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Alibaba-Faktor: Yahoo-Aktie auf 5-Jahreshoch

Was für einen Unterschied Tag und Nacht machen können. Gestern sah es bei Bekanntgabe von Yahoos neusten Quartalszahlen zunächst noch nach einem Nonevent aus. Am nächsten Morgen explodierte die Yahoo-Aktie jedoch förmlich und legte zweistellig zu – auf den höchsten Stand seit der Übernahme-Offerte durch Microsoft 2008. Der Grund dafür ist weniger im eigenen Zahlenwerk als in der smarten Form der Bilanz-Präsentation zu suchen: Schwarz auf Weiß präsentierte Marissa Mayer den Boom der China-Beteiligung Alibaba.

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Was für einen Unterschied Tag und Nacht machen können. Gestern sah es bei Bekanntgabe von Yahoos neusten Quartalszahlen zunächst noch nach einem Nonevent aus. Am nächsten Morgen explodierte die Yahoo-Aktie jedoch förmlich und legte zweistellig zu – auf den höchsten Stand seit der Übernahme-Offerte durch Microsoft 2008. Der Grund dafür ist weniger im eigenen Zahlenwerk als in der smarten Form der Bilanz-Präsentation zu suchen: Schwarz auf Weiß präsentierte Marissa Mayer den Boom der China-Beteiligung Alibaba.
 

‚Hallo, 30 Dollar-Marke: Wir haben uns fünf Jahre nicht gesehen.‘ So oder so ähnlich müssen sich langjährige Yahoo-Aktionäre gestern nach dem größten Kurssprung seit Jahren gefühlt haben. Ganze 34 Cent trennen Anteilseigner des Internet-Dienste-Anbieters noch von der magischen Marke, die die Aktie zuletzt im Februar 2008 touchiert hatte, als noch das Übernahmeangebot durch Microsoft über 32-33 Dollar je Anteilsschein im Raum stand.

Gründer Jerry Yang führte eine heroische Abwehrschlacht, die allerdings nicht im Sinne der Aktionäre stand: Ein Dreivierteljahr später fiel das Papier im Zuge der Finanzmarktkrise gar kurzzeitig in den einstelligen Bereich auf 9 Dollar zurück. Seitdem wechselten die CEOs und die Turnaround-Versuche – die Probleme im schwächelnden Kerngeschäft der Internetsuche indes blieben.

Bei Yahoos Bilanz im Webcast enthüllt: Alibabas Gewinne explodieren

Yahoos spektakuläres Börsen-Comeback mit einem Plus von knapp 90 Prozent binnen 12 Monaten wird schagzeilenträchtig mit Marissa Mayer in Verbindung gebracht, die gestern pünktlich zu ihrem ersten Jahrestag als CEO bei Vorlage der jüngsten Konzernbilanz mit einem echten Scoop brillierte: Nicht die erneut durchwachsene Bilanz war die Botschaft, sondern die Form der Darbietung – via Online-Webcast.

Schwarz auf Weiß präsentierte Mayer dort auch Charts, die weitaus spektakulärer aussahen als alles, was Yahgoo derzeit zu bieten hat: Die Geschäftsentwicklung der asiatischen Beteiligung Alibaba. Der chinesische E-Commerce-Gigant, der im zweiten Halbjahr vermutlich selbst an die Börse strebt, ist der eigentliche Hebel in Yahoos Comebackstory.

Alibaba bis zu 100 Milliarden Dollar wert?

So verbuchte Alibaba im ersten Quartal dieses Jahres einen Umsatzsprung von satten 71 Prozent auf 1,38 Milliarden Dollar. Noch explosiver ist indes die Gewinnentwicklung, die – je nach Lesart der Bilanz – um 189 bzw. 232 Prozent auf 680 bzw. 709 Millionen Dollar explodierte. Das sind Dimensionen, die die hochfliegenden Erwartungen an den Börsengang nachvollziehbar erscheinen lassen: Auf einen Schlag überholt Alibaba bei den Gewinnen Facebook und Amazon und stößt in die Größenordnung von eBay vor.

Angesichts der Wachstumsdynamik dürfte das jedoch nur eine Zwischenstation sein und der in Hangzhou ansässige E-Commerce-Anbieter schon 2014 in seiner Quartalsbilanz Milliardengewinne ausweisen. Eine Bewertung von bis zu 100 Milliarden Dollar, über die zuletzt bei einem IPO spekuliert wurde, erscheint angesichts der Geschäftsentwicklung nicht mehr abwegig.

Yahoo besitzt immer noch 24 Prozent an Alibaba

Entsprechend ist der Kursverlauf der Yahoo-Aktie zu verstehen – gestern und im ganzen vergangenen Jahr. Das enorme Plus von 11 Prozent im Handelsverlauf bzw. 88 Prozent im ersten Jahr Marissa Mayers ist weniger den Turnaround-Bemühungen der früheren Google-Managerin zuzuschreiben als vielmehr der Begeisterung der Investoren über die Fantasie, die im Alibaba-IPO steckt.

Zu Erinnerung: Yahoo besitzt immer noch 24 Prozent an Alibaba – das wären bei einer 100-Milliarden-Dollar-Bewertung 24 Milliarden Dollar. Yahoos eigener Börsenwert liegt derzeit bei 32 Milliarden Dollar. Selbst wenn Alibaba nur zur aktuellen Bewertung von Facebook (65 Milliarden Dollar) am Kapitalmarkt debütieren wären, würde die Beteiligung mit 16 Milliarden Dollar aktuell die Hälfte von Yahoos Börsenwert ausmachen.

Yahoo-Aktie als Wette auf Alibaba

Der Mythos von Marissa Mayer, die fraglos viel für die Auswirkung des Internet-Dinos getan hat und mit der Übernahme von Tumblr bewiesen hat, dass sie vor heißen Wetten nicht zurückschreckt, wird damit ein großes Stück weit entzaubert. Yahoos schier mirakulöse Comebackstory an der Börse ist also in erster Linie als Wette auf Alibaba zu verstehen.

Und wie sehr wird sich die ehrgeizige 38-Jährige ärgern, dass ihre Vorgänger nur Wochen vor ihrem Antritt dem Verkauf von fast der Hälfte der Alibaba-Anteile zugestimmt haben. Im besten Deal der Firmengeschichte hatte sich der Online-Pionier 2005 40 Prozent an Alibaba für 1 Milliarden Dollar gesichert. Im besten Falle wären sie nun 40 Milliarden Dollar wert – und damit mehr als Yahoo selbst.

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