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Hans Hamer und die „Jungen Wilden“ …

Aus der Computerbild-Gruppe der Axel Springer AG erscheint diesen Samstag mit dem Tätowier-Magazin Perfect Ink schon die dritte neue Zeitschrift innerhalb kurzer Zeit nach eHome und Griller. MEEDIA sprach mit Hans Hamer, Verlagsgeschäftsführer Auto, Computer & Sport bei Springer, über die neuen Magazin-Ideen aus seiner Gruppe, das Schweigen der Verlage zu Digital-Verkäufen, seinen Kreativ-Workshop der "Jungen Wilden" und seine persönlichen Tattoo-Erfahrungen ...

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Grillen Sie gerne?

Selbstverständlich! Ich bin ein begeistert Griller. Ich war selbst nicht ganz unbeteiligt an dem Rezept Hähnchen auf der Dose im Magazin "Der Griller". Seit letztem Jahr ist das mein Lieblingsrezept, weil es einfach großartig schmeckt und mal etwas ganz anderes ist. Ich habe das aus den USA mitgebracht.

Und jetzt hat die Computerbild-Gruppe gerade das Tätowiermagazin "Perfect Ink" gestartet – sind Sie etwa auch tätowiert?

Höchstens mit einem Abziehtattoo … Nein, ich bin nicht tätowiert. Als ich 14 oder 15 Jahre alt war, habe ich mal mit dem Gedanken gespielt. Unter den jüngeren Leuten sind heute aber 30 bis 40 Prozent tätowiert.

Bei "Perfect Ink" hätte ich an einen Hersteller von Druckerpatronen gedacht … wie kam es zu der Idee?

In unseren regelmäßigen Kreativworkshops der "Jungen Wilden" wurden die Ideen zu den neuen Magazinen "Der Griller" und "Perfect Ink" entwickelt. Computer-Bild-Chefredakteur Axel Telzerow und ich waren sofort begeistert und haben entschieden: Das probieren wir aus. Auch wenn die beiden Titel vom ursprünglichen Markenkern der Computer Bild zugegebenermaßen etwas weiter entfernt sind.

Wurde die Idee für Perfect Ink aus der Statistik heraus geboren, weil eben so viele junge Leute tätowiert sind, wie Sie sagen, oder gab es zuerst die Idee?

Das war keine Number-Cruncher-Entscheidung. Wenn man vor einem gut sortierten Bahnhofskiosk steht, fällt auf, dass es mittlerweile ganze Regale mit Tätowier-Magazinen gibt. Eine junge Spiele-Redakteurin, die selbst auch tätowiert ist, hat den Vorschlag gemacht. Auf die ermutigenden Statistiken sind wir erst im Nachhinein gestoßen.

Diese Tätowiermagazine, die man vom Kiosk kennt, wirken schon oft – sagen wir mal – speziell. Die sind offenbar für Leute gemacht, die sich häufig tätowieren und ein sehr tiefgehendes Interesse an dem Thema haben. Der Großteil der tätowierten "Normalos" sind aber womöglich Gelegenheits-"Täter". Meinen Sie, diese Leute wollen eine Tätowier-Zeitschrift lesen?

Das wird der Markt zeigen. Wir glauben jedenfalls daran. Egal, ob das Leute sind, die fünf Tattoos haben oder so genannte Erst- oder Wiederholungstäter, wir wollen alle ansprechen. Es geht uns aber auch um die redaktionelle Qualität der Zeitschrift. Es gibt in dem Segment viele Magazine, die nur aus einem Katalog an Tätowiervorlagen bestehen. Wir dagegen realisieren mit unserem Team eine spannendes journalistisches Produkt mit redaktionellem Qualitätsanspruch. Im Moment wird zum Beispiel gerade diskutiert, wie gefährlich Tätowierfarben sind, einige Farben stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Wenn man tätowiert ist, muss man deshalb in der Sonne und auf der Sonnenbank aufpassen – dazu haben wir eine große Geschichte. Einen Kollegen haben wir auf dem Weg zu seinem ersten Tattoo begleitet. Wir haben auch redaktionelle Synergien zur Sport Bild genutzt: In Perfekt Ink geben wir einen Überblick, welche Fußballer tätowiert sind.

Die "Jungen Wilden" – wo die Idee entstand – gibt es die wirklich?

Die "Jungen Wilden" ist die Bezeichnung für einen kleinen Stammtisch. Dort treffe ich mich so alle zwei Monate mit circa zehn Kollegen, die intern bei uns die "Jungen Wilden" heißen. Die Kriterien für Teilnehmer sind, dass keiner älter als 30 Jahre ist und nicht länger als zwei Jahre im Unternehmen arbeitet. Dadurch haben wir ein gewisses Startup-Feeling. Wir reden miteinander off-the-record und frei von Hierarchien.

Kommt "Der Griller" bald regelmäßig?

Wir haben vor, das Magazin mindestens einmal pro Jahr herauszubringen. Und die nächste Ausgabe von eHome, unserem Magazin für Technik-Trends im Alltag, erscheint Anfang September zum zweiten Mal. Bei Perfect Ink können wir das noch nicht genau sagen. Schauen wir erst einmal, wie das Heft beim Leser ankommt.

Axel Springer wird in jüngerer Zeit damit in Verbindung gebracht, das führende digitale Medienhaus werden zu wollen. Jetzt kommen aus ihrer Gruppe in kurzem Abstand neue Print-Produkte. Gehen Sie back to the roots?

Print und Digital bedeutet für mich nicht "entweder-oder" sondern "sowohl-als-auch". Wir führen unsere Marken ganzheitlich. Nehmen wir das Beispiel Autobild Klassik. Das fing als One-Shot an, ist dann quartalsweise erschienen. Parallel haben wir online einen neuen Klassik-Channel etabliert, der heute eine der stärksten Rubriken auf autobild.de ist. Dann haben wir die Erscheinungsweise des Magazins erhöht. Heute ist Autobild Klassik im Einzelverkauf Marktführer im Segment und der Gesamtverkauf liegt bei mehr als 110.000 Exemplaren. Das ist eine großartige Entwicklung – Print, wie Digital. Anderes Beispiel: Die Computer-Bild-Gruppe leistet sich kreative Print-Ausflüge wie "Der Griller" oder "Perfect Ink". Die Weiterentwicklung von computerbild.de wird aber natürlich nicht vernachlässigt. Gerade im vergangenen Monat hatten wir mit knapp 14 Millionen Unique Visitors ein All-Time-High, waren das stärkste Springer-Angebot und haben den bisherigen Marktführer Chip.de überholt.

Paid Content ist gerade bei Axel Springer ein großes Thema. Wie sieht es beispielsweise bei computerbild.de mit Paid Content aus?

Wir sind in der komfortablen Situation, dass Welt und Bild bei uns im Konzern vorangegangen sind. Von diesen Erfahrungen können und wollen wir profitieren. Wir haben bei uns in der Gruppe für den Auto- und Computer-Bereich schon erste Ideen entwickelt.

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Also Paid Content kommt bei computerbild.de und autobild.de im nächsten Jahr?

Ich kann keinen konkreten Zeitpunkt nennen. Die Entwicklungen bei Bild und Welt sind ermutigend, wir schauen uns das in Ruhe an und werden dann entscheiden, wann und wie wir den Hebel auf Premium-Content umstellen.

Sie verkaufen ihre Zeitschriften auch fast alle digital als App. Können Sie Zahlen nennen, wie viel sie zum Beispiel von der Computer Bild als App verkaufen?

Die App der Computer Bild läuft sehr gut und wir haben bei Auto Bild auch eine hervorragende Tablet-App, die sich sehr gut verkauft und auch bei den Werbekunden prima ankommt. Unsere Marktforschung zeigt außerdem, dass wir hier neue Leser ansprechen.

Verlagsleute sagen immer, dass es ganz toll läuft mit den Digital-Verkäufen. Aber die Zahlen, leider, leider, wollen sie nicht nennen. Wir dürfen nicht, wir können nicht. Warum sagt nicht Irgendeiner mal, wieviel da verkauft wird, wenn es denn so toll ist?

Ich kann das Bedürfnis nachvollziehen. Leider fehlt bislang eine einheitliche Währung nach dem Vorbild der IVW oder AGOF für mobile Angebote wie Apps sowie crossmediale Leistungswerte, die dringend notwendig sind. Daher ist eine wirkliche Vergleichbarkeit der einzelnen Angebote ist bislang nicht gegeben. Sobald es echte, vergleichbare Messgrößen und Kennziffern gibt, legen wir gerne unsere aktuellen Verkaufszahlen offen. Aber unabhängig von den Zahlen ist die Auto Bild-App wirklich ein Benchmark, User und die werbungtreibende Wirtschaft geben uns sehr positives Feedback. Wenn man dann noch wirtschaftlichen Erfolg hat, schlägt das Herz eines Verlagsmanagers Purzelbäume.

Wenn man sich aber beispielsweise die Nutzerkommentare unter der Computer Bild iPad App anschaut, sind da auch sehr viele kritische dabei. Die App kommt im Durchschnitt auf eine Bewertung von gerade mal zweieinhalb Sternen von fünf möglichen …

Bei Computer Bild haben wir die Herausforderung, dass wir auch redaktionelle Optimierungen durchgeführt haben. Das hat dazu geführt, dass wir auch jüngere Zielgruppen angesprochen haben und dort gibt es immer einige Hardcore-User, die sehr kritisch sind.

Bei der iPad App der Auto Bild sind die Bewertungen aber genauso durchwachsen. Auch hier ein Durchschnitt von zweieinhalb Sternen, und das bei sogar über 3.000 abgegebenen Bewertungen …

Erfahrungsgemäß ist die Bewertung bei Bezahlangeboten immer etwas zurückhaltender.

Im vergangenen Jahr gab es einige Unruhe wegen der Zusammenlegung der Computer Bild Print-Redaktion mit der Online-Redaktion in einer Gesellschaft. Wie läuft’s mittlerweile?

Es läuft insgesamt sehr gut. Wir haben eine tolle Redaktion, die sehr motiviert und leistungsfähig ist. Nur mit so einer Mannschaft kann man Titel wie eHome, Griller oder Perfect Ink mal eben so nebenbei machen.

Wie sieht es jetzt mit dem Personalstand aus – wie viele Stellen wurden im Zuge der Umstrukturierung abgebaut?

Einige Kollegen sind nicht mitgegangen, einige Kollegen wurden neu eingestellt. Das Team ist aber nach wie vor gut durchmischt. Über Redaktionszahlen geben wir aber grundsätzlich keine Auskunft.

Sind im zweiten Halbjahr noch weitere neue Zeitschriften geplant?

Wir haben bei den Männermedien mit eHome, Griller und Perfekt Ink ein Feuerwerk an neuen Heften gezündet. Aber auch abseits davon passiert unheimlich viel. Wir halten Autobild Klassik auf Erfolgskurs und Motor Revue, die High-End-Ausgabe innerhalb der Autobild Gruppe, erscheint künftig zweimal jährlich. Wir haben bei Sportbild verschiedene neue Produkte in den Markt gebracht, unter anderem das Meisterpaket anlässlich des Triples vom FC Bayern München. Außerdem werden weitere Sporthefte in den Markt kommen, zum Beispiel zu Basketball, Handball oder Eishockey.

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