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Warum „Bundesliga bei Bild“ klappen könnte

Ab dem 9. August rollt und zappelt der Fußball jetzt auch im Netz – und das nicht nur bei Toren. Mit dem Start der neuen Bundesligasaison steigt Springer massiv ins Bewegtbild-Geschäft ein. Der Versuch ist risikobehaftet, aber vor allem auch eine große Chance. Nach der Präsentation der Verlagspläne am Mittwoch lässt sich sagen: Das Bild-Konzept hat tatsächlich beste Voraussetzungen dafür, zu funktionieren, birgt gleichzeitig jedoch einige Gefahren für den deutschen Sportjournalismus.

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Sollte "Bundesliga bei Bild" erfolgreich sein, dann wird dies vor allem daran liegen, dass es den Projektmanagern bei Springer ein Konzept gelungen ist, dass eine große – schon länger vorhandene – Lücke in der Übertragung der Fußball-Bundesliga schließt.
Bislang konnten die TV-Fans, beispielsweise am Samstag, nur zwischen klassischem Pay-TV oder "Sportschau" wählen. Die Entscheidung fiel also zwischen einer teuren TV-Live-Übertragung, für die Sky-Kunden 29,90 Euro pro Monat bezahlen müssen, und die verlangt, dass der Zuschauer jeden Samstag rund zwei Nachmittags-Stunden investiert oder einer Zusammenfassung, die in rund 90 Minuten das Geschehen von meistens fünf Partien zusammenfasst. Das Warten auf den Bericht der eigenen Lieblingsmannschaft sowie das Ertragen eines siebenminütigen Berichtes über eine müde Nullnummer gehört zur Standard-Übung vieler "Sportschau"-Gucker.

Ein Dummy des neuen Bundesliga-Cockpits von Bild
Genau zwischen diesen Angeboten setzt Springer nun den Hebel an. Fast zeitgleich mit der "Sportschau" geht "Bundesliga bei Bild" online. Allerdings kann der Fan im Web sofort den Bericht seines Teams sehen. Dann, je nach Geschmack, Interesse und Zeit die anderen Matches hinterherschieben. Zeitlich bedeutet dies: Wenn die "Sportschau" erst so langsam anfängt, Fahrt aufzunehmen, war es bei "Bundesliga bei Bild" bereits möglich, den Bericht über die Lieblingsmannschaft zu sehen.
Einen weiteren Vorteil bietet das Springer-Angebot. Verpasst man einen Bericht in der "Sportschau", ist es aus Rechtegründen nicht mehr möglich, ihn noch einmal in der ARD-Mediathek nachzuschauen. Mit diesen Problemen hat die Bild nicht zu kämpfen. Dort ist es egal, wann eine Zusammenfassung angesehen wird.
Dieser lineare Zwang, die "Sportschau" von der ersten bis zur letzten Minute sehen zu müssen, ist jedoch nicht nur Fluch, sondern auch Segen. Denn nur durch ihre Länge und den festen Ablaufplan ist es möglich, eine gute Dramaturgie zu erzeugen und umfassend über die Bundesliga zu informieren. Nach einer "Sportschau"-Sendung weiß der TV-Zuschauer erst einmal alles Wichtige über den Spieltag.
Im Bewegtbild-Modus kann "Bundesliga bei Bild" dies nicht leisten. Damit die Bild-Nutzer ähnlich gut informiert sind, müssen sie zudem noch alle Texte und Info-Schnipsel lesen, die die Redaktion zu den Videos dazustellt.
Der eine Ansatz ist so gut und richtig wie der andere. Das Komfortable ist nun, dass der Nutzer aussuchen kann. Spannend wird die Frage, wie viele sich für den Bild-Weg entscheiden.
Auch beim Preis wählten die Berliner eine gute Zwischen-Lösung zwischen Sky und den kostenlosen Free-TV-Zusammenfassungen. Die günstigste Bild-Variante kostet 7,98 Euro. Damit liegt Springer weit unterhalb von Sky und gerade im Rahmen dessen, was ein Fan für ein paar Berichte bereit ist zu zahlen.
Mit Hilfe potenter Werbepartner wie Volkswagen, Vodafone, Kik und X-Box dürfte Springer tatsächlich gute Chancen haben, die Rechte zu refinanzieren. Laut Werben und Verkaufen könnten alleine die Vermarktungsdeals einen zweistelligen Millionenbetrag in die Verlagskasse spülen.
Sollte der Masterplan von Springer aufgehen, wäre auch gleich noch ein erfolgreiches Paid-Content-Modell für Verlagsseiten eingeführt. Denn alle Fußball-Gucker müssen als Basis ein Bildplus-Abo abschließen. In dieser Vermischung schlummert allerdings auch Gefahr. Kann Springer oder genau die Bild künftig überhaupt noch kritisch über die Bundesliga berichten? Immerhin würden sie ihr eigenes Produkt beschädigen. 
Stolz erklärten die Macher auf der Konzept-Präsentation am Mittwoch, dass die Spielernoten künftig 15 Minuten nach Abpfiff online einzusehen wären und die Kommentatoren sich in ihren Berichten, dann auch auf diese beziehen sollen. Da stellt sich natürlich die Frage: Wie oft können die Print-Redakteure noch einen Spieler oder ein ganzes Match kritisch bewerten, wenn die Kaufbereitschaft der Bewegtbild-Kunden umso höher ist, je begeisterter das Paid-Portal die Liga und ihre Superstars feiert? Noch ist dies eine rein hypothetische Diskussion. Erst nach ein paar Wochen wird sich zeigen, wie sich die Bild-Berichterstattung durch die Bewegtbildrechte verändert. Bis dahin gilt, wie bei jedem spannenden Bundesligaspiel: genau hingucken.

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