Degeto: Relevanz statt Liebesschnulzen

Nachdem Hans-Wolfgang Jurgan 2011 u.a. wegen massiver Budget-Überschreitungen als Chef der einflussreichen ARD-Produktionstochter Degeto geschasst wurde, hat seine Nachfolgerin Christine Strobl mit Aufräumarbeiten zu kämpfen gehabt. In einem Interview mit der FAZ (Dienstagsausgabe) spricht sie nun von steigenden Auftragsvolumen und über ihre Pläne, statt Liebesschnulzen auch mal Themen "mit einer gewissen gesellschaftlichen Relevanz" zu zeigen.

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Christine Strobl zeigt sich zuversichtlich, wenn es um das Auftragsvolumen der wichtigsten Produktionsstelle der ARD für Filme und Serien geht: "Ich denke, dass wir 2014 wieder bei annähernd 100 Prozent liegen." , prognostiziert die 41-Jährige in der FAZ. "Die programmliche Gestaltungsfreiheit ist jetzt zum ersten Mal klar definiert."
"Das Umsatzvolumen der Degeto beträgt ungefähr vierhundert Millionen Euro pro Jahr", so Strobl weiter. Davon stünden 165 Millionen Euro für Produktionsvergabe oder Filmeinkauf zur Verfügung. Der Sendeplatz am Freitagabend, an dem oftmals nur schmalzige Liebesgeschichten zu sehen sind, soll mit veränderten Programmen bestückt werden. Die Filme sollen zum einen "dem Bedürfnis der Zuschauer nach Unterhaltung Rechnung tragen", dieses aber mit einer bestimmten Qualität verbinden und Themen behandeln, die zwischen Menschen eine Rolle spielen. Zwar will sich Strobl von Liebesgeschichten nicht vollständig verabschieden, dennoch sollen auch andere Aspekte wie Freundschaft, Verlust, Generationenkonflikte sowie Themen mit gesellschaftlicher Relevanz eine Rolle spielen. Ein erster Schritt in diese neue Richtung war die Einstellung der "Landärztin" sowie die Schließung des "Traumhotels."
Auch für die Zusammenarbeit mit den ARD-Landessendern verspricht Strobl Besserung. Während sich Degeto in den vergangenen Jahren als "Geldesel" beliebt gemacht habe, will sie nun durch Qualität überzeugen: "Wir haben festgelegt, an welchen Filmen auf welchen Sendeplätzen wir uns mit welchen Summen beteiligen." So will sich Detego beispielsweise mit zehn Produktionen im Jahr an dem "Filmmittwoch im Ersten" einbringen – allerdings nur, solange die Filme eine besondere gesellschaftliche Relevanz oder einen besonderen Hintergrund haben und der übliche Etat nicht ausreicht.

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