„Trink ’ne Coke mit Bazillen“

Sie trinken eine Coke mit Hausstauballergie? Oder Tetanus? Oder Ausfluss? Nein, sehr wahrscheinlich nicht. Und doch verbietet Coca-Cola bei seiner aktuellen “Trink ‘ne Coke mit...”-Kampagne den Einsatz solcher Begriffe. Die Idee: Nutzer können einen Namen auf einer virtuellen Flasche eintragen und bestellen. Doch die sogenannte Blacklist der verbotenen Wörter ist nun öffentlich. Und so machen sich Nutzer einen Spaß daraus, das System auf Schwachstellen zu prüfen. Das ist mitunter sehr unterhaltsam.

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Aktionen mit Nutzerbeteiligungen sind immer ein zweischneidiges Schwert: Sie finden stärker Verbreitung und profitieren von der Viralität sozialer Netzwerk. Allerdings lassen sie auch immer wieder das Kind im Manne durchkommen. Beispiele für schiefgelaufene Aktionen gibt es zuhauf: Bei einem Otto-Model-Contest für Frauen gewann ein Mann, bei einem Flaschendesign-Contest von Pril wählten Nutzer das Motiv “Schmeckt nach Hähnchen” zum Favoriten – und auch die Stadt Hamburg blamierte sich mit einer Facebook-Aktion, bei der Nutzer die schönsten Bilder von beleuchteten Gebäude im Hafen einschicken sollte. Es gewann der Schriftzug "Fuck U". Kurzum: Wer einen Deal mit den Fans eingeht bei einer Aktion auf rege Teilnahme setzt, der muss auch damit rechnen, dass die Nutzer die Kampagne zu eigenen Zwecken nutzen.
Auf Coke.de können Nutzer derzeit eine virtuelle Flasche mit einem Namen versehen. Anstatt “Coca Cola” steht dann eben der Name auf der Flasche. Die lässt sich dann auf Facebook “prosten” oder aber bestellen und für den Versand vorbereiten. Tim, Tom, Tobi und Co. sind kein Problem. Vodoo, Wachturmverteiler, Wahrsager, Wanderprediger oder Wunderheiler aber schon. Woher wir das wissen? Die entsprechende Blacklist ist seit einigen Tagen öffentlich. Und so versuchen sich Nutzer seitdem daran, Coca-Cola auszutricksen. “Ich trinke ‘ne Coke mit Keimen”, scherzte schon Jens Wiesner von allfacebook.de. Auch der Begriff “Salmonellen” funktionierte zeitweise. Wir versuchten es kurzerhand mit "Bazillen" – ohne Probleme. Die Verantwortlichen für die Aktion scheinen die Blacklist zwar permanent nachzupflegen, doch der Fantasie der Nutzer scheint grenzenlos. Die Webseite deinecola.de gibt sämtliche gesperrten Begriffe zum Nachlesen wieder.

Zum Hintergrund: Coca-Cola arbeitet bei der Aktion mit zwei unterschiedlichen Filtermodellen. Findet sich auf der Startseite ein Flaschengenerator, der per Blacklist Begriffe ausschließt, übernimmt beim Bestellen einer echten Flasche eine Whitelist die Filterarbeit. Hier kann der Nutzer also nur Namen eintragen, die Coca-Cola zuvor zugelassen hat. Warum das Unternehmen nicht durchgängig mit einer Whitelist arbeitet, ist unklar. Wahrscheinlich hingegen scheint, dass man Nutzern mehr Spielraum für eigene Ideen geben wollte, die diese dann auf Facebook mit anderen Freunden teilen und damit Werbung für die Aktion machen. Bei Social-Media-Aktionen bedeutet mehr Freiheit aber vor allem eines: mehr Probleme. Probleme, die auch schnell zum PR-GAU führen könnten. Denn wer will schon, dass sein Produkt mit Salmonellen in Verbindung gebracht wird?

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