Heise Online entwickelt Bezahlmodell

Publishing Heise Online, eine der reichweitenstärksten Newsseiten im Netz mit Fokus auf IT-Themen, bekommt bis zum zweiten Quartal 2014 ein Bezahlsystem. Dies kündigte Heise-Geschäftsführer Alfons Schräder im Gespräch mit MEEDIA an. "Die derzeit kostenlos verfügbaren Inhalte sollen möglichst frei bleiben", sagt Schräder. "Es geht darum, Inhalte in das Angebot einzuführen, die es nur gegen Bezahlung geben wird." Um hochwertigen Journalismus zu erhalten, gebe es keinen anderen Weg als den über Bezahlmodelle.

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Heise Online, das Web-Angebot des Heise Verlags, kam im Juni auf rund 24 Millionen Visits (IVW) und hat laut Agof-Messung 4,4 Millionen Unique Visitors. Auf der Seite haben zahlreiche Magazine der Hannoveraner ihre digitale Heimstatt, darunter c’t, Technology Review, Mac & i, aber auch das Online-Magazin Telepolis, das sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf Politik, Kultur und Gesellschaft beschäftigt.
"Wir haben unsere Print-Inhalte bisher fast gar nicht kostenlos im Netz verbreitet", sagt Schräder. "Darin unterscheiden wir uns stark von anderen Verlagen." Die Strategie, Inhalte von gedruckten Zeitungen und Zeitschriften im Web frei zur Verfügung zu stellen, um die Reichweite zu steigern und entsprechend Werbeerlöse zu erzielen, hat sich für viele Verlage im Nachhinein als nicht wirtschaftlich tragfähig erwiesen. Und auch Webseiten, die nicht auf Printinhalte zurückgreifen, aber zusätzliche Inhalte frei zur Verfügung stellen, stehen heute vor Problemen, wenn Nutzer annehmen, bei dem Web-Auftritt handele es sich um die Gratisversion der Printangebote.
Eine "massive Trafficbremse" wolle man mit dem Bezahlmodell nicht auslösen, sagt Geschäftsführer Schräder. Darum soll das bisherige Angebot, das frei im Netz verfügbar ist, auch nicht reduziert werden. Bezahlt werden sollen, so sieht es zumindest die erste Planung vor, Heftinhalte sowie zusätzliche, eigens produzierte Beiträge, die kostenpflichtig sind. Bei der Bild-Zeitung, die erst kürzlich ein Bezahlsystem einführte, würde das wohl "Plus-Inhalt" heißen.
Schräder, der seine Karriere einst als Redakteur eines PC-Titels begann, setzt trotz der Schwierigkeiten, die vor allem PC-Print-Magazine derzeit haben, auf den Ausbau des Portfolios. In den vergangenen Jahren brachte der Verlag u.a. Mac & i sowie die c’t-Ableger Hardware Hacks und Digitale Fotografie an den Kiosk. Schräder: "In diesen Heften sind sehr viele Informationen, die man im Web gar nicht findet. Wir glauben an Print. Aber es gibt auch einen Zukunftsmarkt, und der liegt im Web."
Zwei Risikofaktoren für ein funktionierendes Vermarktungsmodell im Web sieht Schräder – was eine Forcierung von alternativen Erlösquellen um so dringlicher macht. Zum einen Adblocker (das Thema bewegte zuletzt auch andere Newsportale), zum anderen Mobile. Zwar sei Mobile als Kanal zunehmend wichtig und "vor allem eine Chance". Aber mobile Angebote seien eben auch "äußerst schwer zu vermarkten".
Heise Online arbeite profitabel, sagte Schräder gegenüber MEEDIA. Rund 70 Mitarbeiter arbeiten für die digitalen Angebote des Verlags. Doch offensichtlich refinanzieren sich unterschiedliche Angebote im Verbund unterschiedlich gut. "Bei Web-Angeboten wie Telepolis ist es schwierig, klassische Werbekunden zu finden", sagt Schräder. "Telepolis ist so ein Luxus, den wir uns leisten und den Lesern gönnen, den wir aber nicht refinanzieren können." Würde sich dort beispielsweise ein freiwilliges Bezahlmodell wie das der taz anbieten? Eher nicht, sagt Schräder, die "Variante Klingelbeutel" gefalle ihm weniger gut.
An den Verkauf von Inhalten habe Heise zunächst keine konkreten Umsatzziele oder –erwartungen geknüpft. Wie eine stattliche Zahl anderer Verlage auch führt für die Hannoveraner aber nun kein Weg daran vorbei, es mal mit einem Bezahlmodell zu versuchen und Erfahrungen zu sammeln, wer warum für was Geld auszugeben bereit ist. "Online-Angebote nur über Werbung zu finanzieren würde bedeuten, den Weg der Privatsender einzuschlagen, und damit den Pfad des Qualitätsjournalismus zu verlassen", findet Schräder.    

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