Berliner Verlag: Sparprogramm umgesetzt

Das große Sparprogramm, das Ende vergangenen Jahres für den Berliner Verlag beschlossen wurde, sei nahezu umgesetzt, sagt Geschäftsführer Michael Braun. Wie prognostiziert, werden rund 86 Stellen abgebaut, die große Mehrzahl davon über ein Abfindungsprogramm. 11 betriebsbedingte Kündigungen hätten ausgesprochen werden müssen, sagt Braun. Die betreffen mehrheitlich die Redaktion der Berliner Zeitung, wo insgesamt laut Chefredakteurin Brigitte Fehrle 26 Stellen wegfallen. Das trifft die Medienredaktion hart.

Anzeige

Bereits seit der Neusortierung der Redaktion der Berliner Zeitung haben die Medien kein "eigenes" Ressort mehr. Drei Redakteure haben sich in der Redaktion aber vor allem um Medienthemen gekümmert, darunter Ralf Mielke, der bereits seit 1999 bei der Zeitung arbeitet. Wie einer seiner Kollegen habe Mielke das Abfindungsangebot des Verlags angenommen. Ein weiterer Kollege im Ressort gehört zu den gekündigten Redakteuren.
Die Medienseite der Berliner Zeitung zählt zu den profiliertesten Medienseiten unter den deutschen Zeitungen, für sie arbeiteten u.a. (eine wilde Mischung) der heutige Turner-International Kommunikationschef Oliver Herrgesell, der Dummy-Macher Oliver Gehrs und der heutige stellvertretende Chef der Zeitung Ralph Kotsch. Auch der heutige Springer-Lobbyist Christoph Keese war mal Ressortleiter. Als in Branchenkreisen bestens vernetzte Autorin schreibt heute Ulrike Simon für die Medienseite.

Chefredakteurin Fehrle weiß um die Lücke, die der Weggang der Redakteure aufreißt. "Es geht ganz klar Qualifikation verloren", sagt sie auf Nachfrage gegenüber MEEDIA. Es werde aber weiter Medienthemen in der Zeitung geben. Wie auch für andere Ressorts, in denen sich nun Leerstellen auftun, werden derzeit Neubesetzungen aus der Redaktion gesucht.
Das "Neue Deutschland" schrieb vergangene Woche über "dicke Luft" und "Unmut" in der Redaktion der Berliner Zeitung. Wegen einer Teilbetriebsversammlung hätte nur eine Notausgabe der Zeitung erscheinen können. Geschäftsführer Braun sagt dazu, das Sparprogramm laufe "extrem ruhig" und "ohne Arbeitskampf" ab. Es sei als Erfolg zu werten. Derzeit wird der gesamte Verlag einer Rosskur unterzogen – abgebaut wurden auch Stellen beim Berliner Kurier, bei der Anzeigenzeitung Berliner Abendblatt und u.a. der Poststelle. Der Verlag besorgt beispielsweise das Rechnungswesen seit kurzem im Mutterhaus von M. DuMont Schauberg in Köln.
Nötig wurde das Sparprogramm laut Braun vor allem wegen der eingebrochenen Anzeigenerlöse. Die Vertriebserlöse entwickelten sich dagegen stabil. Für den Moment könne er sagen, dass der Verlag "über den Berg" sei. Freilich kann niemand in der Branche vorhersagen, wie sich der Markt für Tageszeitungen in den kommenden Monaten und Jahren entwickelt. Das tut auch Braun nicht.
Der Verlag plant im Spätherbst, ein Bezahlmodell für die Berliner Zeitung einzuführen. Ebenfalls soll eine Markenkampagne für die Zeitung starten. Die engen redaktionellen Verschränkungen mit der ehemaligen Schwesterzeitung Frankfurter Rundschau sind mittlerweile entflochten – die Berliner Zeitung liefert aber weiter Texte zur Übernahme an die ehemaligen Kollegen nach Frankfurt.   

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige