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Jäkel fordert mehr Frauen in Medien-Topjobs

Zarte Pastelltöne dominieren die Bühne des DLD Women 2013. Als Location wurde die Porzellan Manufaktur Nymphenburg in München gewählt. Zart und zerbrechlich sind aber gewiss nicht die Key Signals, die vom weiblichen Ableger der Digitalkonferenz ausgehen sollen. Beim Panel „Is Media Ruling Our Self-Perception?“ ging es um das weibliche Selbstverständnis und die Medien. Mit dabei waren u.a. G+J-Chefin Julia Jäkel und Filmproduzent Nico Hofmann.

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Julia Jäkel ist die ideale Besetzung für eine DLD Women Veranstaltung: jung, taff, Mutter, Führungsposition in der allerersten Reihe im Medien-Business. Solche Role-Models gibt es nicht viele. „Wir haben nicht genug weibliche Führungskräfte in den Medien“, konstatierte Jäkel denn auch. Es fehlten die positiv besetzten, weiblichen Vorbilder im Geschäftsleben. Die G+J-Chefin führte als Negativ-Beispiel den Film „Der Teufel trägt Prada“ an, in dem Meryl Streep die diktatorische Chefin eines Modemagazins spielt. „Niemand will so sein, wie die Chefredakteurin in dem Film“, so Jäkel.

Bei Frauen würde der Begriff „ehrgeizig“ meist negativ als Egoismus ausgelegt, bei Männern dagegen positiv als Führungsstärke wahrgenommen. Für Filmproduzent Nico Hofmann, sind dagegen zumindest in seinem Business Frauen schon heute der bestimmende Faktor: Filme würden von weiblicher Energie getrieben, der weibliche Geschmack würde heute die Filmindustrie bestimmen.

Warum nur zehn Prozent der Startup-Gründer Frauen seien, fragte Moderatorin Maria Furtwängler Sabine Anger, die Chefin des Video-Streaming-Dienstleisters Watchever. Dies liege wohl in der Vergangenheit begründet, als die meisten Multimedia-Neuerungen noch Ingenieurs-getrieben waren und Ingenieurs-Studiengänge vorwiegend männlich dominiert waren (was sie heute vermutlich immer noch sind).

Erica Hoholick von der Werbeagentur Ogilvy & Mather gab einen Einblick in die viel beachtete Werbekampagne für den Kosmetik-Hersteller Dove, der ein natürlicheres Frauenbild in der Werbung propagiert und die Londoner Psychoanalystin Susie Orbach sprach darüber, wie sehr gerade bei Frauen der Körper mittlerweile zu einer Ressource geworden ist. Eine Entwicklung, die laut Orbach immer früher einsetzt – zur Illustration zeigte sie während ihres Eingangsvortrags ein Foto von High-Heels für Babys.

Zum Thema Natürlichkeit im Gegensatz zur medial inszenierten Perfektion passte natürlich auch die mittlerweile wieder eingestellte Aktion der G+J-Zeitschrift Brigitte, die zeitweise auf Profi-Models verzichtet hatte.

„Wir wollten damit Frauen den Druck nehmen“, sagte Julia Jäkel, „und wir haben für die Aktion auch viel Applaus bekommen.“ Nach einiger Zeit habe sich aber gezeigt, dass viele Leserinnen geradezu verlangten, dass die Zeitschrift wieder Profi-Models zeige. Der Grund: Die Amateur-Models waren so gut und vorteilhaft in Szene gesetzt, dass sie bei Leserinnen einen noch stärkere Druck auslösten. Profi-Models dagegen wurden ohnehin in einer anderen Kategorie einsortiert. Mit denen musste sich die Lesern nicht vergleichen.

Psychoanalystin Orbach kam zum Schluss, dass der gleiche mediale Druck zur Perfektion mittlerweile genauso auf Jungen wie auf Mädchen ausgeübt würde. Werbe-Anzeigen für männeraffine Produkte würden genauso einen Körperkult zelebrieren wie die für Frauen. Auch eine Art von Gleichberechtigung. Aber eine, die sich in die falsche Richtung bewegt.
DLD Woman läuft noch heute und am morgigen Dienstag, 16. Juli. Hier geht es zum Programm ind Livestream.

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