Magazinvolos: Das fordern und bieten Verlage

In den ersten beiden Checks stellte MEEDIA die Volontariatsangebote einiger Tageszeitungen und TV-Sender vor. Im dritten Teil der Serie dreht sich alles um Volontariatsstellen bei Print-Magazinen. Hier wird deutlich: Nur wenige Magazine bilden in ihren Redaktionen eigene Volontäre aus. Wer trotzdem von Focus, Stern, Spiegel und Co. ausgebildet werden will, muss sich an den hauseigenen Journalistenschulen bewerben. So oder so: Die Anforderungen an die Bewerber sind hoch.

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Beim Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr hat MEEDIA nach den Voraussetzungen für Volontariatssstellen bei stern und Geo gefragt. Wer aber am Baumwall anheuern will, findet den Weg nicht über ein Redaktions-Volo, sondern nur über Deutschlands vermutlich bekannteste Journalistenschule.
Ausbildung: Der Weg zum Journalisten führt über die Ausbildung an der von mehreren Verlagen finanzierten Henri-Nannen-Schule. Während des Lehrgangs werden die Schüler der "Praxis des Qualitätsjournalismus" unterwiesen. Die Ausbildung an der Nannen-Schule findet bi-medial für Print- und digitale Medien statt.
Stellen: Die Elite-Akademie bildet alle 18 Monate exakt 20 angehende Journalisten aus. Der nächste Jahrgang startet im Januar 2015. Das Bewerbungsverfahren endet am 21. April 2014.
Voraussetzungen: Anders als bei den meisten Redaktionsvolontariaten, setzt die Henri-Nannen-Schule kein abgeschlossenes Studium voraus. Bewerber sollten aber mindestens die allgemeine Hochschulreife erlangt haben. Zusätzlich wird nach Alter selektiert. Schüler dürfen zu Ausbildungsbeginn nicht älter als 29 Jahre, und nicht jünger als 19 Jahre sein. Außerdem werden mindestens drei redaktionelle Praktika vorausgesetzt. Zudem müssen Bewerber die deutsche Sprache in Wort und Schrift beherrschen, was bereits vor den Eignungstest unter Beweis gestellt werden muss. Wer den Titel des Nannen-Absolventen erlangen will, muss bereits vor Einladung eine Reportage sowie einen Kommentar anfertigen. Die Themen dafür sind aus jeweils fünf vorgegebenen Themen auszuwählen. Nur die besten 80 Schreiber werden zum zweitätigen Eignungstest nach Hamburg eingeladen, beim dem sich der Bewerber in Sachen Allgemeinwissen, Recherchieren und Schreiben unter Konkurrenzdruck und in Stilsicherheit unter Beweis stellen muss. In einem abschließenden Gespräch beurteilt ein Dutzend Redakteure verschiedener Medienhäuser die Fähigkeit des Schülers, "unverklemmt vernünftige Dinge zu sagen." Besondere Bewerber sollten zudem "eine spürbare Leidenschaft" für den Journalismus mitbringen, was sich auch im Lebenslauf wiederspiegeln sollte. "Zudem sollten Bewerber sich begeistern für all die neuen Erzähl- und Recherche-Möglichkeiten der digitalen Medien."
Versprechen: Ihren Bewerbern verspricht die Schule eine "klare Ausrichtung auf die journalistische Praxis" sowie Dozenten, die mehrheitlich als festangestellte Redakteure unterschiedlicher Medienhäuser arbeiten. Neben systematischem Unterricht und multimedialem Training, werden die Schüler auch in die besten Redaktionen des Landes entsendet. Die Ausbildung gliedert sich in fünf Seminarblöcke und vier Praktika, die u.a. bei allen Titeln von Gruner + Jahr, der Zeit, dem Spiegel, bei Nachrichtenagenturen und Sendeanstalten absolviert werden können.
Verdienst und Zukunft: Die Schulausbildung ist für die angehenden Journalisten kostenlos. Die Schule zahlt den Schülern eine Lehrgangsbeihilfe von 761 Euro brutto im Monat. Als Absolventen haben sie keine Garantie auf Übernahme bei einem der Finanziers der Henri-Nannen-Schule. "Viele Absolventen arbeiten nach Schulabschluss zunächst als Freie, häufig schließen sie sich zu Journalisten-Agenturen zusammen", so Gruner + Jahr. "Der Anteil jener, die sogleich bei einem Print- oder elektronischen Medium eine Festanstellung eingehen, schwankt zwischen 30 bis 60 Prozent eines Lehrgangs."
Das legt Gruner + Jahr seinen Bewerbern ans Herz: –
Die Henri-Nannen-Schule wird neben Gruner + Jahr auch vom  Zeit Verlag und dem Spiegel Verlag finanziert. Für dortige Volontariatsstellen gelten dieselben Umstände und Voraussetzungen.

Auch wer beim Nachrichten-magazin Focus oder anderen Burda-Blättern lernen will, muss den schulischen Weg der Ausbildung wählen.
Ausbildung: Zwei Jahre lang bildet die Burda Journalistenschule angehende Journalisten auf dualem Wege, crossmedial und "zukunftssicher" für das eigene Haus aus.
Stellen: Jedes Jahr zum 1. Oktober starten 25, bis maximal 32 Burda-Schüler in München. Bewerben sollte man sich bis spätestens zu Beginn des Aufnahmeverfahrens eines jeden Jahres. Für 2014 läuft die Bewerbungsfrist bis Anfang Juni.
Voraussetzungen: Schulische Mindestvoraussetzungen sind das Abitur, ein abgeschlossenes Hochschulstudium oder eine Berufsausbildung. Sowie ein vierwöchiges Praktikum in einer lokalen Tageszeitungs- oder Online-Redaktion. Zusätzlich müssen Bewerber bereits für sechs Wochen in einer Redaktion von Hubert Burda Media hospitiert haben. Des Weiteren interessiert das Gremium in München der Lebenslauf eines Bewerbers auf maximal zwei Seiten, zusätzlich ausformuliert auf einer Seite (als Bewerbungsschreiben). Besondere Bewerber stechen besonders durch ihre Kreativität und dem Talent für ganzheitliches, journalistisches Denken aus der Masse hervor, so der Verlag.
Versprechen: Die Burda Journalistenschule habe die "besten Dozenten des Landes" verpflichtet und verspricht ein "einzigartiges" Abschlussprojekt. Am Ende ihrer Ausbildung kreieren die Volontäre eine eigene Medienmarke, "deren Kern ein Magazin ist, das sie vom Reißbrett bis zur Marktreife entwickeln." Das fertige Produkt gehört dann zum Portfolio des Verlags und auch in den Handel gebracht.
Verdienst und Zukunft:
Die Ausbildung wird mit 1700 Euro brutto vergütet. Nach eigenen Angaben werden 70 bis 80 Prozent der Schüler in den Burda Verlag übernommen.
Das legt Hubert Burda Media seinen Bewerbern ans Herz: "Seien Sie offen und authentisch!"
11 Freunde ist die Anlaufstelle für guten Sportjournalismus. Obwohl das Magazin zum Portfolio von Gruner + Jahr gehört, bildet die Redaktion auch selbst aus.
Ausbildung: Die Auswahl der Volontärinnen und Volontäre erfolgt durch die eigene Redaktion und findet über 24 Monate auch dort statt. Da die 11Freunde-Redaktion ein kleines Team aus ambitionierten Sportjournalisten ist, übernehmen Volontäre beim Sportmagazin sehr schnell Verantwortung. Externe Praktikumsstationen sind in der Regel nicht vorgesehen. "Bei großen Turnieren kooperieren wir mit dem Tagesspiegel, so dass Volontäre manchmal drei Wochen auch in diesen Redaktionen reinschnuppern können." Von der an Gruner + Jahr angelehnten Henri Nannen Journalistenschule können Volontäre in Ausnahmefällen profitieren. "Wir haben unseren Volontär in diesem Jahr einmal zu einem einmonatigen Kurs dort hingeschickt."
Stellen: In den meisten Fällen schreibt 11Freunde ein bis zwei Volontariatsstellen aus. Die Ausschreibung erfolgt nach Bedarf, einen festen Startzeitpunkt gibt es nicht. Von einer Initiativbewerbung rät die Redaktion deshalb ab. Eher bietet sich ein Blick auf die Stellenausschreibungen an.
Voraussetzung: Um als Volontär bei 11Freunde anheuern zu können, empfiehlt sich ein voriges Redaktionspraktikum. In den meisten Fällen sei dies der erste Schritt zum Angebot, so die Redaktion. Pflicht sind bereits journalistische Vorkenntnisse, die Leidenschaft für den Fußball, ausreichend Humor "und vor allem Lust darauf, in einem jungen Team voll eingespannt zu werden." Als Volontär bei 11Freunde empfiehlt sich vor allem Eigeninitative, denn…
Versprechen: … "man kann bei uns sehr schnell, sehr viel machen." Kaum eine Redaktion nehme ihre eigenen Leute so in die Pflicht, schnell mit wichtigen Leuten der Branche in Kontakt zu treten. Des Weiteren sei 11Freunde ein beliebtes und rennomiertes Medium. "Wir finden unser Produkt selbst sehr gut. Jeder geht hier gerne zur Arbeit."
Verdienst und Zukunft:
Volontärinnen und Volontäre werden monatlich mit rund 1.250 Euro brutto vergütet. Ebenfalls ordentlich scheinen die Übernahmemöglichkeiten. Nach Schätzungen der Redaktion seien bisher 90 Prozent der Auszubildenen übernommen worden.
Das legt 11Freunde seinen Bewerbern ans Herz: "Beginnen Sie Ihre Bewerbung auf keinen Fall mit ‚ich bin Ihr zwölfter Freund‘ oder ‚ich bin Ihr Auswechselspieler‘. Das ist zwar kreativ, schreibt aber jeder zweite Bewerber." Wichtig ist auch: "Bei uns bekommt eigentlich jeder eine Chance. Der Lebenslauf kann noch so lang sein – die Chemie muss stimmen."
Die Verlagsgruppe Handelsblatt bietet die Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten an.
Ausbildung: Wer von Beginn an weiß, dass Wirtschafts- oder Finanzjournalismus sein Fachgebiet werden soll, sollte sich die Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten genauer ansehen. Die Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten geht über 18 Monate, aufgteilt in einzelne Unterrichtseinheiten als Grundausbildung und eine halbjährige Spezialisierung. Insgesamt werden die Journalisten sechs Monate in den hauseigenen Redaktionen der Wirtschaftswoche (aber auch in der Redaktion der Tageszeitung Handelsblatt) verbringen. Eine externe Praktikumsphase erstreckt sich über drei Monate. Anschließend folgen drei Monate im Ressort, das die Volontäre übernehmen wird.
Stellen: Im Jahr rekrutiert die Verlagsgruppe über ihre Journalistenschule nur acht bis zehn Volontäre. Ausbildungsstart ist alle 1,5 Jahre, immer zum 1. Juli oder zum 1. Januar eines Jahres. Die Bewerbungsfrist für das Jahr 2014 ist bereits abgelaufen. Die nächste Bewerberrunde startet vorraussichtlich im November nächsten Jahres.
Vorraussetzungen:
Um sich für die Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten zu qualifizieren, setzt die Journalistenschule ein abgeschlossenes Studium – etwa in den Fächtern Wirtschaft, Finanzen, Politik, Jura, Naturwissenschaften oder Sprachen – voraus. Ebenfalls wird ein ausgeprägtes Interesse an Wirtschaftsthemen erwartet. Die Anmeldung erfolgt über ein eigenes Internet-Tool. Ebenfalls Grundvoraussetzungen sind, neben journalistischer Begabung, relevante Praktika, zwei bis drei Arbeitsproben sowie gute Englischkenntnisse. Wer besonderes Interesse wecken will, sollte durch "unstillbare Neugier", den Drang, Dingen auf den Grund gehen zu wollen sowie Kreativität, Selbstbewusstsein und Aufgeschlossenheit für neue journalistische Medien und Formate auffallen.
Versprechen:
Die Journalistenschule bietet neben der Ausbildung in eigenen Redaktionen auch einen Einsätze in externen Redaktionen an. Schüler bekommen so die Gelegenheit über den Tellerrand hinausblicken zu können. Die Einsätze in den Redaktionen der Wirtschaftswoche und des Handelsblatt garantieren eine praxisorientierte Ausbildung im Bereich des Wirtschaftsjournalismus.
Verdienst und Zukunft: Das Brutto-Gehalt der Volontärinnen und Volontäre beträgt über alle 18 Monate hinweg 1.300 Euro monatlich. Die Übernahmequote nach Abschluss der Ausbildung liegt nach Verlagsangaben zwischen 90 und 100 Prozent.
Das legt die Verlagsgruppe Handelsblatt ihren Bewerbern ans Herz: "Sie sollten vorher einige Male in das Handelsblatt und die Wirtschaftswoche und deren Online-Angebote sowie andere wirtschaftspublizistische Zeitschriften schauen, damit Sie wissen, was inhaltlich auf Sie zukommt. Besser noch: Praktikum oder freie Mitarbeit in Redaktionen.
Wer sich als angehender Journalist zukünftig vor allem im People- oder Lifestyle-Journalismus sieht, dem bietet das Portfolio der Bauer Media Group eine große Auswahl an Medien. 
Ausbildung: Erst im Jahr 2011 hat sich die Bauer Media Group dazu entschlossen, ihre journalistische Ausbildung in eine hauseigene Journalistenschule auszulagern. Im Juli desselben Jahres startete der erste Jahrgang im Bereich Text. Seit 2012 bietet die Bauer Media Academy auch Ausbildungen in den Bereichen Foto und Layout an. Über 24 Monate hinweg erhalten die Schüler vier Monate theoretischen Unterricht, absolvieren zwei Mal über sechs Monate Einsätze in ihren künftigen Stammredaktionen sowie Hospitanzen in vier weiteren Redaktionen (bei zwei Zeitschriften, einer Online-Redaktion sowie bei einer Tageszeitung).
Stellen: Jedes Jahr rekrutiert die Bauer Media Academy zwischen 20 und 30 Schüler, die für den hauseigenen Nachwuchs ausgebildet werden. Der nächste Einstellungstermin ist der 1. Juli 2014.
Voraussetzungen: Die Grundvoraussetzung für eine Stelle bei der Academy ist das Abitur. Ein Studienabschluss wird nicht zwingend vorausgesetzt. Umso wichtiger ist es aber, dass sich Bewerber ausreichend durch journalistische Kenntnisse qualifizieren, ein redaktionelles Praktikum bei einem Bauer-Titel wird gerne gesehen. Ebenso setzen die Verantwortlichen auf Neugier und die nötige Hartnäckigkeit für den Beruf, eine "gute Schreibe", Fleiß und eine gute Allgemeinbildung. Besondere Bewerber zeichnen sich zusätzlich durch Selbstbewusstsein, Belastbarkeit und Teamfähigkeit aus. "Kurz gesagt: Wir suchen Persönlichkeiten mit Talent! Ein Gefühl für Sprache und Dramaturgie eines Textes, der Blick für das richtige Foto oder das zwingende Layout muss natürlich erkennbar sein", erklärt Seminarleiter Dirk Simon. Diese Fähigkeiten seien wichtiger als formale Abschlüsse, Noten oder Zeugnisse. 
Versprechen: Das Motto der Bauer Media Group "We think popular" verdeutliche das Selbstverständnis der Bauer Media Group als "Haus populärer Medien". Schüler könnten von der "Tradition der Ausbildung" bei Bauer profitieren. Des Weiteren biete die Bauer Media Group neben Einsätzen im Hamburger Hauptsitz auch Möglichkeiten in München oder Köln zu arbeiten. Leitgedanke der Ausbildung: "Aus der Praxis für die Praxis." Der Verlag verspricht eine "Talentschmiede", das von einem Kuratorium "aus fünf erfolgreichen Praktikern" geführt wird. 
Verdienst und Zukunft: Die angehenden Journalisten der Bauer Media Academy werden monatlich mit 1000 Euro brutto vergütet. Die Schüler bekommen nach der Ausbildung die Chance auf einen 2-Jahres-Vertrag. Im ersten Jahrgang lag die Übernahmequote in den Redaktionen den eigenen Angaben zufolge bei 70 Prozent.
Das legt die Bauer Media Group ihren Bewerbern ans Herz: "Bei uns haben Sie die Chance, für starke Bauer-Marken und für Millionen Menschen weltweit unterhaltende und emotionale Inhalte zu machen – für Zeitschriften und digitale Medien. Sie erhalten eine genreübergreifende Ausbildung in allen Sparten der Publikumszeitschriften."

In ersten Teil des Volo-Checks hat MEEDIA bereits Volontariatsstellen bei Tageszeitungen (und dem Axel Springer Verlag) aufgelistet und (in einem zweiten Teil) auch schon Volontariatsstellen bei TV-Sendern vorgestellt.
Einen Überblick über weitere schulische Journalistenausbildungen finden Sie hier.
MEEDIA gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt

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