Berliner Verlag verkauft Stadtmagazin Tip

Der Berliner Verlag verkauft das Stadtmagazin Tip an den Raufeld Verlag. Sämtliche Mitarbeiter sollen übernommen werden. Raufeld arbeitet seit vielen Jahren als Dienstleister für den Berliner Verlag und besorgt seit 2010 bereits Produktion und Layout des Stadtmagazins. Die Auflage des Tip geht besorgniserregend abwärts – und die Kosten sind für den Berliner Verlag offenbar nicht mehr darstellbar. Im vergangenen Jahr sollte noch ein "Zukunftsmodell" gefunden werden – das heißt jetzt Ausstieg.

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Im vergangenen Sommer hatte Michael Braun, Geschäftsführer beim Berliner Verlag, gegenüber MEEDIA gesagt: "Wir arbeiten an einem Zukunftsmodell, das sich auch den neuen und jüngeren Zielgruppen in der Hauptstadt annimmt. Der Tip ist eine starke bekannte Marke." Im Vordergrund sollte die Entwicklung von crossmedialen Angeboten stehen. Seither sank die verkaufte Auflage weiter um etwa zehn Prozent, auf aktuell 30.339 verkaufte Exemplare (IVW I/2013). Zwar stieg die Zahl der Abonnenten leicht, doch die Einzelverkäufe sanken gleichzeitig stärker. Auch die Sonstigen Verkäufe fuhr der Verlag fast vollständig zurück.
Ernsthaft in Betracht war im Berliner Verlag (u.a. Berliner Zeitung, Berliner Kurier) offenbar eine Kostenlos-Variante gezogen worden, nach dem Vorbild des britischen Stadtmagazins TimeOut, das seit dem vergangenen Jahr in London kostenlos zu haben ist. Nun kann sich Raufeld mit einem Zukunftsmodell für den 1972 gegründeten Tip beschäftigen. Auch wenn alle Mitarbeiter übernommen werden sollen, dürfte die Kostenstruktur des Stadtmagazins künftig schlanker werden. Geschäftsführender Gesellschafter von Raufeld ("Wir liefern Inhalte") ist Jens Lohwieser, der einst bei der Berliner Zeitung arbeitete und sich dann mit Kollegen selbstständig machte. Raufeld produzierte zunächst Themenseiten für die Zeitung und übernahm im Laufe der Jahre weitere Aufträge. Bei Raufeld erscheint u.a. auch die Drehscheibe, ein Themendienst für Journalisten. Zahlreiche Verlage und Institutionen gehören zu den Kunden.  
Mit dem Mitbewerber Zitty vom Tagesspiegel Verlag, der alternierend mit dem Tip erscheint, liefert sich der Tip seit Jahrzehnten einen Kampf um die Stadt. So richtig gut geht es aber beiden Titeln nicht, die Zeiten für gedruckte Stadtmagazine sind wegen zahlreicher Online-Services nicht einfach (auch wenn es Ausnahmen zu geben scheint). Beide Magazine arbeiten seit 2007 auf einem Feld zusammen – damals übernahmen die Verlage gemeinsam die Cine Marketing GmbH. Seither werden die Veranstaltungstipps von dieser Tochterfirma erstellt, die auch andere Verlage mit Programmdaten beliefert. Eine weitergehende Kooperation gibt es bisher nicht, sie war bisher auch aus kartellrechtlichen Gründen problematisch. 

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