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Bild & Bushido: ziemlich beste Feinde

In diesen Tagen kann man einer medialen Zweck-Gemeinschaft bei der Arbeit zusehen: Bild & Bushido. Der Rapper veröffentlichte ein Lied, in dem er wüste Beschimpfungen und lächerliche Gewaltfantasien u.a. gegen die Grünen-Politikerin Claudia Roth und Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit ausstößt. Die Bild setzte sich an die Speerspitze der Entrüstung und ließ jetzt sogar Briefe-Onkel Franz Josef Wagner einen “Gegen-Rap” aufsagen. Beide Seiten profitieren von dem PR-Trubel.

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Bei Bild.de haben sie natürlich schnell gemerkt, dass die “Post von Wagner” an den “Bösen Bushido” diesmal für besonders viel Aufmerksamkeit sorgte. Wagner ließ sich auf das Niveau des Rap-Rüpels herab und bezeichnete Bushido in seiner Brief-Kolumne u.a. als “Arschloch” und “dumme Wurst”. Und weil das in den sozialen Medien fleißig herumgereicht wurde, legte die Bild.de-Redaktion nach und der alte Mann Wagner wurde dazu gebracht, seine Kolumne am Telefon vorzulesen. Billigen Beat drüber, fertig ist der Wagner-Rap. “Jetzt rappt Bild zurück”, schreibt das Boulevard-Portal und macht auch gleich noch eine Aktion daraus. Leser werden aufgefordert, ihre Rap-Antwort an Bushido einzusenden, 1.000 Euro Belohnung winken. Auf diese Weise hat die Bild gleich neues Material für mehrere Fortsetzungsstories in der nachrichtenarmen Zeit.

Auf der anderen Seite: Bushido. Der gab dem Flugzeugträger-Dokukanal N24 ein Interview zum Eklat um seinen Hass-Song. Im etwas über 20 Minuten langen Gespräch gibt sich der Bambi-Preisträger Integration wieder handzahm. Nein, nein, natürlich habe er niemals zu Mord und Totschlag aufrufen wollen. Und er wollte auch Schwule im Allgemeinen und Klaus Wowereit im Speziellen nicht beleidigen. Seine Antwort in diesem speziellen, Hirnwindungen verdrehenden Bushido-Sound: “Ich führe einen Vergleich ‘wie Wowereit’. Mit Jemandem passiert halt was, was für ihn alltäglich ist. Ich denke mal, dass Analverkehr für zwei homosexuelle Menschen wahrscheinlich alltäglich ist. Das ist für mich keine Beleidigung. Ich habe die Zeile benutzt, um einem mutmaßlich heterosexuellen Rapper die schmerzhafte Erfahrung eines Analverkehrs anzudrohen.” Zur Erinnerung: Die Zeile im Bushido-Song “Stress ohne Grund” lautet “Du wirst in Berlin in den Arsch gefickt wie Wowereit. Du Schwuchtel wirst gefoltert. Ich schieß auf Claudia Roth und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz.“

Für Bushido kein Grund, sich aufzuregen: “Bei uns ist das Wort Schwuchtel ein völlig alltäglicher Begriff. Damit meine ich nicht die Homosexuellen oder Jemanden der gleichgeschlechtliche Liebe praktiziert. Ich meine damit ‘nen Typen der rappt. Ganz einfach.” Ja, so einfach ist das in Bushidos Welt. Und gleichzeitig so wirr. Allerdings redet Bushido bei N24 auch ganz offen, über die PR-Komponente bei der ganzen Sache. Und da offenbart er tatsächlich eine gewisse gedankliche Klarheit: “Ich kann mich natürlich darüber freuen, dass gewisse Sachen auch geklappt haben”, sagt er und meint die vielen Klicks auf sein Video und seine Facebook-Seite, die ihm der Trubel eingebracht hat.

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Sein gespanntes Verhältnis zur Bild-Zeitung sieht er professionell sportlich: “Ich habe gegen die Bild-Zeitung so viele Unterlassungsklagen gewonnen, dass ich mein Haus damit tapezieren könnte. Und ich habe eine sehr großes Haus.” Gegen Bild-Briefe-Onkel FJW hegt er keinen Groll. “Es ist auch ein bisschen ein Spiel, ein Geben und Nehmen. Wenn ich versuche in meiner Kunst nicht zensiert zu werden, dann kann der Herr auch schreiben was er möchte.” Bushido, der großzügige Künstler.

Am Ende hat die Bild im Sommerloch für mehrere Tagen schöne Stories im Blatt und online, Bushido hat Klicks, Musik-Verkäufe und kann sich wieder einmal als rebellischer Gangster-Rapper inszenieren und alle sind zufrieden. Bushido bei N24: “Am Ende haben die Leute nur ‘ne Riesen-PR losgetreten und dafür bin ich sehr dankbar.” Wahrere Worte hat das Ghetto-Würstchen Bushido vermutlich noch nie gesprochen.

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