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Royal Baby: Der ungeborene Medienstar

Das Baby von Prinz William und Herzogin Kate ist noch nicht einmal auf der Welt und schon sind dem royalen Nachwuchs zahlreiche Hashtags auf Twitter gewidmet, Redaktionen richten Live-Ticker ein, eine "Royal Baby"-App sorgt für regelmäßige Updates. Nicht zuletzt campen diverse Journalisten seit Tagen vor dem St. Mary´s Hospital, in dem der Thronfolger zur Welt kommen soll. Nicht nur die Engländer sind dem Baby-Hype verfallen - auch deutsche Medien sind heftig dabei.

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Seit das britische Königshaus die Schwangerschaft von Herzogin Kate bekannt gab, vergeht nicht ein Tag, an dem nicht über das Baby berichtet wird. Wo wird das Baby zur Welt kommen? Welche Songs hört Kate während der Entbindung? (Bruno Mars, Calvin Harris, Monsters and Men) Und natürlich darf auch die Frage nicht offen bleiben, was sich in der Krankenhaustasche der Herzogin befindet (Lavendelöl, Haribo). Das Thema wird in den Medien derart hochgepuscht, dass man selbst als nicht Royal-Baby-Fan in diesen Tagen ein wenig nervös wird.
Heute dann die Top-News unter den Babynachrichten: Kate Middleton wurde mit Wehen ins Krankenhaus gebracht! Damit die ganze Welt an dieser Geburt teilhaben kann, setzen Medien wie Focus, der Guardian oder die englische Boulevard-Zeitung The Sun auf Live-Ticker. Im Minutentakt werden die News rund ums Baby getickert – was ist egal, Hauptsache man hält die Meute bei Laune.
Die ersten Meldungen des Tages verlauteten dann, dass die Geburt "normal" voranschreitet. Gut für Kate, schlecht für die Medien. Da nämlich nach der Einlieferung nicht sonderlich viel passiert und so eine Geburt ja bekanntlich auch mal länger dauern kann, müssen die Live-Ticker mit Spekulationen gefüllt werden. So rätselte der Guardian beispielsweise, wer bei der Geburt vor Ort sein wird: Prinz William ist natürlich mit von der Partie, ebenso der Frauenarzt der Queen und ein weiteres Gynäkologen-Team. Ein Gynäkologe bei einer Geburt? Gibt’s ja nicht.
The Sun vermutet am Montag um 9:45 Uhr, dass der Vollmond für die Wehen verantwortlich sein könnte. Schließlich werden unter diesen Umständen öfter Geburten eingeleitet. Focus Online tickert um 9.41 Uhr, wie wundervoll sich der 22. Juli als Geburtstermin eignen würde. Am selben Tag im Jahr 1706 beschlossen Vertreter England und Schottlands nämlich die Gründung eines Königreichs von Großbritannien. Was für ein Zufall! Um 9.59 Uhr haut der Focus dann noch einen raus: Lady Diana hätte damals mit Prinz William 16 Stunden in den Wehen gelegen. Liebes Baby, bitte nimm dir daran kein Beispiel.
Auch auf Twitter ist mal wieder Verlass und so hat sich der Hashtag #RoyalBaby rasant an die Spitze der Trending Topics in dem Vereinigten Königreich verbreitet. Die Bild-Zeitung schickt eine Reporterin vor das Krankenhaus, um die deutschen Baby-Fans auf den aktuellen Stand zu bringen. Doch auch @MonBild weiß nicht so recht, was sie nun eigentlich zwitschern soll und so hält sich die Anzahl der Tweets ebenso wie deren Gehalt in Grenzen. Außer, dass die Queen bald nach Schottland fliegt und auch zwei deutsche Touristen vor dem Krankenhaus stehen, erfährt man hier erst mal wenig. Auch das Hello Magazin twitterte mehr oder weniger weltbewegende News: "Mayority think #royalbaby will be brown haired princess called Alexandra." Aha.
Unterdessen gibt es selbstverständlich mehrere Live-Streams vom Ort des Geschehens, an dem leider nicht viel geschieht. So zeigt der Guardian, wie Paparazzi und Polizisten vor dem Krankenhaus sitzen, abwarten und Tee trinken. Ab und zu geht auch mal ein Passant durch das Bild. Man kann sich vor Spannung kaum halten. Auch die Sun hat einen "Royal Baby Monitor" auf die Eingangstür des Krankenhauses gerichtet, um den Hype noch weiter anzuheizen. Zu sehen sind zwei Polizisten, die vor dem Krankenhaus stehen und sich wahrscheinlich auch sehnlichst die baldige Geburt herbeiwünschen. Ab und zu spaziert mal jemand durch die Eingangstür – die Polizisten sind auf Zack und rennen gleich hinterher.
Man kann die Aufregung eigentlich niemanden übel nehmen. Schließlich ist es das erste britische Royal-Baby, das in Zeiten von Social Media geboren wird. Hinzu kommt, dass ansonsten eben auch nicht viel Weltbewegendes passiert und sich deshalb auch deutsche Medien den Hype gerne zunutze machen. Dennoch: Mit der aktuellen Berichterstattung heizen sich die Journalisten bislang nur selbst auf. Und es lässt sich nur erahnen, was für eine Informationsflut auf uns zukommt, ist das blaublütige Baby erst einmal da. 

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