Tarifstreit: Verleger-Forderungen „skurril“

Das erste Treffen der Vertreter der Journalisten-Gewerkschaften (DJV/dju) mit den Zeitungsverlegern (BDZV) zu neuen Tarifgesprächen für Redakteure an Tageszeitungen ist ergebnislos zu Ende gegangen. Die Fronten zwischen den Parteien sind weiterhin verhärtet. Die Vertreter der dju sprechen von "unzumutbaren Forderungen der Verleger". Bisher hat sich keine der beiden Seiten bereit erklärt, einen Schritt auf die Gegenseite zuzumachen. Die Gespräche sollen am 23. August fortgesetzt werden.

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Die Deutsche Journalistenunion (dju) in der Gewerkschaft ver.di fordert nach dem ersten Verhandlungstag ihre Gegenseite dazu auf, konkrete Vorstellungen offenzulegen. "Die Verleger verweigern ein Angebot für Gehälter und Honorare. Sie fordern uns stattdessen auf, Vorschläge zu Verschlechterungen unserer eigenen Tarifverträge zu machen – das ist skurril!", sagt der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke. Die dju hat die Forderung nach 5,5 Prozent mehr Gehalt für Redakteure, Freie und Pauschalisten bei Tageszeitungen in die Verhandlungen eingebracht.
Die Verlegerseite will nach eigener Aussage einen flächendeckenden Tarifvertrag zwar weiterhin aufrechterhalten, allerdings das Modell ändern. So sollen Gehälter und Honorare beispielsweise der Wirtschaftskraft der entsprechenden Region angepasst werden. Zudem sollen Gehaltserhöhungen zukünftig nicht mehr nach Dienstjahren erfolgen, sondern nach anderen Faktoren, wie beispielsweise dem Fortbildungsstand eines Mitarbeiters oder aber nach erbrachten besonderen Leistungen, wie beispielsweise Exklusivinhalte oder Repräsentationsaufgaben, wie die Moderationen von Veranstaltungen. In einer Pressemitteilung unterstrich der BDVZ seine Position erneut.
Die Gewerkschafter aber kritisieren, es gäbe kein konkretes Modell. "Die Verleger lassen den nötigen Respekt gegenüber den angestellten und freien Kolleginnen und Kollegen in den Zeitungsredaktionen vermissen. Der BDZV macht keine Angebote und kann oder will nicht einmal präzise die eigenen Vorstellungen zu einem Tarifergebnis benennen. Damit behindern die Verleger den Verhandlungsverlauf", so die dju.
Zudem habe der BDZV "den Widerspruch zwischen Regionalisierung und Flächentarifvertrag" nicht auflösen können, kritisiert DJV-Verhandlungsführer Kajo Döhring. Auch der DJV werde von seiner Position nicht abrücken: "Wir bleiben dabei: sechs Prozent mehr für die Kolleginnen und Kollegen und Einbindung der Onliner in die Tarifverträge." Zur nächsten Verhandlung erwarte die Gewerkschaft, dass die Gegenseite konkrete Pläne vorlege. Ein Monat Vorbereitungszeit sollte dafür ausreichen.

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