Social-Media-Phrasen, die uns alle nerven

Social-Media-Dienste wie Twitter, Facebook, Google+ und Foren sind voll mit Debatten und Infos aber auch Streitereien und Animositäten. Und weil an den Tastaturen und vor den Bildschirmen auch im Social-Web nur Menschen sitzen, hat sich längst eine eigene Sprachkultur herausgebildet inklusive der üblichen Phrasen. MEEDIA hat einige der nervigsten Social-Media-Phrasen subjektiv und nicht ganz ernst gemeint aufgespießt. Wohl wissend, dass wir die eine oder andere davon auch selbst gerne benutzen ...

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“wegduck”
Auch verbreitet in der Variante “undwegduck”, gerne auch mit dem Hashtag-Zeichen davor. Nutzer verwenden diese Social-Media-Prase, wenn sie meinen, zuvor etwas besonders brisantes, kritisches und/oder polarisierendes gesagt zu haben. In der Erwartung eines nun sicher folgenden “Shitstorms” wird sich vorsorglich virtuell “weggeduckt”. Die Phrase dient dazu, zu dokumentieren, wie furchtbar rebellisch und anti-mainstreamig man mal wieder gegen den Strich gebürstet argumentiert. Oft bleibt der Shitstorm dann aber aus und der Wegducker kommt schnell wieder aus seiner Deckung hervor.

“kopfschüttel”
Das virtuelle Kopfschütteln ist eine der unangenehmsten Social-Media-Phrasen. Zeitgenossen verwenden diesen Ausdruck gerne, wenn sie andere Äußerungen als besonders doof und naiv abqualifizieren wollen. Da schwingt immer auch ein bisschen der erhobene Zeigefinger mit. Wer über andere virtuell derart den Kopf schüttelt, der hat früher in der Schule wahrscheinlich auch Aktenkoffern getragen und wurde in der Pause ordentlich verkloppt.

“LOL”
Gibt’s das denn noch? Ja, leider. “LOL” – die Abkürzung für “Laughing Out Loud”, also lautes Loslachen – ist einfach nicht totzukriegen. Dabei war diese Chat-Abkürzung schon immer so ein bisschen daneben. Kein Mensch würde in Wirklichkeit über Dinge “laut loslachen”, für die in der Social-Media-Sphäre die Phrase “LOL” inflationär verwendet wird. Da hätte man ja längst einen Kiefer-Krampf, bzw. wäre in stationärer Behandlung wegen öffentlich zur Schau getragenen Irrsinns. Besonders schlimm: Allzu oft ertappt man sich selbst dabei, wie man “LOL” tippt. Die Macht des “LOL” –  sie ist ungebrochen.

“fail” und “doppelfail”
Gerne auch mit Hashtag genommen sind “fail” und das verschärfte “doppelfail” genau wie “LOL” Klassiker der Social-Media-Phrasologie. Das englische Wort für “scheitern” oder “fehlschlagen” wird verwendet, wenn man eine Aktion oder Meinungsäußerung eines anderen Nutzers, einer Person oder einer Institution nicht gutheißt, bzw. für besonders misslungen hält. Weiter verbreitet als das virtuelle “Kopfschütteln” aber auch nicht unbedingt sympathischer.

“Facepalm”
Der Begriff “Facepalm” ist die Social-Media-Phrasen-Version des Wortes “Fremdschämen”. Man schämt sich öffentlich für eine Äußerung oder Aktion einer dritten Person oder Einrichtung. “Facepalm” bedeutet im Wortsinne, dass man sein Gesicht (“Face”) vor Scham mit der Handfläche (“Palm”) bedeckt. Also die Hände vors Gesicht schlägt, würde man auf Deutsch sagen. Angeblich hat die Phrase ihren Ursprung in einer entsprechenden Geste von Raumschiff-Enterprise-Kapitän Jean-Luc Picard, der sich in einer Folge von “Star Trek: The Next Generation” besonders dekorativ die Hand vors Gesicht schlug.

“XD”
Diese Abkürzung ist der hippere, jüngere Verwandte von “LOL”. Das “X” soll geschlossene Augen ausdrücken und das “D” einen lachenden Mund. Wer etwas auf sich hält in der Social-Media-Welt, wird heute eher “XD” nutzen statt “LOL”. Manchmal rutscht einem das vermaledeite “LOL” dann aber doch wieder raus. Siehe oben.

“I’m at xy”
Der Social-Dienst 4square lässt Nutzer sich an bestimmten Plätzen, wie der Arbeitsstätte, dem Lieblings-Restaurant oder dem Sportplatz, “einloggen” und tutet diese Ortswechsel dann via Social-Media automatisiert in die weite WW-Welt hinaus. So erfährt man zwar stets, wo sich die geliebten Twitter- und sonstigen -”Freunde” so aufhalten, was oftmals aber erstaunlich ernüchternd ist. Spätestens wenn der ansonsten wenig mitteilsame Twitterer sich eine Woche hintereinander ausschließlich in seinem Büro einloggt und sonst nix zu sagen hat, wird es öde.

“Lesebefehl!”
Leider auch noch immer nicht ausgestorben ist der “Lesebefehl!”. Schön, wenn jemand einen Tipp für ein lesenswertes Stück im Netz weiterreicht. Aber warum, muss man dafür gleich Befehle bellen? Und auch noch mit Ausrufezeichen. Der “Lesebefehl!” soll wohl die Dringlichkeit und Welten umstürzende Notwendigkeit klarmachen, diesen einen Artikel jetzt sofort zu lesen, weil er sonst ja doch wieder untergeht im großen Grundrauschen. Das ist verständlich. Befehle zu erteilen ist trotzdem nicht nett. Den “Lesebefehl!” gibt es auch ohne den “Befehl” in der Abart “Lesen!”, was die Sache aber nur um eine Nuance freundlicher macht.

“Popcorn!”
Wenn zwei sich streiten, freuen sich die anderen. Wenn es in Foren, bei Twitter oder Facebook hoch hergeht, dann dauert es nicht lange, bis einer “Popcorn!” ruft. Will heißen, der “Popcorn!”-Rufer lehnt sich wie im Kinosessel gemütlich zurück, knabbert sein virtuelles Popcorn und genießt den öffentlichen Schlagabtausch zwischen zwei Social-Media-Streithähnen. Besonders gerne spät am Abend. Auch dabei schwingt mit, dass man sich selbst so ein bisschen für was besseres hält und es ja nicht nötig hat, sich wegen solcher Kinkerlitzchen aufzuregen. So ein bisschen steckt der virtuelle Gaffer im “Popcorn!”-Rufer. Man selbst würde das ja niemals, nie tun. Bis der nächste Trottel “kopfschüttel” tippt und einem selbst der Kragen platzt … XD

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