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„Es gibt nur wenige Einstein-Unternehmer“

Die Investitionen von rund einer Milliarde Dollar Venture-Kapital in die Startup Schmiede Rocket Internet wollte selbst der sonst so reservierte Gründer Oliver Samwer nicht für sich behalten. Damit ist Rocket immerhin vermutlich der größte Internet-Inkubator der Welt. Der Nachrichtenagentur dpa gab Mitgründer Oliver Samwer eines seiner seltenen Interviews und spricht unter anderem über die Strategie der Samwer-Brüder und über den Vorwurf große, erfolgreiche Unternehmen nur zu klonen.

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Von dem Riesen-Investment sollen 400 Dollar direkt in Rocket Internet fließen und die restlichen 650 Millionen Dollar in die jeweiligen Unternehmen, die von der Firma aufgebaut werden. Mit dem Geld verfolgen die Samwer-Brüder ein ganz konkretes Ziel – die Expansion: "Wir konzentrieren uns dabei vor allem auf Länder, außerhalb der USA und Chinas.", so Samwer gegenüber dpa (u.a. hier bei Newsroom nachzulesen). "Im Mittelpunkt stehen die sogenannten Emerging Markets, in denen in den kommenden fünf Jahren das größte Wachstum der Internet-Verbreitung zu erwarten ist."
Bei den besagten Ländern handle es sich vor allem um Lateinamerika, Russland, Indien oder Südostasien. Neue Geschäftsmodelle werden von dem Unternehmen zunächst auf dem europäischen Markt getestet und dann in bis zu 50 andere Ländern übertragen – darunter auch Entwicklungsländer. Länder wie Nigeria oder Brasilien seien besonders für den Online-Handel interessant: "In diesen Ländern gibt es noch gar nicht diese weit entwickelte Einzelhandels-Infrastruktur wie bei uns. Deswegen gibt es auch größere Möglichkeiten online: Je weniger Läden es gibt, desto schneller entwickelt sich der E-Commerce.", so Samwer.
Den Vorwurf Rocket, ahme mit ihren Unternehmen nur amerikanische Geschäftsmodelle nach, sieht der Rocket-Boss gelassen: "Es gibt ganz wenige ‚Einstein-Unternehmer’, wie den Erfinder der Glühbirne oder des Telefons. Aber zu 99 Prozent entscheidet die Umsetzung der Idee. Am Ende kommt es nicht darauf an, ob ich als Erster eine Idee gehabt habe, sondern darauf, ein Unternehmen aufzubauen, das langfristig existiert, und Kunden zufriedenstellt."
Zur Zeit wird die europäische Startup Szene aufgrund ihrer mangelnden Börsenerfolge von den USA aus noch eher belächelt – das soll sich laut Samwer aber bald ändern: "Wir dürfen hier nicht hoffen, ein zweites Silicon Valley zu werden. Aber wenn bisher von den zehn größten Internet-Unternehmen der Welt vielleicht neun aus den USA kamen und eins aus China, so werden es in fünf Jahren vielleicht sechs aus den USA sein und der Rest aus Europa, China, Russland, Lateinamerika. Und da wollen wir dabei sein."

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