Zeit Online zeigt Tour im “Feiertagslayout”

Publishing In den vergangenen Monaten sorgte in Sachen innovative Online-Berichterstattung vor allem Süddeutsche.de mit seinen Datenprojekten für Aufsehen. Jetzt setzt der neue Zeit Online-Chefredakteur Jochen Wegner mit einem Web-Projekt ein echtes Ausrufezeichen. Das Web-Special zu 100 Jahren Tour de France ist eine gelungene Leistungsschau, was multimediales Storytelling bedeuten kann. Das Ergebnis kann sich auch im internationalen Vergleich sehen lassen.

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Unterteilt ist das Web-Special in die drei Kapitel „Das Tourhotel“, „Der Dopingsünder“ und „Der Fahrer ohne Lizenz“. Von der Textqualität her müssten sich die drei Stücke auch in der gedruckten Zeit nicht verstecken. Was sie darüber hinaus allerdings so besonders macht, ist die multimediale Ausstattung, mit der die Artikel aufwarten können. So gibt es Video-Elemente, animierte Fotos, Bildergalerien, Infografiken und Zeitleisten.

Im „Tourhotel“ geht es um ein Hotel im legendären Bergziel von Alpe d’Huez. Im Mittelpunkt steht die Herberge der Familie Castillans, in der jedes Jahr die Rad-Prominenz für eine Nacht absteigt. Neben Text und Aufmacheroptik lebt das Stück vor allem von einem Video-Beitrag über die Castillans. Die Zeit-Redakteure besuchten also wirklich das Hotel in den Alpen – keine Selbstverständlichkeit im Online-Journalismus.

In „Der Dopingsünder“ begleitet die Redaktion den ehemaligen Radprofi Bernhard Kohl, der ehemals dritter der Frankreichrundfahrt wurde, ein Doping-Geständnis ablegte, seitdem von den alten Kollegen gemieden wird und nun zum ersten Mal zur Tour zurückgehrt. Auch in dieser Story gibt es ein Video, aber auch eine mehrschichtige Infografik, wie Blutdoping funktioniert.

Das Stück „Der Fahrer ohne Lizenz“ beschäftigt sich mit Keith Tuffley, der seinen Job als Investmentbanker aufgab und nun die gesamte Strecke vorfährt. Natürlich glänzt auch der dritte Artikel mit seiner interaktiven Ausstattung.

Über Wochen arbeitete die Berliner Online-Redaktion an dem Projekt, das intern den Projektnamen „Feiertagslayout“ trug. „Die Gestaltung des Feiertagslayouts folgt Prinzipien, die Sie von den großen Online-Medien an Werktagen nicht unbedingt gewohnt sind“, erklärt Chefredakteur Jochen Wegner im Redaktionsblog. „Unsere Darstellung ist einerseits besonders opulent und präsentiert neben den Texten auch sehr prominent Fotos, Videos und Infografiken. Sie ist andererseits reduziert: Auf eine Vielzahl ablenkender Elemente, wie sie im Online-Journalismus üblich sind, haben wir bewusst verzichtet.“

Die Vorbilder für das Web-Special der Berliner sind zu erkennen. So standen Firestorm vom Guardian oder Snowfall von der New York Times eindeutig Pate.

Zu den technischen Feinheiten des Feiertagslayouts gehört, dass es unabhängig vom elektronischen Endgerät funktioniert. Es lässt sich also via Smartphone genauso gut wie auf dem Bürorecher oder einem Tablet betrachten. In den kommenden Monaten wollen Wegner und sein Team noch mehr Storys im Feiertagslayout erzählen. Zum Start lernten die Zeit-Online-Macher, dass es vor allem auf die Zusammenarbeit aller Beteiligten ankommt. „Die Grenzen zwischen den formalen Zuständigkeiten verschwammen: Programmierer gaben wichtige Handreichungen zum Inhalt der Geschichte, Reporter machten sich Gedanken über die Benutzeroberfläche. Und die Arbeitsweise entstammte eher der modernen, so genannten agilen Software-Entwicklung als dem klassischen Journalismus“.

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