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WAZ-Frauentitel: Vorwurf Schleichwerbung

Das Interesse an Korruptionsbekämpfung sei bei deutschen Medienunternehmen "bisher gering" ausgeprägt: Zu diesem Urteil kommt die Studie "Gefallen an Gefälligkeiten", die u.a. das Netzwerk Recherche und Transparency International auf den Weg gebracht haben. In der Studie wird u.a. die Funke Mediengruppe (ehemals WAZ) mit dem Vorwurf der gezielten Schleichwerbung konfrontiert: Die Anzeigenabteilung der Frauenzeitschriften nehme "systematisch Einfluss auf Inhalte". Der Verlag dementiert.

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Erst in der vergangenen Woche erschien das Korruptionsbarometer von Transparency International, das die Medienbranche gleich hinter der öffentlichen Verwaltung und dem Parlament einsortierte, was die Anfälligkeit für Korruption angeht. Medienunternehmen ruhten sich "auf dem Glauben aus, dass ihre Journalisten nicht bestechlich seien", sagt Jürgen Marten, der stellvertretende Chef von Transparency Deutschland. Der Verein hat sich die Korruptionsbekämpfung auf die Fahne geschrieben.
Für eine Untersuchung der Compliance-Regeln (das sind die Bestimmungen innerhalb eines Unternehmens, die sich mit der Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen befassen) habe das Institut für Journalistik an der TU Dortmund Chefredakteure der dreißig auflagenstärksten Tageszeitungen angeschrieben. Lediglich zwei von ihnen hätten die Fragen beantwortet. Eine Analyse verschiedener Kodizes von Vereinen und Verbänden, etwa Presserat und DJV, sowie Medienunternehmen wie der Axel Springer AG oder ProSiebenSat.1 habe gezeigt, dass konkrete Vorgaben an die Redakteure genauso fehlten wie verbindliche Sanktionen gegen Mitarbeiter, die gegen die Regeln verstoßen.
Die Publikation von Netzwerk Recherche und Transparency International (hier zum Download) beschreibt in mehreren Beiträgen bekannte Fälle wie die mittlerweile eher berüchtigten Pressereisen von ThyssenKrupp oder Mazda. Gegen den ehemaligen Kommunikationschef des Autoherstellers für Europa, Franz Danner, läuft derzeit ein Prozess am Landgericht Köln – Danner soll sich an der Organisation von aufwändigen Pressereisen bereichert haben.
Im Fall der Funke Mediengruppe geht es nicht um die Vorteilnahme von Journalisten oder Redaktionen, sondern um die Abteilung Kooperationen zwischen Werbekunden und Medienunternehmen. Bei den Frauenzeitschriften des Verlags (früher WAZ-Mediengruppe) habe "das Einbinden von Schleichwerbung ein bisher noch nicht gekanntes Maß erreicht", schreibt der Journalist Boris Kartheuser. In den acht Titeln, darunter die aktuelle, Echo der Frau und Neue Welt, gäbe es "Hunderte konkreter Empfehlungen" für Produkte. Werde beispielsweise ein Gesundheitsmittel auf der einen Seite redaktionell vorgestellt, werbe der Hersteller oft im selben Heft mit einer Anzeige.
Ein "Insider", schreibt Kartheuser, habe ihm bei den Recherchen bestätigt, "dass die Anzeigenabteilung systematisch Einfluss auf Inhalte im Heft nehme". Zudem teile diese den Redaktionen mit, "wen sie in welchem Umfang erwähnen sollen". Beschwerden gegen Schleichwerbung nähme der Verlag in Kauf.
Gegenüber MEEDIA nimmt die Funke-Mediengruppe auf Nachfrage nun Stellung. In einem Statement heißt es: "Sofern Produktvorstellungen und Darstellungen von Bezugsquellen erfolgen, entspricht dies dem Interesse der Leser. Es gibt kein Geschäftsmodell, das sich aus Produktempfehlungen ergibt. Für die Funke Mediengruppe gelten bei dem fraglichen Thema die bestehenden Regularien genauso wie für alle anderen Medien." Dies klingt ein wenig gedrechselt – vermutlich, weil das böse S-Wort nicht in dem Statement auftauchen soll. 

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