IVW: Großstadt-Tageszeitungen leiden

Die verkauften Auflagen der deutschen Regionalzeitungen sinken weiter. Wie die neuesten Quartalszahlen der IVW zeigen, büßten alle Titel mit mehr als 100.000 Verkäufen Auflage ein - niemand gewann ohne Sondereffekte. Besonders hart trifft es wieder die Zeitungen in einigen Großstädten. So gehören die meisten Titel in Berlin, in Hamburg, aber auch im Ruhrgebiet zu den größten Verlierern. Vergleichsweise glimpflich davon gekommen sind erneut die Tageszeitungen im Süden und Südwesten Deutschlands.

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Beginnen wir unsere Rundreise durch die Regionalzeitungsauflagen der Republik wie immer in Berlin – und damit in einem der größten Krisengebiete. Denn: Vier der fünf Titel büßten hier zwischen 6,2% und 9,9% ihrer Verkäufe ein – und das in nur einem Jahr. Vor allem für die beiden Boulevardzeitungen B.Z. und Berliner Kurier ging es kräftig nach unten – beide Titel verloren allein am Kiosk jeweils mehr als 10.000 Käufer. Glimpflich davon gekommen ist einzig die Berliner Morgenpost. Ohne die dort erstmals mitgezählten ePaper sähe es einen Tick schlechter aus.

In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen büßten die Zeitungen alle um die drei Prozent ein – am meisten die Märkische Oderzeitung, die Mitteldeutsche Zeitung, die Freie Presse und die Zeitungsgruppe Thüringen. Mit einem Minus von nur 1,6% schnitt einzig die Volksstimme besser ab. In Bremen verlor der Weser-Kurier 2,1%, für die beiden Hamburger Blätter Abendblatt und Morgenpost ging es hingegen um 4,0% bzw. 4,8% nach unten. Beim Abendblatt kamen über ePaper zudem viele neue sonstigen Verkäufe hinzu, bei den Abos und am Kiosk ging es hier noch deutlicher bergab.

Deutliche Verluste gibt es auch in Nordrhein-Westfalen – und hier inbesondere für die Zeitungen der WAZ-Mediengruppe, sowie für den Express in Köln. Beide büßten gegenüber dem Vorjahr mehr als 7% ihrer verkauften Auflage ein. Doch auch andere Metropolen-Blätter des Landes verloren recht deutlich: die Rheinische Post und die Zeitungsgruppe Köln (Stadt-Anzeiger) mehr als 3%, die Westdeutsche Zeitung und das Duo Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten 4% und mehr.

Zwei Titel, die offiziell Auflage gewonnen haben, taten dies ausschließlich wegen Sonder-Effekten. So werden zur Zeitungsgruppe Nordwest nun auch die 17.083 Verkäufe des Delmenhorster Kreisblatts gezählt, die Vermarktungseinheit RheinMainMedia enthält nun auch die Verkäufe der Frankfurter Rundschau, die nicht mehr einzeln ausgewiesen wird. Leicht zugelegt haben in der zweiten unserer drei Übersichten zudem die Zeitungsgruppe Münsterland und der Westfälische Anzeiger. Die Zeitungsgruppe Münsterland zählte erstmals die ePaper mit, beim Westfälischen Anzeiger wurden die sonstigen ePaper-Verkäufe gesteigert.

Die vergleichsweise geringsten Auflagenverluste gibt es wieder im Süden und Südwesten der Republik. So verloren die Top-Titel in Rheinland-Pfalz und Saarland maximal 1,8% und auch in Baden-Württemberg und Bayern gibt es nur zwei Titel mit einem Verlust von mehr als 3%. In Baden-Württemberg ist das das Duo Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten mit einem Minus von 4,0%. 0,6% gewonnen hat die Badische Zeitung – allerdings nur, weil man 2.900 neue sonstige ePaper-Verkäufe verzeichnete. Bei den Abos und im Einzelverlauf verlor auch die Badische Zeitung – wenn auch nur leicht.

In Bayern hielt sich das Duo Augsburger Allgemeine und Allgäuer Zeitung mit einem Rückgang von 0,5% recht gut, allerdings ebenfalls vor allem wegen zusätzlicher sonstiger ePaper-Verkäufe. Beachtlich sind die Zahlen der Münchner TZ, die nur 1,0% verlor – für eine Boulevardzeitung in den heutigen Zeiten ein tolles Ergebnis. Bei den Abos legte die tz sogar zu. Konkurrent Abendzeitung verlor zwar auf den ersten Blick mit 7,2% heftig, doch auf den zweiten Blick lag das vor allem an rund 6.000 abgebauten sonstigen Verkäufen. In den beiden wichtigen Auflagenkategorien Abos und Einzelverkauf ging es um 2,8% und 4,5% herab.

Die Analyse zu den Zahlen der überregionalen Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen, sowie zu den Publikumszeitschriften finden Sie an dieser Stelle.

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