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Thomas Middelhoff: der relaunchte Manager

Er kann nicht (mehr) so recht mit den Medien, er kann aber offenbar auch nicht ohne sie: Thomas Middelhoff steht nach eigener Aussage nicht nur kurz vor der Rückkehr in die Branche – er soll Chef eines "internationalen Medienkonzerns" werden. In der Süddeutschen Zeitung bereitet er zugleich seinen Image-Relaunch vor. Der Ruf des ehemaligen Bertelsmann-Chefs hatte nach der Pleite von KarstadtQuelle – mit der er allerdings nichts zu tun haben will – erheblich gelitten.

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Das Interview, bei dem gleich drei Süddeutsche-Journalisten im Einsatz waren, ist vieles zugleich: Medienschelte, Kampfansage, Rechtfertigung, Selbstkritik, Eigenlob. Middelhoff war ein Star der Medienbranche, als Bertelsmann-Chef spülte er mit dem Verkauf von AOL-Aktien Milliarden in die Kasse des Gütersloher Unternehmens. Nach seinem abrupten Abschied ("Ich bin nicht gefeuert worden") war er zunächst für einen Finanzinvestor tätig ("Ich hatte damals nicht ohne Grund eines der höchsten Einkommen in Europa") und heuerte dann bei KarstadtQuelle an ("Ich ließ mich in die Pflicht nehmen").
Middelhoff hatte schon in früheren Gesprächen mit Medien gesagt, mit ihm wäre KarstadtQuelle, das er in Arcandor umtaufen ließ, nicht in die Insolvenz gegangen. Dennoch haftet der Vorwurf an Middelhoff, den Untergang mit verantwortet zu haben. In dem SZ-Interview betont Middelhoff nun noch einmal, er trage an der Pleite keine Schuld. Ebenso geht der Ostwestfale in den juristischen Auseinandersetzungen, u.a. gegen den Immobilienmanager Josef Esch, in die mediale Offensive. So sagt Middelhoff: "Mich jagt man nicht vom Hof mit Anschuldigungen, die haltlos sind". Und: "An alle meine Gegner: Ich laufe nicht weg!"
Aufschlussreich ist das ganzseitige Interview nicht, weil Middelhoff die Vorwürfe kontert, das war nicht anders zu erwarten. Aufschlussreich ist es vor allem, weil es vermutlich als Wiedereinstieg in die Medienbranche angelegt ist. Die Journalisten, u.a. Hans Leyendecker, können kritisch fragen, Middelhoff kann markig antworten. Dass ein Top-Manager vor Bekanntgabe seines neuen Jobs ("die Sache ist so gut wie unter Dach und Fach") ein großes Interview gibt, ist eine absolute Seltenheit – und zeugt auch von dem weiterhin großen Ego Middelhoffs.
Wobei eine solche Formulierung wiederum ein Beleg sein könnte für Middelhoffs Bild von den negativen Medien, die dem Mann offenbar ständig am Zeug flicken wollen. "Ja, vielleicht habe ich mich zu sehr in die Öffentlichkeit ziehen lassen und vielleicht hat mir das auch zu sehr gefallen", räsoniert der Manager. Und weiter: "Optimismus in schwierigen Zeiten scheint hierzulande per se suspekt zu sein. Vielleicht wirke ich aber auch zu locker. Der Spiegel hält allein ein Haus und ein 33-Meter-Boot in Frankreich für verdächtig."
Gleichzeitig hinderten ihn die "Breitseiten" der Medien und der Schaden, den seine Reputation "in der breiten Öffentlichkeit" genommen habe, "nicht im Geringsten bei meinen Jobs, null." Ein typischer Middelhoff gleich hinterher: "Schau’n Sie, ich war bei mehreren Wellen vorneweg." Internet, Digitalisierung, Private Equity. In privaten Finanzdingen war Middelhoff auch nach eigener Einschätzung jedoch nicht ganz auf der Höhe. "Bei mir ist es eine Persönlichkeitskomponente, dass ich sehr viel Vertrauen schenke und oft zu vertrauensvoll und leichtgläubig bin", sagt er zu seiner damaligen Entscheidung, sich von dem Vermögensverwalter Josef Esch beraten zu lassen, gegen den er nun vor Gericht prozessiert.
An Thomas Middelhoff, der für die Medien mal Midas, mal Paria war, werden sich die Wirtschaftsjournalisten nun bald wieder verstärkt abarbeiten können. Wenn es denn klappt mit dem neuen Job.   

Nachtrag: Die FT weiß schon alles über die neue Mission von Thomas Middelhoff.

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