Bravo und Neon große IVW-Verlierer

Hiobs-Botschaften für die Zeitschriftenverlage: Bei den IVW-Quartalsauflagen gibt es wieder enorm viele Verlierer und nur wenige Gewinner. Nur zehn der 50 meistverkauften, am Kiosk erhältlichen Titel konnten sich gegenüber dem Vorjahr verbessern, die anderen 40 verloren. Besonders bitter sieht es aber für zwei Titel aus, die nicht oder nicht mehr zur Top 50 gehören: Die Bravo verlor heftige 27%, das erfolgsverwöhnte Neon 16,9%. Gewinner des Quartals ist Closer, das unglaubliche 80,6% zulegte.

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Erneut veröffentlichte die IVW die Quartalszahlen an einem Freitag um 16 Uhr, erst im kommenden Jahr wird der Termin dann auf einen Montag wechseln. Zunächst zu den 50 großen Publikumszeitschriften, die am Kiosk erhältlich sind. Hier bleiben auf den ersten sieben Plätzen Programmies, dahinter folgt inzwischen bekanntermaßen die Landlust, die erneut die Mio.-Marke knackte. Sie gewann zudem – wenn auch nur noch leicht – gegenüber dem Vorjahr hinzu, etwas, das auf den ersten 25 Plätzen ansonsten nur noch der Bild der Frau, dem stern und nur TV gelang. Der stern landete deswegen in der Gewinnerzone, weil man die Bordexemplare um 35.000 Stück und die sonstigen Verkäufe um 22.000 Stück steigerte. Ohne diese Auflagenkosmetik läge auch Gruner + Jahrs Flaggschiff unter dem Vorjahr.

Deutliche prozentuale Verluste gab es auf den Rängen 1 bis 25 vor allem für die Computer Bild, TV Spielfilm, die Hörzu und Brigitte – um 6,4% bis 8,9% ging der Gesamtverkauf hier zurück.

Auf den Rängen 26 bis 50 folgen sechs weitere Gewinner, zwei davon legten besonders kräftig zu. So steigerte sich Meine Familie & ich um 11,9%, mein schönes Land sogar um 35,6%. Das Magazin stieg damit in die Top 50 ein – direkt auf Platz 41. Ebenfalls nach oben ging es ansonsten für Die Aktuelle, Mein schöner Garten, die Gala und TV für mich.

Auf der Verliererseite muss in dieser zweiten Hälfte der Top 50 vor allem Jolie genannt werden, das 16,2% des Verkaufs einbüßte, Lisa verlor 9,5%, Glamour 8,5% und die Fernsehwoche 6,9%.

Zwei große Verlierer finden sich im weiteren Verlauf des Rankings: Die Bravo belegt mit nur noch 224.722 Verkäufen Platz 63, verlor innerhalb von 12 Monaten weitere 82.937 Käufer – ein dramatisches Minus von 27,0%. Und auch Neon gehört diesmal ungewohnterweise zu den großen Absteigern: Mit einem Minus von 42.484 Käufern, bzw. 16,9% rutschte das Magazin auf 209.312 Gesamt-Verkäufe. Knapp über die 200.000er-Marke gesprungen sind die Aufsteiger Closer und Freizeit Express. Closer verbesserte sich um wahnsinnige 80,3% auf 202.473 Verkäufe, der Freizeit Express um 23,9% auf 202.192.

Auch nach absoluten Zahlen ist Closer der größte Gewinner unter den 100 meistverkauften Kiosk-Titeln. An das Plus von 90.384 Verkäufen kam nur noch mein schönes Land halbwegs heran, das sich um 80.364 steigerte. Auch die weiteren Plätze des Gewinner-Rankings gehen an Titel, die sich an eine weibliche Leserschaft richten: aktuell für die Frau, Meine Familie & ich und Freizeit Express. Dahinter folgt nur TV, Der Spiegel Geschichte, der 34% hinzu gewann und Diddls Käseblatt, das seine verkaufte Auflage mehr als verdoppelte. Auch EatSmarter! des ehemaligen MEEDIA-Verlegers Dirk Manthey gehört zu den größten Gewinnern.

Fast 90.000 Käufer verloren hat hingegen die Hörzu, die sich im Gesamtverkauf allmählich der Mio.-Marke nähert. Die Bravo folgt mit ihrem heftigen 27%-Minus auf Platz 2 der Verlierer-Liste, auch den Konkurrenten Popcorn und hey! gingen extrem viele Käufer abhanden – nämlich 38,8% bzw. 34,3%. Über 25% büßten hier zudem Computer Bild Spiele und com! ein.

Für einen Platz in der Top Ten der Neulinge reichen mittlerweile etwas mehr als 50.000 Verkäufe aus. Über die 100.000er-Marke kletterten nur vier Titel, darunter mit Loox einer, dem das nur mit Hilfe von fast 65.000 Lesezirkeln, Bordexemplaren und sonstigen Verkäufen gelang. Ehrlicher sind die sechsstelligen Auflagen von Revue der Woche, Meins und mein tv & Ich.

Der Blick auf die beiden wichtigsten IVW-Kategorien, den Einzelverkauf am Kiosk und die Abonnenten, offenbart, dass der stern ohne seine Bordexemplare und sonstigen Verkäufe 10,5% gegenüber dem Vorjahr verloren hat. Nur für die Computer Bild sieht es auf den ersten 25 Plätzen noch schlechter aus. Auch das Minus des Spiegels und der Buten sieht in dieser Statistik größer aus.

Auf den Rängen 26 bis 50 des Abo-und-Einzelverkaufs-Rankings folgen mit dem Focus und Reader’s Digest zwei weitere Titel, die mehr als 10% einbüßten, im Gesamtverkauf lag der Focus nur 1,7% unter dem Vorjahr. Die Erklärung auch hier: eine deutliche Steigerung der sonstigen Verkäufe (+13.000), der Bordexemplare (+10.000) und der Lesezirkel (+10.000). Die per Abo und Kiosk abgesetzten Hefte machen damit inzwischen nur noch 51,5% des Focus-Gesamtverkaufs aus.

Bei den überregionalen Tageszeitungen zeigt sich ein interessanter Trend: Fast durchweg bauen die Verlage die Teile der verkauften Auflage wieder ab, die in den vergangenen Jahren aus kosmetischen Gründen angehäuft wurden: Bordexemplare, sonstige Verkäufe & Co. So sehen die Verluste bei den Gesamtverkäufen diesmal dramatischer aus als die in den beiden wichtigen Kategorien Einzelverkauf und Abos.

Die Süddeutsche Zeitung verlor insgesamt beispielsweise 4,2%, bei der harten Auflage 3,7%, bei der F.A.Z. beträgt das Verhältnis -5,7% zu -2,8%, bei der Welt -10,1% zu -7,2% und das Handelsblatt, das insgesamt 9,7% einbüßte wird bei der harten Auflage sogar zum einzigen Gewinner unter den überregionalen Blättern – natürlich auch deswegen, weil es die Financial Times Deutschland nicht mehr gibt. Umgekehrt sieht es bei der taz aus, die bei den sonstigen Verkäufe zulegt. Die Bild verlor unterdessen in beiden Kategorien mehr als 8%. Die Frankfurter Rundschau wird nach ihrem Verkauf nun gar nicht mehr einzeln bei der IVW ausgewiesen, sondern nur noch als Teil von "RheinMainMedia".

Bei den großen Wochen- und Sonntagszeitungen heißt der einzige Gewinner wieder einmal Die Zeit: Um 0,7% – bei der harten Auflage 0,4% verbesserte sich das Blatt. Die Welt am Sonntag und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitungen verlieren hingegen leicht, die Bild am Sonntag wie der große Bruder Bild mehr als 8%.

Eine ausführliche Analyse der Regionalzeitungen lesen Sie am Montag bei MEEDIA.

MEEDIA gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt.

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