Wilde Girls, RTL-Stachel, twitternde CEOs

Unser aller RTL hat diese Woche das Programm für die kommende TV-Saison vorgestellt. Ein “Stachel” - wie sich Geschäftsführer Frank Hoffmann ausdrückte - ging schon am Tag der Präsentation auf Sendung: der Trash-Klamauk “Wild Girls”. Wobei nicht ganz klar ist, wer die Idee zum Thema Knalltüten-Weibern in der Wüste zuerst hatte - RTL oder ProSieben. Und sonst so diese Woche: Thomas Rabes Twitter-Schulmeister outete sich und “Der Bulo” malt jetzt auch Konferenzen.

Anzeige

RTL-Programmmacher müssen wahrscheinlich so ein bisschen eine gespaltene Persönlichkeit haben. Einerseits soll das Programm irgendwie so ein bisschen seriöser, journalistischer daherkommen. Mit “Team Wallraff”, Peter Kloeppel undsoweiter. Andererseits will man mit Trash die Massen ködern, wie mit der wüsten Sause “Wild Girls”, die am Mittwoch startete. Wobei RTL-Geschäftsführer Frank Hoffmann niemals das Wort “Trash” in den Mund nehmen würde. Er sagt stattdessen Dinge wie: “RTL darf seinen Stachel nicht verlieren.”

Im August startet dann bei ProSieben ein “Reality”-Format, das “Reality Queens am Kilimandscharo” heißt. Es dreht sich darum, dass Damen aus der Welt des Trash-TV in Afrika allerlei Aufgaben erledigen müssen. Mit dabei ist angeblich u.a. Unterhaltungs-Profi Micaela Schäfer. Kommt uns das bekannt vor? Aber ja! Die “Reality Queens” sind wohl eine Adaption des holländischen Formats "Reality-Queens in the Jungle", für das sich ProSieben die Rechte gesichert hat. RTL war schneller und schickt nun schon vorher seine “Wild Girls” in die Wüste, über die dann auch auf der Website von ProSieben fleißig berichtet wird – natürlich ohne, dass der Name RTL fällt. Klicks – ja bitte, Werbung für die Konkurrenz – nein danke. Für uns Zuschauer wird der Format-Battle der Privatsender so zunehmend unübersichtlich.

A propos unübersichtlich: Sind jetzt etwa auch die Redaktionen von Welt Online und Focus Online verschmolzen? Ein Artikel über die eben erwähnten “Reality Queens” bei ProSieben fand sich exakt wortgleich bei Welt Online und Focus Online. Des Rätsel Lösung: Der Text stammt von der Entertainment Agentur SpotOn, die früher zum Reich der pleite gegangenen Nachtichenagentur dapd gehörte. Medienvielfalt wie aus dem Bilderbuch.

Achtung, jetzt wird’s seriös. Bertelsmann-CEO Thomas Rabe ist einer der wenigen deutschen Top-Manager, die twittern. Im PR-Report erzählte (leider nur noch hinter der Bezahlschranke) der PR-Berater Christoph Salzig, wie er Thomas Rabe das Twittern nahegebracht hat und stellt dem Bertel-Boss ein durchaus freundliches Zeugnis aus. Er sei total aufgeschlossen und wissbegierig gewesen und habe auch gleich begriffen, wie das mit diesem Twitter so geht. Der Twitter-Schüler und sein Meister. Ob Thomas Rabe so etwas gerne über sich liest? Bisher twittert CEO Rabe auf Englisch vor allem im fortgeschrittenen Konzern-Sprech. Textprobe: “We believe in the increasing  value of content in digital world. Our strategy is the gradual transformation and expansion of our business.” Nun, man muss ja bei Twitter sicher gleich so ungehemmt vom Leder ziehen, wie Crazy Rupe Murdoch. Aber irgendein Mittelweg zwischen “Go for Growth”-Sprüchen und Ruperts Twitter-Eskapaden wäre vielleicht auch für den Bertelsmann-CEO eine Überlegung wert.

Wir kennen Peter “Bulo” Böhling als einen der Chefs des Medienklatsch-Magazins Clap und Medien-Karikaturisten. Jetzt bietet “Der Bulo” seine zeichnerischen Fähigkeiten auch als Graphic Recording an. Will heißen, auf Wunsch und gegen ein sicherlich ebenso üppiges wie angemessenes Honorar zeichnet der Medien-Bart der Jahre 2010 – 2013 Konferenzen und Meetings auf seine ganz spezielle Weise. Vielleicht heuern die Bertelsmänner ihn ja mal an, die nächste Twitter-Schulung des Top-Managements zu malen. Wäre sicher eine tolle Herausforderung.

Schönes Wochenende!

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige