Supersommer-Selfies erobern Instagram

Endlich ist mal wieder richtig Sommer! Ganz Deutschland verwandelte sich am Wochenende in eine 30-Grad-Sonnen-Zone: Keine Frage, dass diese paradiesischen Zustände für eifrige Smartphone-Nutzer die ultimative Steilvorlage zur Dokumentation des prallen Sommerlebens bot. Nirgendwo wird in diesen Tagen besser der Sommer gepostet als beim boomenden Foto-Netzwerk Instagram. Die Facebook-Tochter ist das Social Network der Saison - nicht nur für Selbstportaits.

Endlich ist mal wieder richtig Sommer! Ganz Deutschland verwandelte sich am Wochenende in eine 30-Grad-Sonnen-Zone: Keine Frage, dass diese paradiesischen Zustände für eifrige Smartphone-Nutzer die ultimative Steilvorlage zur Dokumentation des prallen Sommerlebens bot. Nirgendwo wird in diesen Tagen besser der Sommer gepostet als beim boomenden Foto-Netzwerk Instagram. Die Facebook-Tochter ist das Social Network der Saison.

Es ist wieder so weit: Nach dem unvermeidlichen Dauergemotze, das die Social Networks alljährlich im Mai und Juni überschwemmt ("Der kleine Oktober möchte aus dem Juni abgeholt werden"), sind wir endlich in der Gegenwelt angekommen. Endlich Sommer! Endlich 30 Grad! Endlich so nachhaltig heiß wie seit dem Superduper-WM-Sommermärchen nicht mehr.

Und natürlich müssen wir das die Welt wissen lassen, dass wir diesen Sommer im XXL-Format genießen – aber so was von! „Und alle so: Yeah!“ machen die  Twitterer. Doch Twitter ist irgendwie nicht die richtige Plattform für die ultimative Sommer-Botschaft. Es gibt etwas Hipperes. Etwas, das sich spätestens seit der Facebook-Übernahme zum Trend-Social Network entwickelt hat: die Foto-App Instagram.

Trend-App Instagram: die große Bühne der Eitelkeiten

Instagram ist längst das coolere Facebook. Wer vor 15 Monaten seine Zweifel an der Milliarden-Übernahme anmeldete, wurde binnen des vergangenen Jahres wieder und wieder eines Besseren belehrt – Instagram boomt derzeit wie kein anderes Netzwerk und versetzt Gründer Kevin Systrom längst zu erstaunlichen Zukunftsfantasien.   

Warum Instagram zur heißesten App des Mobilzeitalters geworden ist, wird einmal mehr an den Hitzetagen des Jahres klar: Wenn Twitter die Nachrichtenzentrale unter den Social Networks ist, dann ist Instagram die große Bühne der Eitelkeiten. Es geht ein bisschen zu wie bei Germany’s Next Top Model: Wir haben heute (k)ein Foto für Dich, lautet das Motto. Alles für diesen Augenblick – den dann aber mit Filtern maximal aufgepimpt, so dass die langweilige Momentaufnahme zum glamourösen Covershot wird.

Der Sommertag am Strand will schließlich festgehalten werden

Auf angenehme Weise hat Instagram die Facebook-Foto-Inflation abgelöst: Urlaubsalben werden weniger, der Trend geht zur gefilterten Instagram-Dokumentation des ganz besonderen Augenblicks. Welche Ausmaße das annehmen kann, erkenne ich schnell am Samstagnachmittag am Timmendorfer Strand: Mal wieder Ostsee, das erste Mal dieses Jahr, kann man ja mal festhalten, denke ich und zücke das iPhone.

Doch bevor ich die Riesenmöve vor den tollen Strandkörben fotografieren kann, bringen sich die Insassinnen des nächstgelegenen Strandkorbes in Stellung.  „Krasses Insta-Video“, prustete die kaum erwachsene Blondine hervor und verscheucht die Möve. Leicht gefrustet, ob des verpassten Augenblicks bringe ich mich dann eben selbst im Strandkorb in Pose. Der Sommertag am Strand will schließlich festgehalten werden.

Instagram: Die süße Illusion eines Lebens für die Postkarte

So wie der Viertelfinal-Freitag beim German Masters am Rotnenbaum: Tommy Haas und Roger Federer auf dem Centre Court – check! Wie gut, dass Instagram vor einem Monat das Video-Feature eingeführt hat: Genau für die Augenblicke wie diesen, denke ich bei mir, als der weltbeste Tennisspieler aller Zeiten zum Matchball aufschlägt. Doch Florian Mayer wehrt sich tapfer – und der entscheidende Vorhand-Winner von Federer ist in meinem 15-Sekunden-Clip nicht mehr drauf.

Auch mein fein säuberlich zurechtgelegter Matchball-Post ("Game, Set, Match – Federer!") erreicht meine überschaubaren 150-Instagram-Follower nicht  – er scheitert am grottenschlechten iPhone 5-Akku. So ist das mit den besonderen Augenblicken, die man der Öffentlichkeit gefiltert und aufpoliert präsentieren möchte:  Instagrammer erliegen oft genug der süßen Illusion eines Lebens für die Postkarte.   

InstaWeather: Den Super-Sonnen-Sonntag in Grad Celsius dokumentieren

Auch am nächsten Tag kann ich mich der unterschwelligen Posting-Pflicht kaum erwehren, schließlich hat die Quecksilbersäule die 30-Gradmarke geknackt. Es ist der Traum eines jeden Smartphone-Fotografen: Der Super-Sonnen-Sonntag bei 32 (in Worten: zweiundreißig!) Grad an der Elbe.  

Selbstverständlich muss das in dicken Ziffern notiert werden: InstaWeather heißt die iPhone-App für den fortgeschrittenen Pos(t)er, die die Temperatur automatisch in das Bild integriert. Stolz wie ich auf meinen Sonntagsschuss am Strand bin, klicke ich zurück in meinen Newsfeed und warte, bis die Likes eintrudeln. Es dauert. Zu wenig, zu spät.

Bikinizonen-Selfie: Der sichere 100-Like-Post

Stattdessen entdecke ich zehn Minuten zuvor in meinen Stream etwas, was ich irgendwoher schon mal gesehen habe: Eine sehr vorteilhafte Bikinizone, die mir durchaus bekannt vorkommt. Keine vier Meter vor mir liegt tatsächlich diese Instagrammerin. Ich vergleiche: Diese Bikinizone ist dieselbe! Privatzone war gestern. Und sie sammelt ein Like nach dem anderen ein. Während mein 32-Gradpost deutlich an der 10-Like-Hürde scheitert, knackt der Bikini-Selfie schnell die 100-Like-Marke.

Damit ist der eigentliche Sommer-Smartphone-Trend beim Namen genannt: Der wirklich topaktuelle Instagrammer feuert in diesen Tagen ein #selfie nach dem anderen ab – Social Media-Guru Brian Solis macht es wieder einmal vor und alle Follower folgen brav. Was eher nach autoerotischer Betätigung klingt, ist am Ende nichts weiter als ein Selbstporträt im Instagram-Zeitalter, 33 Millionen hecheln dem Sommer-Trend bereits hinterher. Und dabei wird es nicht bleiben: Es soll heute der wärmste Tag des Jahres werden…

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