls
Erschienen am: 17. Juli 2013
Preis: 5,50 Euro
Umfang: 256 Seiten

Aktualität:
Zum bereits zweiten Mal kommt der TV-/Internet-Anbieter Sport1 mit einem gedruckten Heft zur Fußball-Bundesliga an die Kioske. Wie im Vorjahr wird das Heft redaktionell hauptsächlich vom externen Anbieter COPA Medien GbR von Hans-Uwe Pöls betreut. Das Heft erschien wie Sport Bild und TV Movie am 17. Juli – und damit eine Woche vor dem kicker. Der Aktualitätsgrad ist dabei so hoch wie der der Sport Bild – und damit besser als der von TV Movie. So sind auch schon die Wechsel von Mario Gomez nach Florenz und Henrich Mkhitaryan zu Borussia Dortmund enthalten. Für Transfers nach Redaktionsschluss hat man wie im TV-Movie-Heft, das sich nicht nur hier etwas inspirieren ließ, ein paar freie Zeilen unter den Kader-Auflistungen gelassen. 7 von 10 Punkten.

Info und Analyse:
Hier geht es deutlich fachkompetenter als bei TV Movie zu. Statt bunter Reportagen und Fotos historischer Meister regiert hier die Sachlichkeit. Auf den ersten fast 50 Seiten widmet sich das Magazin einer journalistischen Vorschau auf die neue Saison. Nach einer allgemeinen Prognose zum Ausgang der Liga inklusive Experten-Meinungen aus In- und Ausland gibt es im "Ligacheck" "Die 18 Vereine der Bundesliga im Experten-Test. Auf jeweils einer Seite wird kurz analysiert, wie die Vorsaison lief, wer weg ging und wer dazu kam und wie damit die Chancen 2013/14 stehen. Daneben sagen ehemalige Spieler des jeweiligen Vereins ihre Meinung – etwas, das man schon im Sport-Bild-Sonderheft findet. Hier sind es Namen wie Ulf Kirsten, Karlheinz Pflipsen oder Hansi Müller, die schreiben. Die Textchen gehen nicht allzu sehr in die Tiefe, die Experten-Meinungen sind ab und zu aber durchaus lesbar. Relativ schwach ist der Statistik-Teil, der einzig aus einer Seite mit interessanten Spielerstatistiken von Impire besteht. Eine ewige Bundesliga-Tabelle sucht man beispielsweise vergebens. Nicht wirklich als nützlichen Inhalt kann man wohl "Das große Extra" zu Sport1 in der Heftmitte werten, in dem sich Infos zum TV-Fußball bei Sport1, zum neuen Sport1.FM und zum Bundesliga-Manager-Spiel auf der Website findet. Ganz hinten werden noch ein paar europäische Ligen, der DFB-Pokal und die Nationalmannschaft auf vier Seiten abgefrühstückt. Zusammenfassend also: Eine ordentliche bis gute "Ligacheck"-Strecke am Beginn des Heftes, darüber hinaus aber fast keine weiteren nützlichen oder unterhaltsamen Infos. Daher gibt es sogar einen Punkt weniger als bei TV Movie – 6 von 10 Punkten.

Teams:
Hier regiert die klassische Nüchternheit. Die Bundesliga-Teams werden auf vier Seiten vorgestellt. Auf der ersten Doppelseite finden sich kicker-artig das Mannschaftsfoto und der ausführliche Kader mit zahlreichen Informationen. Hier gibt es fast nichts zu meckern, mit Ausnahme von der gewöhnungsbedürftigen Idee, auf dem Mannschaftsfoto sämtliche Spieler mit kleinen (Rücken-)Nummern zu versehen, anstatt wie bei der Konkurrenz die Namen unter das Foto zu schreiben. Die zweite Doppelseite ist allerdings schon vom Layout her wenig ansprechend, mit Baukasten-artigem Layout, das sich auf wenige Infos beschränkt: Zu- und Abgänge, eine "Kaderanalyse" genannte Sammlung von Statistiken zur Mannschaft und ähnlichem. Ergänzt wird das durch ein Porträt des jeweiligen Schlüsselspielers und die "Sport1-Meinung", in der – inklusive der zweiten Liga – 36 verschiedene Sport1-Redaktionsmitglieder ihre Meinung zu den Chancen des jeweiligen Teams aufschreiben durften. Da schreibt dann zum Beispiel der Leiter der Teletext-Redaktion von Sport1 über den SC Paderborn. Insgesamt solide, aber vollkommen überraschungsfrei und mit zu wenig Futter. 7 von 10 Punkten.

Gimmick:
Keins. 0 von 10 Punkten.

Experten:
Als Teil des "Ligachecks" gibt es auch fünf Interviews im Umfang von jeweils ein bis zwei Seiten: eins mit Karl-Heinz Rummenigge, eins mit Hans-Joachim Watzke, eins mit Lars Bender, eins mit Julian Draxler und eins mit Torsten Lieberknecht, Trainer des Aufsteigers Eintracht Braunschweig. Hinzu kommen die 18 "Experten-Meinungen" der Ex-Spieler der Bundesliga-Clubs. Außerdem hat man auch kurz mit Jogi Löw gesprochen. Ein gutes Paket fremder Meinungen. 7 von 10 Punkten.

Unterklassen:
Absolut vorbildlich ist der Umgang mit der 2. Liga. Die Fans der 18 Teams bekommen den selben Umfang und die selben Infos zu ihrer Mannschaft wie die der 1. Liga – sprich: vier Seiten mit Mannschaftsfoto, Kader und den anderen Infos. Außerdem werden auf drei Doppelseiten die Chancen der 18 Mannschaften prognostiziert – und als Abrundung gibt es ein Interview mit Peter Neururer. Die Mannschaften der 3. Liga bekommen immerhin noch eine Seite inklusive Mannschaftsfotos und die fünf Regionalligen finden sich auf einer gemeinsamen Seite. Hier hat sich der letztjährige Kooperationspartner TV Movie, der auch in diesem Jahr zusätzlich zum eigenen Heft noch als Sponsor des Sport1-Heftes auf dem Titel zu sehen ist, offenbar stark inspirieren lassen. Insgesamt ein vorbildlicher Umgang mit den unterklassigen Ligen. 9 von 10 Punkten.

Preis/Leistung:
5,50 Euro für 256 Seiten ohne Gimmick. Im Vergleich zu TV Movie erhält der Fan mehr Gehalt in den sportlichen Analysen, dafür eine rigorose Sachlichkeit ohne jegliche überraschende Idee. Diese beiden Faktoren halten sich in etwa die Waage, sodass das Sport1-Heft wie das von TV Movie 7 von 10 Punkten erhält.

Gesamtwertung: 63 von 100 Punkten.

New Sport!
Verlag: bpa sortpresse
Chefredakteur: Oliver Buss
Erschienen am: 19. Juli 2013
Preis: 3,95 Euro
Umfang: 36 Seiten

Aktualität:
Das Heft erschien zwei Tage nach Sport Bild & Co., wichtige Transfers wie Gomez, Mkhitaryan oder Aubemeyang wurden also berücksichtigt. Andere wie Thiago noch nicht. Die Aktualität spielt aber wegen der geringen Informationsdichte kaum eine Rolle. Dazu gleich mehr. 6 von 10 Punkten.

Info und Analyse:
An dieser Stelle ein Zitat aus dem Editorial des "New Sport"-Sonderheftes zur Bundesliga 2012/13: "Es geht endlich wieder los! Die Sommerpause ist für Fußballsüchtige eine echte Qual. Viel zu lange dauert die Pause zwischen dem Abpfiff einer Saison und dem Moment, wenn es im August wieder losgeht. In diesem Jahr war das ein wenig anders, denn immerhin wurde uns der Juni mit der EURO in Polen und der Ukraine versüßt. Und auch wenn unsere deutschen Stars den Titel leider nicht holen konnten, so gab es doch jeden Tag Fußball im TV! Trotzdem wird es langsam Zeit, dass es endlich auch in den Stadien der Bundesliga wieder so richtig abgeht." 12 Monate später heißt es im Editorial des "New Sport"-Sonderheftes zur Bundesliga 2013/14: "Es geht endlich wieder los! Die Sommerpause ist für Fußballsüchtige eine echte Qual. Viel zu lange dauert die Pause zwischen dem Abpfiff einer Bundesliga-Spielzeit und dem Moment, wenn es im August wieder heißt: "Der Ball rollt". In diesem Jahr war das zum Glück nicht ganz so schlimm, schließlich wurde uns der Juni mit dem Confed Cup in Brasilien ordentlich versüßt. Denn auch wenn unsere deutschen Stars dort leider nicht teilnehmen durften, so gab es doch wenigstens jeden Tag Live-Fußball im TV! Und trotzdem wird es natürlich höchste Zeit, dass es auch in den Stadien der Bundesliga endlich wieder so richtig abgeht." Ein solches Text-Recycling ist eine Frechheit und kann wohl nur als Leser-Verarschung abgebucht werden. Ansonsten: ein paar Info-Schnipsel zu Nebensächlichkeiten wie "BVB vs. Pocher", ein Artikel zum "Meisterfight" zwischen FCB und BVB und die "Top-Transfers der Liga", die natürlich zu einem solchen Zeitpunkt nicht komplett sind. Das war’s. 1 von 10 Punkten.

Teams:
Das Herzstück eines Sonderheftes ist bei New Sport! besonders peinlich geraten. Jedes Team findet auf nur einer Seite statt – mit Porträtfotos von 19 Spielern und dem Trainer, rudimentären Infos und keinerlei Zusatznutzen. 1 von 10 Punkten.

Gimmick:
Als Konkurrent zu Bravo Sport gibt es 4 Poster mit Franck Ribery, Julian Draxler, Patrick Herrmann und dem neuen Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang. Außerdem: ein "XXL-Spielplan" zum Eintragen für die Wand, sowie ein Poster mit der Meiterschale zum Ausschneiden. Okay, aber inspirationslos. 4 von 10 Punkten.

Experten:
Fehlanzeige. 0 von 10 Punkten.

Unterklassen:
Zählt eine Doppelseite mit zwei Mini-Textchen zur 2. Liga? Nicht wirklich, oder? 1 von 10 Punkten.

Preis/Leistung:
3,95 Euro sind für ein solches Produkt eine Frechheit. Bedenkt man, dass Jugend-Konkurrent Bravo Sport für 1 Euro weniger so viel mehr bietet, kann man wohl nur Leuten zum Kauf raten, die unbedingt ein Poster der Meisterschale haben wollen. Alle anderen: Finger weg! 1 von 10 Punkten.

Gesamtwertung: 22 von 100 Punkten.

11 Freunde
Verlag: 11 Freunde Verlag
Chefredakteur: Philipp Köster
Erschienen am: 25. Juli 2013
Preis: 5,50 Euro
Umfang: 164 Seiten (plus 196-seitiges Büchlein als Beilage)

Aktualität:
Das 11-Freunde-Special ist zwar einen Tag nach dem kicker erschienen, der Redaktionsschluss – zumindest der des beigelegten Büchleins mit Team-Infos, etc. – war aber offenbar deutlich früher. So fehlen in den Kadern Spieler wie Mkhitaryan, dafür sind andere wie Gomez noch dabei. Der Aktualitätsgrad liegt damit in etwa bei dem des TV-Movie-Sonderheftes, daher auch die gleiche Wertung: 6 von 10 Punkten.

Info und Analyse:
Das Konzept des 11-Freunde-Specials entspricht nahezu gar nicht dem eines klassischen Bundesliga-Sonderheft. Das Magazin selbst liest sich weitgehend wie eine normale 11-Freunde-Ausgabe, nur eben mit massivem Schwerpunkt auf die neue Saison. Das, was andere Sonderhefte ausmacht, die Daten, Fakten, Infos, Kader, hat man komplett in das kleine beigelegte Büchlein ausgelagert. Wegen des anderen Konzepts fällt es natürlich schwer, das Heft im gleichen Kategoriensystem zu bewerten wie die anderen Kontrahenten. Wir probieren es trotzdem. 11 Freunde hat seine Stärke bei den kreativen Ideen und Herangehensweisen, bei den Lesestücken, Reportagen und Interviews. So auch hier. Das Saisonheft liest sich so unterhaltsam wie kaum eine andere Publikation zum Thema Fußball. Das lange Interview mit Entertainer Harald Schmidt beispielsweise ist eins der besten, die man seit langer Zeit mit ihm lesen konnte – und es zeigt, wie viel Ahnung Schmidt tatsächlich vom Fußball hat. Oder das dramatische Protokoll über 50 Tage MSV Duisburg "zwischen Aufbruch und Insolvenz", das lange Frank-Ribery-Porträt oder die lesenswerte Doppelseite über Mike Hankes "Dienstantritt" beim SC Freiburg – geschrieben vom dem Spieler selbst. Auch knallharte Analysen gibt es, zum Beispiel "Quo vadis BVB?". Und das ist nur ein Bruchteil des Heftes, letztlich lohnt so ziemlich jeder Text. Dazwischen finden sich zahlreiche optische Hingucker – von der Galerie mit umgebauten Serien-DVD-Covern ("Two and a Half Men" mit Tim Wiese, Peter Neururer als "The Mentalist", etc.) bis zur Galerie mit den Büros von Bundesliga-Trainern mit zum Teil arg deprimierenden Fotos wie dem Gefängniszellen-artigen Räumchen von Bruno Labbadia beim VfB Stuttgart, dessen Fensterchen in etwa Kellerfenstergröße haben. Es ließen sich noch zig andere tolle Aspekte in diesem Heft aufzählen, kaufen Sie es einfach selbst! 10 von 10 Punkten.

Teams:
Die reinen Informationen zur neuen Saison sind die Schwäche des Heftes. Zwar finden sich die Kader der Bundesliga-Teams im beigelegten Büchlein, doch die Informationsdichte auf diesen Seiten ist sehr gering. So finden sich als Details neben den Spielernamen einzig die Nationalität und die Dauer der Vereinszugehörigkeit. Hinzu kommen auf den beiden Doppelseiten pro Club grundsätzliche, aber überraschungsfreie Infos zum Verein, sowie ein Interview mit einem jeweiligen Blogger und Fan des Vereins. Typischer 11-Freunde-Stil ist die Idee, statt aktueller Mannschaftsfotos welche aus der Historie neben die Kader zu stellen, beim FC Bayern z.B. eins aus der Sasison 68/69, bei Borussia Dortmund eins von 75/76 – und selbst zur TSG Hoffenheim hat man ein altes Foto ausgegraben – aus der Saison 1980/81 – damals wahrscheinlich noch aus der Kreisliga. Insgesamt lassen sich die Seiten zu den Teams aber viel viel informativer und besser füllen. 4 von 10 Punkten.

Gimmick:
Das Büchlein "Bundesliga 2013/14", 196 Seiten stark und mit den – wie oben zu sehen etwas dürftigen – Infos zu den 36 Clubs der 1. und 2. Liga. Nachteil des Büchleins: Viel Platz war nicht für Infos. Vorteil: Es lässt sich hervorragend z.B. zum Stadionbesuch in der Hosentasche mitnehmen. 6 von 10 Punkten.

Experten:
Hier werten wir auch das Interview mit Harald Schmidt nochmal – ein wahrer Fußball-Experte. Außerdem im Originalton vorhanden: ein durchaus lesenswertes Doppelinterview mit dem HSV-Duo Oliver Kreuzer und Thorsten Fink – inklusive grenzwertigem Foto im Hamburger Miniatur-Wunderland, eins mit dem neuen Geschäftsführer des VfL Bochum Christian Hochstätter. Außerdem äußern sich 25 Vereinschefs oder Trainer zu Stammtischvorurteilen über ihren Verein. Im Büchlein gibt es zudem die Interviews mit 36 Bloggern – und im Hauptheft noch ein Interview mit vier Kaiserslautern-Fans über dem "Mythos Betzenberg". Insgesamt ein gelungenes Paket. 7 von 10 Punkten.

Unterklassen:
Hier gibt es einen zwiespältigen Eindruck. Auf der einen Seite finden sich im Hauptheft diverse Texte und Interviews zur 2. und 3. Liga – z.B. das Hochstätter-Interview, das mit den Lautern-Fans oder eine lange Reportage über den Streit der Fans von Preußen Münster. Zudem bekommen die Zweitliga-Clubs im beigelegten Büchlein genau so viel Platz wie die Bundesliga-Vereine – vier Seiten pro Club. Doch die Infos fallen dort eben dementsprechend genau so dürftig aus und die Drittliga-Vereine bekommen überhaupt keinen Raum. Stattdessen nur der Spielplan und ein paar relativ belanglose Infografiken zur Liga. Insgesamt – gerade noch – 7 von 10 Punkten.

Preis/Leistung:
Insgesamt ist das 11-Freunde-Heft nicht wirklich als Saisonbegleiter geeignet. Das kleine Büchlein vielleicht, doch es enthält viel zu wenige Infos zu den Spielern, keinerlei aktuelle Fotos und nur einen halbwegs aktuellen Transferstand. Aber: Seine große Stärke entwickelt das Magazin im Hauptheft. Die vielen Interviews, Reportagen und anderen Stücke entwickelten beim Test der zehn Sonderhefte den größten – und längsten – Lesespaß, der die 5,50 Euro absolut wert ist. 9 von 10 Punkten.

Gesamtwertung: 69 von 100 Punkten

Fazit:
Welches Sonderheft sollte man sich nun kaufen? Auf jeden Fall den Klassiker kicker. Als Ergänzung für den Abend oder das Wochenende das Leseheft 11 Freunde. Und für den Teenie-Sohn vielleicht tatsächlich Bravo Sport. Wer den kicker – aus welchen Gründen auch immer – nicht mag, kann getrost auch zur Sport Bild greifen – oder wegen der netten, kleinen Ideen zum Newcomer TV Movie.

Die Abschlusstabelle:
01. kicker / 89 Punkte
02. Sport Bild / 83 Punkte
03. 11 Freunde / 69 Punkte
04. TV Movie / 65 Punkte
05. Sport1 / 63 Punkte
06. Bravo Sport / 53 Punkte
07. Anpfiff / 37 Punkte
08. Fußball Live / 31 Punkte
09. Bundesliga Spezial / 23 Punkte
10. New Sport / 22 Punkte

Schlussanmerkung: Anfang September erscheint außerdem noch das Saisonheft der beliebten Netz-Plattform Transfermarkt.de. Dank des späten Erscheinungstermins sind alle Transfers des Sommers in dem Heft enthalten, außerdem glänzt es wie in den Vorjahren sicher auch wieder mit umfangreichen Statistiken, sowie allen kompletten Kadern bis in die fünf Regionalligen hinein. Natürlich inklusive der Transfermarkt.de-Marktwerte. Hardcore-Fußballfans mit Hang zum Infojunkie sollten hier auch noch einmal zugreifen.

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